Deutsches TV-Team filmte Kampuschs Verlies für Dokumentation

5. Oktober 2009, 17:52
5 Postings

Rückblick über Gefangenschaft aus Sicht des Opfers soll Ende Jänner 2010 ausgestrahlt werden

Natascha Kampusch hat einem deutschen Fernsehteam in das Haus und das Kellerverlies, in dem sie achteinhalb Jahre gefangen war, Einblick gewährt. Die 21-Jährige ließ die Produktionsfirma Securitel vor einem halben Jahr Aufnahmen machen, bestätigte Kampusch-Sprecher Wolfgang Brunner entsprechende Berichte der "Wiener Zeitung" sowie der Zeitung "Die Presse" (Dienstagsausgaben). "Es wird auch im Verlies gefilmt", so Brunner. "Meines Wissens gibt es keine Aufnahmen mit ihr im Haus."

Bei dem Film handle es sich um eine TV-Dokumentation, die vom Tag der Entführung bis zur Befreiung vieles schon vereinzelt Gesagte zusammenfasse, erklärte der Sprecher. Inhaltlich sei die Produktion wie die bereits ausgestrahlten ORF-Dokumentation angelegt. Der Unterschied sei nur, dass bei einzelnen Szenen auch im Haus gedreht worden sei. Getragen sei die Produktion aber nicht von diesen Aufnahmen, sondern von Interviews mit Kampusch und anderen Personen.

Rechte beim ZDF

Die Dokumentation existiert in einer rund 40-minütigen sowie einer einstündigen Fassung und soll Ende Jänner 2010 erstmals im deutschen Fernsehen auf NDR und ARD zu sehen sein, so Brunner. "ZDF Enterprise" habe die internationalen Vermarktungsrechte inne und stelle die Produktion derzeit Fernsehanstalten bei der Fachmesse "Mipcom" in Cannes vor. Natascha Kampusch sei an den Wiederverkaufsrechten beteiligt, welche Summe sie bekommen werde, stehe noch nicht fest.

Geld sei aber nicht das Motiv für die Drehgenehmigung im Haus gewesen, betonte Brunner. "Der Drehbuchautor und Interviewer bemühte sich seit der Flucht um die Genehmigung, aus der Distanz rückblickend ein Porträt von Frau Kampusch zu machen." Der Mann habe einen sehr umfassenden Zugang präsentiert und sei sehr behutsam mit der 21-Jährigen umgegangen. "Für Frau Kampusch ging es um die Möglichkeit, sich dadurch auch von der Vergangenheit weiter zu lösen, indem sie sich noch mal damit konfrontiert", so Brunner zur "Wiener Zeitung".

Laut dem Blatt wurde an zwei Tagen in dem Haus von Kampuschs Entführer Wolfgang Priklopil im niederösterreichischen Strasshof gedreht, die 21-Jährige habe dabei keinen Fuß in das Verlies gesetzt. "Enthüllungen" soll es in der Dokumentation laut "Presse" nicht geben. Es werde die Zeit der Gefangenschaft aus der Perspektive von Kampusch erzählt, so Securitel-Geschäftsführer Martin Groß laut der "Wiener Zeitung". Dass das Verlies nun zugeschüttet werde, wie "Die Presse" berichtet, bestätigte Brunner nicht. (APA)

Share if you care.