"Rechnen mit Gott und der Welt"

5. Oktober 2009, 14:41
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"Math.Space"-Gründer Rudolf Taschner beschreibt Wirtschaft, Kunst, Religion und Moral mit mathematischer Brille

Wien - Bei der Lektüre eines Buchs des "math.space"-Gründers Rudolf Taschner muss man mit allem rechnen. Das stellt der Autor gleich zu Beginn seines neuen Werks "Rechnen mit Gott und der Welt. Betrachtung von allem plus eins" doppeldeutig klar. Auch damit, dass ein Buch über Mathematik praktisch ohne Formeln und mit nur wenigen Zahlen auskommt und sich tatsächlich mit Gott und der Welt beschäftigt: "Nicht von der Mathematik selbst wird hier berichtet, sondern mit mathematischen Augen staunend auf eine bunte Palette von Themen geblickt", heißt es im Vorwort.

Wenn Taschner über seine Wissenschaft schreibt, geht es weniger um Addieren, Subtrahieren, Multiplizieren, Dividieren oder gar Bruchrechnen und Integrieren, sondern vielmehr um Kulturgeschichte, Kunst oder Philosophie - aber eben durch eine mathematische Brille betrachtet. Wie bereits in seinem Vorgängerwerk "Zahl Zeit Zufall. Alles Erfindung?", das neben anderen Werken zum "Wissenschaftsbuch 2008" gewählt wurde, unternimmt der Professor der Technischen Universität (TU) Wien einen Streifzug durch die Geschichte, porträtiert liebevoll berühmte Mathematiker und konfrontiert den Leser mit Problemen wie dem berühmten Gefangenendilemma.

Mathematik und Wirtschaft

Besonders aktuell sind die Ausführungen Taschners über Mathematik und Wirtschaft. Gleich zu Beginn stellt er dabei fest, "dass Rechnen mit Tauschen und Täuschen begonnen hat". Dabei spannt er den Bogen von den ersten Bauern, die mittels Kugeln und Scheiben in einem Tongefäß die Anzahl der ihren Knechten für den Verkauf anvertrauten Tiere kontrollieren wollten, über die Entstehung und Tücken von Zins und Zinseszins bis hin zur modernen Spekulation und Arbitrage an den Finanzmärkten.

Für den modernen Betrachter ebenfalls überraschend ist die Verbindung von Mathematik und Kunst, die Taschner etwa im Kapitel über den "Goldenen Schnitt" anspricht oder später in seinen Ausführungen zu Fluchtpunkt und Perspektive (im Kapitel über die Religion). In "Mathematik und Moral" widmet sich der Autor unter anderem den Grundlagen der Spieltheorie, gegen Ende des Buchs nimmt er sich dann der beiden größten Dinge des Lebens an: Fußball und Religion. Unter anderem untersucht er den Satz des Fußballtrainers Werner Lorant, wonach der "Ball rund ist. Wäre er eckig, wäre er ja ein Würfel", auf seine mathematische Richtigkeit.

Mathematik und Religion

Die Einstellung der Mathematik(er) zur Religion bildet den Abschluss des Buchs. Auch hier vermittelt Taschner den Lesern das Thema mit einem Augenzwinkern quasi im Vorbeigehen: So porträtiert er etwa den exzentrischen Mathematiker Godfrey Harold Hardy, der Gott vehement leugnete, gleichzeitig aber zu überlisten versuchte. Zu diesem Zweck kreuzte er zu Cricketspielen häufig mit einem "Anti-Gott-Geschütz" auf, bestehend aus Strickjacken, Regenschirm, Artikeln von Kollegen sowie schriftlichen Prüfungsarbeiten von Studenten. Überlegung dahinter: Gott würde bei seinem Anblick vermuten, dass er sich mit diesen Dingen für schlechtes Wetter gerüstet habe, und deshalb - um ihn zu ärgern - wohl die Sonne scheinen lassen. (red/APA)


Link
math.space

Buchtipp
Rudolf Taschner: "Rechnen mit Gott und der Welt"
Ecowin Verlag
240 Seiten, 22 Euro
ISBN 978-3-902404-78-7

Präsentation am 6. Oktober um 19.00 Uhr, Buchhandlung Morawa, 1010 Wien, Wollzeile 11

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    cover: ecowin verlag
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