Der Komödie erster Teil

5. Oktober 2009, 17:46
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Goethes "Faust" auch in Salzburg: Viel Schall und Rauch

Salzburg - Jetzt ist es schon wieder passiert. Nach der Burgtheater-Inszenierung von Matthias Hartmann eröffnete man auch am Salzburger Landestheater die Saison mit Goethes Faust - anders als in Wien aber nur mit Der Tragödie erster Teil. Auch in Salzburg hat Intendant Carl Philip von Maldeghem die Regie zur Chefsache erklärt - und geht sie äußerst gewissenhaft an. Zu Beginn lässt er einen Chor die leere Bühne betreten und die Schauspieler abwechselnd die "Zueignung" deklamieren. Darauf folgt ganz werktreu das Vorspiel auf dem Theater und der Prolog im Himmel. Man scheint um Vollständigkeit bemüht.

Zur Sache geht's dann mit Elan. Aus dem Bühnenboden fährt Fausts Labor samt Ratten und Pflanzen herauf, der Wissenschaftler von heute ist Genetiker. Der Doktor (Christoph Wieschke) klettert unruhig am Labordach herum und gibt Faust als Stürmer und Dränger mit Beißhemmung. Leichtes Spiel also für Mephisto (Sascha Oskar Weis), der als Agent provocateur mehr unterhaltsam als diabolisch angelegt ist. Ganz Showmaster, wirft er sich zu Beginn der großen Fahrt ein rotes Glitzersakko über.

Revuehaft ist nicht nur der Teufel, sondern auch das weitere Geschehen gewandet. Da ein aufsteigendes Feuerwölkchen, dort eine Blumenwiese, die vom Schnürboden fällt, und ein schwarzer Pudel, den das benachbarte Marionettentheater stellt. In Auerbachs Keller wird eifrig Schlager gesungen. Und als von Teufels Hand der Wein aus den Tischen strömt, quittiert man das mit "Wunder gibt es immer wieder". Das Premierenpublikum fühlt sich ob der komischen Parade prompt zu mehrmaligem Szenenapplaus hingerissen.

Mit der Nummernrevue macht man nach der Pause aber zusehends Schluss. Es geht ernsthafter zu, das ist man der Gretchentragödie schließlich schuldig. Ernsthaft, das heißt hier solide. Denn zu mehr reicht es nicht mehr.

Zu einem Faust, der mehr an den Zeilen als an der Verkörperung seiner Figur hängt, und einem Mephisto, der mit leicht pubertärer Virilität den Alleinunterhalter gibt, gesellt sich ein kreuzbraves Gretchen (Shantia Ullmann). Als sie am Ende im Kerker einen veritablen Ausbruch hinlegt, blitzen nicht nur die darstellerischen Möglichkeiten auf. Solch tragfähige Energie hätte man auch dem Stückverlauf gewünscht. (Wolfgang Schmutz, DER STANDARD/Printausgabe, 06.10.2009)

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