Effekthascher unter sich

5. Oktober 2009, 16:56
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Große Klassik-Show: Pianist Lang Lang und Sängerin Cecilia Bartoli

Wien - Der Showman unter den Pianisten und die schrille Primadonna als Gespann bei einem Lieder- und Arienabend? Ausgerechnet dem Musikverein war es vorbehalten zu zeigen, dass nicht nur das geht, was übrigens in derselben Konstellation schon in Paris zu erleben war und etwa für Berlin bereits gebucht ist.

Der nobelste unter den Musikveranstaltern Wiens gibt in dieser Saison außerdem dem klavieristischen Langfinger die Plattform für einen eigenen Zyklus und bestätigt damit die immer noch ausbaufähige Vorherrschaft des Glamourösen auf dem Mäntelchen mancher Klassik-Stars. Längst herrschen in diesem Metier ja dieselben Gesetze wie bei sonstigen Veranstaltungen am globalen Jahrmarkt der Aufmerksamkeit. Dass Lang Lang für den Start seiner vierteiligen Reihe gemeinsam mit Cecilia Bartoli an die Rampe trat, war insofern konsequent, als beide das Ausspielen der massenwirksamen Geste aufs Äußerste perfektioniert haben.

Ohne ihr musikalisches Können gering zu achten, liegt ihr großes Talent wohl vor allem in diesem mehr Auge als Ohr ansprechenden Bereich. So wickelte denn auch Bartoli das Publikum mit einer spielerischen Bühnenpräsenz um den kleinen Finger, das ihr schon vor dem ersten Ton zu Füßen lag und mit tosendem Applaus quittierte, dass sie sich ein Taschentuch ins Dekolleté stopfte.

Weniger wichtig als die wirksame Pose schien es in diesem Programm mit Raritäten aus dem italienischen Belcanto-Repertoire von Bellini oder Donizetti zu sein, immer zu wissen, ob es sich nun um einen Triller oder ein Tremolo, um den nächsten oder übernächsten Ton auf der gurgelnden Koloraturenskala handelte.

Währenddessen nutzte Lang Lang, der handwerklich ordentlich sekundierte, jede Gelegenheit, sich in den Vordergrund zu spielen, und sei die Gelegenheit noch so spärlich: Ein exponierter Ton genügte ihm schon, sich in Szene zu setzen, gleich, ob es nun Sinn machte oder nicht. Trotz einiger eindringlicher lyrischer Arietten oder Rossinis mit Schwung geschmetterter La danza: eine niederschmetternd oberflächliche Veranstaltung. (Daniel Ender, DER STANDARD/Printausgabe, 06.10.2009)

Lang setzt seinen Zyklus heute im Musikverein mit den Wiener Philharmonikern und einem Haydn-Klavierkonzert fort (ausverkauft). Weitere Termine: 16. 1., 28. 2.

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