Grüne kritisieren Wiener Psychiatrie

5. Oktober 2009, 16:38
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Gesundheitssprecherin Pilz: Neue Abteilungen führen Stigmatisierung und Ausgrenzung fort - SPÖ weist Vorwürfe zurück

Wien - Die Grünen sehen - rund ein halbes Jahr nach Ende der gemeinderätlichen Untersuchungskommission - weiterhin Missstände in Wiens Psychiatrie. Bei der Neugestaltung beispielsweise von Abteilungen, die vom Otto-Wagner-Spital (OWS) in andere Krankenhäuser übersiedelt werden, wiederhole die Stadt Fehler der Vergangenheit, kritisierte Gesundheitssprecherin Sigrid Pilz am Montag eine Fortführung von Stigmatisierung und Ausgrenzung psychisch Kranker.

Als Beispiel nannte Pilz die Neugestaltung der derzeit noch bestehenden psychischen Abteilungen 5 und 6 des OWS. Sie werden in das KH Rudolfsstiftung beziehungsweise das KH Hietzing verlegt, wobei die dafür konzipierten Neubauten "keinem integrativen Ansatz verpflichtet" seien: "Ich frage mich, ob hier das alte schlechte Konzept des 'Narrenturms' fortgesetzt werden soll", kritisierte Pilz.

In beiden Fällen würden die psychiatrischen Abteilungen nicht auf dem Spitalsgelände liegen. Stattdessen sei vorgesehen, psychisch Kranke räumlich isoliert und in als Psychiatrie erkennbaren Einzelbauten unterzubringen. Zudem seien keine Bereiche vorgesehen, die auf Wunsch der Patienten räumliche Beschränkungen auf humane Weise vorsehen.

SPÖ weist Kritik zurück

Zurückgeweisen wird die Kritik der Grünen von der regierenden SPÖ. SP-Gemeinderätin Sonja Ramskogler in Richtung Pilz: "Ihre Ausdrucksweise macht deutlich, wie wenig Bedeutung die Entstigmatisierung psychisch Erkrankter für Pilz hat, während ihre inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema kaum flacher möglich ist."

Die Dezentralisierung der Wiener Psychiatrie werde derzeit Schritt für Schritt umgesetzt, wenn auch von den Grünen nicht zur Kenntnis genommen. "Pilz würde jede Modernisierung, die die Stadt Wien leistet und die nicht auf dem Reißbrett der Grünen entstanden ist, als 'Fehler' bezeichnen, um ihre fadenscheinige Parteipolitik unter die Leute zu bringen", konstatierte Ramskogler.

"Versäumnisse" bezüglich der Psychiatriereform hatte indessen auch die ÖVP moniert. Die bereits 1979 im Gemeinderat beschlossene Dezentralisierung sei bis heute nicht abgeschlossen, kritisierte die VP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec "diverse Bremsmanöver" der zuständigen SP-Stadträte. Experten würden seit Jahren auf taube Ohren seitens der Stadt stoßen, so ihre Diagnose. (APA)

 

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