Seit 2000 wurden mehr als 100 Journalisten ermordet

5. Oktober 2009, 18:45
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Russland ist nach Ansicht des New Yorker Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) nach dem Irak und Algerien das gefährlichste Land für Journalisten

Natalia Morar, Korrespondentin des kritischen Wochenmagazins New Times mit moldauischem Pass, durfte nach einer Dienstreise nicht mehr nach Russland: Sie gefährde die Staatssicherheit. Morar hat von schwarzen Kassen zur Finanzierung des Duma-Wahlkampfs berichtet.

"Staatsinteresse" gegen kritische Stimmen: Als Sozialwissenschafter Jewgenij Gontmacher in einem Zeitungskommentar vor sozialen Unruhen in der russischen Provinz wegen der Wirtschaftskrise warnte, entgingen Autor und Medium nur knapp einem Verfahren wegen "Anstiftung zum Extremismus".

Über die russische Kaukasusrepublik Tschetschenien, in der zwei Unabhängigkeitskriege tobten, wurde 1999 ein Anti-Terror-Regime verhängt. Ausländische Journalisten durften nur mit Sondergenehmigungen und geführten Gruppen in die Region. Erst im Juli wurde die bekannte Bürgerrechtlerin Natalja Estemirowa entführt und erschossen, die wie ihre ermordete Kollegin Anna Politkowskaja in der Nowaja Gazeta über Mord, Entführungen und Folter berichtete.

Russland ist nach Ansicht des New Yorker Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) nach dem Irak und Algerien das gefährlichste Land für Journalisten. Seit 2000 wurden in Russland mehr als 100 Journalisten ermordet. (Verena Diethelm aus Moskau, DER STANDARD; Printausgabe, 6.10.2009)

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