Clearstream-Prozess: Geheimdienstgeneral widerspricht Villepin

5. Oktober 2009, 16:39
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Rondot: Name Sarkozys bei Treffen im Jänner 2004 gefallen

Paris - Im Prozess um die Rufmord-Kampagne gegen den heutigen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy hat ein Geheimdienstgeneral dem angeklagten Ex-Regierungschef Dominique de Villepin widersprochen. Er habe Villepin im Jänner 2004 sehr wohl darüber informiert, dass Sarkozys Name auf Kontenlisten mit angeblichen Schwarzgeldempfängern auftauche, sagte der als Zeuge gehörte General Philippe Rondot am Montag vor Gericht in Paris. Villepin hat bisher stets zurückgewiesen, dass Sarkozys Name im Zusammenhang mit der Affäre gefallen sei. Dem Ex-Premier drohen in dem Verfahren, in dem Sarkozy als Nebenkläger auftritt, fünf Jahre Haft.

In der sogenannten Clearstream-Affäre waren ab Mai 2004 Kontenlisten mit den Namen von Sarkozy, weiteren Politikern und Industriemanagern in Umlauf gebracht worden. Sarkozy sah darin eine Intrige, um ihn auf dem Weg zur Präsidentschaftskandidatur zu stoppen. Villepin hatte sich seinerzeit im konservativen Regierungslager einen heftigen Machtkampf um die Nachfolge des damaligen Präsidenten Jacques Chirac geliefert.

"Sarkozys Name wurde genannt"

Bei Rondots Aussage ging es um ein Treffen am 9. Jänner 2004. Villepin war damals durch den gleichfalls angeklagten EADS-Vize-Präsidenten Jean-Louis Gergorin im Beisein des Generals über die Kontenlisten informiert worden. "Sarkozys Name wurde genannt", sagte Rondot. Gergorin habe unter anderem auf ein Sarkozy zugeschriebenes Konto erwiesen. Am Ende des Treffens habe Villepin darauf verwiesen, dass er von Staatschef Chirac ermächtigt sei, diese Affäre um Schwarzgeld und Geldwäsche zu untersuchen - auch das hat Villepin bisher immer bestritten.

Der heute 73 Jahre alte Rondot ist in Frankreich eine Legende. Der "Super-Spion" bekam in den 80er Jahren Geiseln im Libanon frei, verfolgte Kriegsverbrecher aus Ex-Jugoslawien und spürte 1994 den Terroristen Carlos im Sudan auf. Bei Rondot beschlagnahmte Notizbücher über seine Ermittlungen in der Clearstream-Affäre sind eine der Hauptstützen der Anklage. Villepin hatte Rondot vergangene Woche seinerseits eine Mitschuld daran gegeben, dass die Affäre nicht früher gestoppt worden sei, als die Glaubwürdigkeit einer Hauptquelle für die Kontenlisten in Zweifel gezogen worden sei. (APA)

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    Dominique de Villepin verlässt den Gerichtssaal

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