Sexuelle Übergriffe an Uni Salzburg

5. Oktober 2009, 18:33
2 Postings

Angeblich 20 bis 30 Opfer im vergangenen Jahr - ÖH, Uni und Betriebsrat bieten Beratung bei sexueller Belästigung

Salzburg - Die Universität Salzburg hat eine Debatte am Hals, die sich keine renommierte Institution wünscht: In den vergangenen Jahren habe es "20 bis 30 Opfer" sexueller Übergriffe von Professoren auf Studentinnen gegeben, schreibt das Nachrichtenmagazin Profil. Eine Zahl, die auf Nachfrage des Standard niemand bestätigen kann; freilich auch niemand gänzlich ausschließt.

Offiziell seien drei Fälle bekannt, bestätigt der für Lehre zuständige Vizerektor Rudolf Mosler. Einer davon sei "ein problematischer Fall" gewesen. Bei allen bekanntgewordenen Übergriffen hätte man sofort gehandelt. Besonders ärgert man sich in Salzburg über den Artikel, weil der gesamten Uni unterstellt werde, von Grapschern durchsetzt zu sein. Vizerektor Mosler: Solche Probleme "sind in allen großen Organisationen nicht völlig verhinderbar". Zu einer von Rektor Heinrich Schmidinger angekündigten Klage gegen das Magazin dürfte es aber doch nicht kommen.

Dass Übergriffe auf Studentinnen an der Uni Salzburg quasi Alltag wären, kann auch die Hochschülerschaft nicht bestätigen. In der ÖH kann man nur einen Vorfall nennen. Am Biologie-Institut sei einem Lehrenden die Abhaltung mündlicher Prüfungen untersagt worden, um die Studentinnen zu schützen. Auch am Institut für Kommunikationswissenschaften soll es zu unerwünschten Annäherungen eines Professors gekommen sein, erzählen Studierende. Eine offizielle Bestätigung solcher Erzählungen - etwa von aktiven oder ehemaligen StudentenvertreterInnen - gibt es allerdings nicht.

Einhelliger Tenor von ÖH und Universitätsleitung: Die Beweislage sei enorm schwierig, und das Autoritätsgefälle verhindere zudem oft, dass sich betroffene Studentinnen Dritten anvertrauen. Untätig wollen ÖH und Uni dennoch nicht bleiben. Seit kurzem hat man gemeinsam mit dem Betriebsrat und der Universität Mozarteum eine Hotline zur "Erstberatung bei sexueller Belästigung" eingerichtet: 0664/499 59 68 (Mittwoch 13 bis 14 Uhr). (Thomas Neuhold, DER STANDARD, Print, 6.10.2009)

Share if you care.