Grabtuch von Turin eine mittelalterliche Fälschung

5. Oktober 2009, 15:34
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Chemie-Experte der Universität von Pavia stellt eigenes "Grabtuch" her, das alle Eigenschaften des Originals aufweist - "Reliquie stammt aus 14. Jahrhundert"

Rom - Ein Chemiker der Universität von Pavia, Luigi Garlaschelli, hat ein "Turiner Grabtuch" produziert, das nach seinen Angaben alle Eigenschaften der in Turin aufbewahrten Ikone ("la Santa Sindone") aufweist. Wie Garlaschelli der römischen Tageszeitung "La Repubblica" am Montag berichtete, sei die Herstellung des Leintuches mit im Mittelalter vorhandenen Mitteln möglich gewesen.

In wenigen Tagen stellte Garlaschelli mit Werkzeugen und Materialien, über die die Menschen im Mittelalter verfügten, eine Kopie des Grabtuches her, die dem Original sehr ähnlich sieht. Das Leintuch soll bei einem Seminar in Pavia vorgestellt werden. Nach weit verbreiteter Ansicht ist die "Santa Sindone" das Grabtuch, in das der Leichnam Christi nach der Kreuzigung gehüllt wurde.

"Das Turiner Grabtuch ist mit einer Methode gewoben worden, die es erst im Mittelalter gab. Auch die Art, mit der das Tuch den Leichnam umhüllte, entsprach nicht dem hebräischen Gebrauch im ersten Jahrhundert nach Christus", sagte Garlaschelli.

Mysteriöse Herkunftsgeschichte

Das Grabtuch wird seit 1578 im Turiner Dom in einer eigenen Kapelle aufbewahrt. Es wurde zuletzt in den Jahren 1998 und 2000 öffentlich gezeigt. Damals kamen insgesamt 3,5 Millionen Menschen in die piemontesische Hauptstadt, um das Leinen mit dem mutmaßlichen Abdruck Jesus' zu sehen. Die Herkunftsgeschichte der "Sindone" ist geheimnisumwittert. Die frühesten belegten Schriften, die das Grabtuch erwähnen, stammen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Bereits damals wurde die "Santa Sindone" als Fälschung beschrieben.

Das 4,36 mal 1,10 Meter große Leinentuch zeigt den Abdruck eines kräftig gebauten, 1,81 Meter großen Mannes mit Bart und langem Haar. Einig sind sich die Forscher, dass der "Mann des Grabtuchs" alle Merkmale der in der Bibel beschriebenen Kreuzigung aufweist.

C-14-Datierung

Eine 1988 durchgeführte Untersuchung des Grabtuchs nach der C-14-Methode hatte das Grabtuch auf das Mittelalter datiert. Dieses Resultat war von der Kirchenleitung, aber auch von zahlreichen Forschern angezweifelt worden. Das Ergebnis sei durch chemische und biologische Verunreinigungen durch frühere Restaurierungsarbeiten und durch Löschwasser beeinträchtigt worden, hieß es. (red/APA)

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    Fälschung (links) und Kopie der Fälschung (rechts)

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    Das Grabtuch von Turin als Positiv (links) und Negativ.

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