"Der Blonde war ein Pole"

6. Oktober 2009, 10:25
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    Offiziell gibt es "Inländertaxis" nicht mehr. Die Nachfrage wäre groß genug

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    Herr O. sagt, sich über unfaire Behandlung nicht zu ärgern: "Solche Leute wirst du nie ändern können"

Taxifahrer mit dunkler Hautfarbe haben es in Wien nicht leicht - beschweren will sich trotzdem niemand

"Wenn du einen Österreicher im Ausland triffst, ist er der netteste Mensch. Aber kaum kommt er in Schwechat an, wird er unfreundlich und ausländerfeindlich", sagt Yoyo M.
Herr M. ist grantig. Als Taxler kann er nicht wählerisch sein, mit wem er die Zeit im Auto verbringt. Abgelehnt wird nur, wer seinen Mageninhalt nicht im Griff zu haben scheint. Alle anderen werden brav mitgenommen - das Geschäft läuft auch so schon schlecht genug.

Fahrgäste haben es da meist leichter. Die Wiener Taxi-Betriebsordnung lässt ihnen die Wahl, ob sie das erste Fahrzeug am Taxistand nehmen oder nicht. Viele nutzen das Recht und wählen sorgfältig aus. Oft geht es dabei nicht um Lederpolster, Mercedesstern oder Navigationssystem. Sondern um Hautfarbe und Akzent.

Überqualifiziert

Seinen wahren Namen will M. nicht verraten, und wenn man ihn nach dem Geburtsland fragt, sagt er "Naher Osten". Mehr als drei Mal während des Gesprächs betont er, nicht religiös zu sein und noch öfter weist er ungefragt darauf hin, stets brav seine Steuern zu zahlen und als Labortechniker für diesen Job überqualifiziert zu sein. Zu oft hat er gehört, welche Klischees die WienerInnen über Menschen aus seinem Geburtsland verbreiten: Fundis, Schmarotzer, halbgebildete Prolos.

"Hab' kein Taxi bestellt"

"Ich will nicht als Mensch zweiter Klasse behandelt werden", fordert er. Doch da hat er keine Wahl. Yoyos Hautfarbe ist dunkler als die der meisten Taxler, er hat buschige Augenbrauen und tiefschwarze Augen. "Fifty-fifty", sagt er leise. Das ist M.s Quote: Etwa die Hälfte der Fahrgäste geht einfach weiter, wenn sie sein Gesicht gesehen hat. Er erzählt von Leuten, die den ganzen Standplatz abklappern, bis sie einen Taxler finden, den sie für "inländisch aussehend" halten. Dass er die halbe Stadt durchquerte, um dann mit dem Satz "Ich hab' kein Taxi bestellt" abgeschasselt zu werden, und zu beobachten, wie dieselbe Person wenig später in ein anderes Taxi einsteigt, sei ihm nicht erst einmal passiert.

Am ärgsten ist es im Wahlkampf

Auch Herr H. ist gebürtiger Afghane und seit zwanzig Jahren Taxler in Wien. Er kennt das Geschäft und dessen Rassismen, will sich aber nicht beschweren. "I bin ka Raunzer", sagt er im breiten Wiener Slang. Schließlich gehe es ihm vergleichsweise gut: "Wirklich schwer haben's die Schwarzafrikaner. Je dunkler, desto schlimmer." Kurz vor und nach den Wahlen sei es am schlimmsten, erzählt Herr H. "Man merkt, dass die Leute sich anpassen." Nach ein paar Monaten sei die Propaganda wieder vergessen. "Aber jemand, der intelligent ist, fällt auf sowas eh nicht rein."

Wobei Intelligenz nichts mit Ausbildung zu tun habe, ergänzt Kollege P.: Denn "am schlimmsten sind die Akademiker." Speziell bei Männern im feinen Tuch ortet P. den programmierten Gesetzesbruch. So wie unlängst, als ein prominenter TV-Moderator es wieder einmal eilig hatte. P. schlug ihm den Gefallen ab, die Sperrlinie zu überfahren, woraufhin der Promi ungehalten wurde. Das ärgert P.: "Im Fernsehen verlangen sie von uns, dass wir uns anpassen. Und im Taxi wollen sie, dass wir die Regeln brechen", sagt P.. "Aber die Strafe bezahle ja dann wohl ich."

Hauptsache blond

Es ist legal, nur bei hellhäutigen Taxlern einzusteigen. Ob es klug ist, ist eine andere Frage.
Herr P., ein gebürtiger Afghane, kommt aus dem Lachen kaum heraus, wenn er von seinem letzten Erlebnis am Südbahnhof erzählt. Es war Abend, und sie standen nur zu dritt am Platz. "Ich ganz vorne, neben mir ein Schwarzer, und hinter uns einer mit blonden Haaren." Schwer zu erraten, bei wem der Wiener mit dem Aktenkoffer eingestiegen sei. "Aber wissen Sie was", kichert P.: "Der Blonde war Pole - und ein totaler Anfänger."

Was bringt Menschen dazu, das Taxi nach der Hautfarbe zu wählen? "Für viele Menschen bedeutet es einen eigenartigen Stress, mit einem Dunkelhäutigen zu fahren", sagt Dieter Schindlauer, Diversity-Trainer und Zara-Obmann. "Sie glauben, dieser Mensch ist wahnsinnig anders als ein hellhäutiger, und befürchten, sich mit ihm nicht normal unterhalten zu können." Dem zugrunde liege die irrige Annahme, es werde "irgendwann wieder normal sein, dass alle weiß sind und Wienerisch reden", meint Schindlauer. "Die meisten Menschen haben das Gefühl, sie müssen sich mit dieser Form von Vielfalt nicht auseinandersetzen."

Nur nicht aufpudeln

Wer wegen seiner Hautfarbe kein Geschäft macht, hat rechtlich kaum Möglichkeiten. Hoffnung auf Schadenersatz hat nur, wer tatsächlich beleidigt wurde, sagt Wolfgang Zimmer, Leiter der ZARA-Beratungsstelle. Taxiunternehmen, die via Funk "nur Inländer" bestellen, weil die Kundschaft das so wollte, machen sich ebenfalls strafbar - vorausgesetzt, es findet sich einE betroffeneR KlägerIn. Genau daran scheitert es in den meisten Fällen. "Die Betroffenen gewöhnen sich dran, sie sehen die Diskriminierung als Teil des Geschäfts", sagt Zimmer. Kaum jemand komme in die Beratungsstelle, um sich zu beschweren.

Tatsächlich ist Yoyo M. einer der wenigen, die Frust verlauten lassen. Die überwiegende Mehrheit will nicht klagen, weil "Aufpudeln sowieso nix bringt". So sieht es Herr O.,  der im Schnitt vier Mal täglich die Gesichtskontrolle nicht besteht. "Mein Gott na, solche Leute wirst du nie ändern können", sagt der gebürtige Türke. "Solche Menschen gibt es überall." Kurz denkt er nach, dann erzählt er von seinem Einzug in den Gemeindebau.  Am ersten Wochenende in der neuen Wohnung sei daheim ziemlich viel Essen verdorben. Denn seiner Einladung an 60 NachbarInnen, zum Kennenlernen-Essen in seine Wohnung zu kommen, seien nur drei Gäste gefolgt - "die Hausbesorgerin und noch ein Ehepaar." Von allen anderen hörte er nichts:  "Wahrscheinlich haben sie keine Zeit gehabt". (Maria Sterkl, derStandard.at, 6.10.2009)

Kommentar posten
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Pepe Nero
00
19.3.2010, 13:28
Ich steig nur in gepflegte Mercedes - Taxis ein.

Woher der Fahrer kommt ist mir wurscht weil ich eh nicht mit denen red und die jetzt eh alle einen Navigator haben.

nachtschatten
11
11.11.2009, 22:38
das passt so wirklich wundebar zum österreichischen alltags-rassisten

auch die geschichte, dass niemand auf seine einladung reagierung hat. ich hab das schon öfters auch im freien beobachtet, wenn türken zb am grillen sind. es sind eigentlich nur jugendliche die essen annehmen, wenig erwachsene und keine alten menschen.

cantanto
01
11.11.2009, 21:50
Ich bestelle immer:

Nichtraucher, neuer Mercedes und möglichst keine in Österreich geborenen, denn die schimpfen meist die ganze Zeit.

Ich finde es spannend und bereichernd mit "Ausländern" zu plaudern, woher sie kommen, wie lange sie schon hier sind, über ihre Kultur, ihr Land etc.

Da ist jeder selber schuld, wenn er diesen Austausch versäumt.

Pepe Nero
00
19.3.2010, 13:30

Glauben Sie nicht, dass es den "Ausländern" unangenehm ist, ständig über ihre Herkunft ausgefragt zu werden? Mich würde es auch manchmal interessieren, aber ich finde das unhöflich. Was geht es den Fahrgast an, wo der Fahrer herkommt?

o glorioso pé de friedenreich
01
28.10.2009, 23:57
meine persönlich erfahrung ist

- dass "ausländische" taxler sich im durchschnitt genauso gut auskennen wie "inländische" (ganz abgesehn davon dass inzwischen eh jeder mit navi fährt)
- dass "ausländische" taxler meistens sehr gut deutsch können und fast immer genug dass ich sie verstehe und sie mich
- dass es unter "ausländischen" taxlern mehr höfliche menschen gibt als unter "inländischen"
- dass kein "auslädischer", aber im durchschnitt zwei von drei "inländischen" taxlern die ganze fahrt auf das wetter, den orf, die ausländer, die künstler, die radlfahrer etc schimpfen und ab und zu auch erklären wer davon alles an die wand gestellt gehört (ich gehöre da dann meistens dazu)

Dr.mumunator
99
8.10.2009, 15:44
Ist ja wirklich

unmenschlichster Rassismus wenn man nen Fahrer will der die Sprache und die Stadt kennt, oh mann.

nachtschatten
00
11.11.2009, 22:40
der dann beim polen einsteigt,

oder bei einem wiener der die stadt halt trotzdem nict kennt ;)

Tuncay
410
10.10.2009, 21:40
Dr.Mumantor

Genau solche Leute wie sie, die glauben intellektuell und weltoffen zu sein ,sind die ärgsten Rassisten sagt ein Taxler.
Sie haben das mit ihrem Post eindrucksvoll bestätigt.

politisch verfolgt
33
14.10.2009, 01:30
"sagt ein taxler"

na dann stimmts sicher. wenns sogar ein taxler sagt.

little django
 
34
9.10.2009, 11:00

und das sehen sie anhand der "gesichtsfärbung"? und wieso kann sich ein seit 10jahren taxlerner afrikaner net so gut auskennen und deutsch können wie ein neu anfangender österreicher? das wissns erst wenn sie drinnen sitzen und es ausprobieren. können hängt weder mit hautfarbe noch mit sprache zusammen - nichtkönnen genausowenig

J.J
21
13.10.2009, 14:34

Und wenn man weder Lust noch Zeit hat zum "ausprobieren"?

Genau, dann geht man auf Nummer sicher.

Dr.mumunator
21
10.10.2009, 15:23
Wahrscheinlichkeitsrechnung?

little django
 
22
10.10.2009, 20:12

ach, und sie fahren so oft taxi in wien und es gibt so viele dunkelhäutige taxifahrer daß sie das ordentlich statistisch auswerten können? da schau her, ich bin baff

eowyn eowyn
01
8.10.2009, 11:02
also

zugegeben, ich schaue mir auch immer die taxis an... aber punkt a, nach dem auto...
punkt b, es muss ein raucher taxi sein..
punkt c, ich muss dem taxler auch zutraun das er wien und seine abkürzungen gut kennt...

näheres zu punkt c:
ich entscheide dann meist eher spontan.. wobei nach einigem überlegen...
Deshalb glaube ich kommt es auch immer auf die Interpretation des Betroffenen an...
Auch wenn er sich dann denkt aha die dumme blondine ist ausländerfeindlich weils in ein anderes taxi einsteigt, muss das nicht die ursache sein...

So Nina
02
7.10.2009, 15:40
Mir ist es egal...

...welche Hautfarbe der Taxler hat. Ich wähle Nichtrauchertaxis und habe am liebsten Fahrer, die einigermaßen gut Deutsch können. wichtig ist mir auch, dass die Fahrer flüssig fahren, wenn möglich nicht schimpfen, freundlich sind usw.
Und vor allem: keine Umwege fahren!!!

myope
04
7.10.2009, 15:36
einE betroffeneR KlägerIn ...

bitte.

ist das noch lesbar?

Eddie Eddison
00
9.10.2009, 07:13
oO - jetzt merk ichs erst!

ich hatte das wirklich für einen Formatierungsfehler gehalten!

myope
01
9.10.2009, 07:16
ja. für einen Fehler halte ich es auch!

Chien de Pique
01
8.10.2009, 20:27

ein_E betroffene_R Kläger_in muss es heißen!

myope
01
8.10.2009, 21:55
die zensur ist hier gnadenlos!

grandia
21
7.10.2009, 14:10
unterschiede bei der wahl ...

herr frank, gratuliere, sie gehören zu den wenigen die es mühelos schaffen sich dinge so einzurichten das sie einem selbst passen ...

was haben ihre tomaten mit menschen zu tun? sie gehen zum bila weil sie sich dann weniger als ein prolet vorkommen der zusammen mit den ausländern beim hofer einkaufen geht. ein anderer grund fällt mir momentan nicht ein.

vergessen sie auch nicht die kosten ihrer tomaten wobei die ja unterschiedlich kosten. aber eine taxifahrt mit einem tschuschen oder mit einem einheimischen kostet gleich viel ... kapiert? oder wollen sie nicht?

bei der wahl zwischen 2 oder mehr taxis, gilt für mich nur beispielhaft: "der mercedes schaut bequemer und sauberer als die alte opel-kiste ..." ich nehm den schwaben!

Francois23
 
03
7.10.2009, 12:50

Zum Artikel: top

Zum Thema: einfach nur traurig und Straches Saat nimmt immer mehr Formen an,...

frank rosner
34
7.10.2009, 08:02
Was ist grundfalsch daran

wenn ich mir einen taxler ausuche - egal nach welchen kriterien, ist es auch rasistich wenn ich mein gemüse beim billa kaufe, obwohl nebenan der tükische stand ist- da habe ich auch gewählt das ich billa-ware (warum auch immer) will und nicht die andere. und schimpfend/oder beieldigend über "andre" zu reden, auch das beruht auf gegenseitigkeit

Ben Vassy
16
7.10.2009, 11:05

Das stimmt grundsätzlich. Es sind nur zwei unterschiedliche Ebenen, die hier angesprochen werden:

Das eine ist das Recht des Kunden, sich seinen Vertragspartner auszusuchen - egal nach welchen Kriterien.

Das andere ist die Beobachtung, daß manche Kriterien offenbar eine besonders große Rolle spielen... und das Hinterfragen, ob das denn objektiv nachvollziehbar ist.

Ich persönlich bin gegen jede unnötige Einschränkung bei der Vertragsfreiheit... Auf beiden Seiten übrigens. Es geht mir also nicht ums "Dürfen".

Aber das heißt nicht, daß man nicht drüber reden und es persönlich ablehnen kann. Vor allem wenn es dazu führt, daß einzelne Personengruppen regelmäßig wirtschaftliche Nachteile erfahren, ist es ein lohnenswertes Diskussionsthema.

djang
00
7.10.2009, 08:33

und warum soll ich nicht bei einem stand äpfel kaufen, wenn der stand daneben vergleichsweise nur birnen anbietet?

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