"Die einzige Möglichkeit zu überleben"

05. Oktober 2009 18:30
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    Wenig Partei, viele Flügel: Ex-BZÖ-Chef Peter Westenthaler mit seinen Wiener Bündnispartnern Herbert Scheibner und Landesparteichef Michael Tscharnutter (v.l.n.r.).

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    Foto: apa/pfarrhofer

    Der Steirer Gerald Grosz hält nichts von ideologischen Festlegungen. Die FDP-Avancen findet er entbehrlich.

BZÖ-Chef Josef Bucher versucht den Wählern ein scharfes Bild von seiner Partei zu zeichnen - Doch die weiß nicht, was sie will

Eins. So viel Prozent erreichte das BZÖ bei der Wiener Landtagswahl 2005. Abgerundet, muss man fairerweise sagen: In Wien kamen die Orangen 2005 auf 1,15 Prozent der Stimmen. In der Steiermark waren es im selben Jahr 1,72 Prozent. Das nächste Jahr - wenn Wien, die Steiermark und das Burgenland neue Landtage wählen - wird zum Schicksalsjahr für das BZÖ. Ein Schicksalsjahr mit schlechten Vorzeichen.

In Oberösterreich und Vorarlberg, in Salzburg und Tirol hat man den Einzug in den Landtag verpasst. Im Grunde hat man jede Landtagswahl verloren - bis auf den Triumph in Kärnten. "Vorarlberg ist eine eigene Welt mit eigenen politischen Spielregeln", hatte BZÖ-Generalsekretär Martin Strutz nach der dortigen Wahlschlappe gemeint. Nun mehren sich die Stimmen, ob das nicht Kärnten sei, diese "eigene Welt".

Bucher vs. Scheuch

Noch etwas kommt dazu: Ein Jahr nach Jörg Haiders tödlichem Unfall - der Kärntner Landesvater verunglückte am 11. Oktober - ist die demonstrative Einigkeit dahin. Es brennt ein Richtungsstreit zwischen liberal und traditionell. Die einen - allen voran Parteichef Josef Bucher - wollen die Partei als Wirtschaftskompetenz-Zentrum aufstellen, nach Vorbild der deutschen FDP. Die anderen - der Kärntner BZÖ-Obmann Uwe Scheuch und sein steirischer Kollege Gerald Grosz - setzen auf bewährte Rezepte: restriktive Migrationspolitik, dafür generöse Sozialpolitik nach Kärntner Vorbild.

Im Grunde geht es um die Frage: Tritt man als FPÖ light auf oder als wirtschaftsliberale Partei.

"Wir wollen keine abgemilderte, kleine FPÖ sein", sagt Helmut Stubner vom Wiener BZÖ. "Die Leute brauchen keine zweite FPÖ." Stubner führt seit kurzem den Titel "geschäftsführender Landesparteichef". Der eigentliche Landesparteichef Michael Tscharnutter sei "beruflich ausgelastet". Stubner will diesen Herbst auch beim Wiener BZÖ-Konvent als neuer Landesparteiobmann kandidieren. Er sieht das BZÖ als Partei der Leistungsträger, will es als liberale Kraft positionieren. Aber natürlich, "wenn Sie alle im BZÖ durchrufen, werden Sie andere Meinungen finden".

Orange Zerrissenheit

Tatsächlich muss man im BZÖ nur drei Anrufe machen, um drei Meinungen zu bekommen. Der steirische BZÖ-Chef Gerald Grosz sagt, er werde in jedem Fall an seiner Linie als Kontroll- und Sicherheitspartei festhalten (Wahlplakat 2008: "Wir säubern Graz"). Grosz zu derStandard.at: "Beim Namen Gerald Grosz weiß jeder in der Steiermark, wofür wir stehen." Der burgenländische BZÖ-Obmann Jörg Steiner schwankt hingegen zwischen Wiener und steirischer Position: Ihm gefalle beides, "wir sind sehr breit aufgestellt", sagt er auf Nachfrage von derStandard.at. Liberalismus und Law-and-Order-Politik seien kein Widerspruch, sondern "ein sehr guter Mix".

Der Wiener BZÖ-Mann Stubner verweist auf die spezielle Konstellation in der Hauptstadt. "Bei einem Duell Häupl gegen Strache können wir nicht mitmachen." Die Zeiten seien vorbei, "wo ein Haider sich hinstellt und im Sturm die Herzen der Menschen erobert", nun suche man nach der politischen Lücke: als wirtschaftsliberale Partei, für die "Leistungsträger der Gesellschaft".

Keine Westerwelle-Mania

Grosz sagt, er halte nicht viel von dieser "Westerwelle-Mania". Und speziell an den Wiener Parteikollegen Stubner adressiert: "Dieser Herr ist mir nicht wirklich bekannt. Wenn der Herr Stubner seinen Hauptwohnsitz in die Steiermark verlegen würde, dann würde mich das vielleicht interessieren. Ich kann ja auch nicht kommentieren, wenn in Peking ein Radl umfällt." Im Übrigen, so Grosz, sei ja Tscharnutter der Landesparteichef. Und der - nicht Stubner - habe auch vorige Woche an der Krisensitzung mit Parteichef Bucher und Kärntens Uwe Scheuch teilgenommen.

Aber auch Tscharnutter sagt zu derStandard.at: "Ich bin ein Fan des Bucher-Kurses. Der ist auf Bundes-Ebene unsere einzige Möglichkeit zu überleben." Wie sich die Bundespartei positioniere, sei dennoch deren Entscheidung. In der Diskussion zwischen Kärntner und Bundes-BZÖ "sind wir nicht sehr spielrelevant", meint Tscharnutter über seine Landesgruppe.

"Können von Politik nicht leben"

Ob das BZÖ überhaupt zur Wiener Landtagswahl 2010 antritt, sei noch offen, sagen die Wiener Stubner und Tscharnutter unisono. Uneinigkeit herrscht aber offenbar über die künftige Führung der Landespartei. Während Stubner sagt, Tscharnutter werde beim Konvent im November nicht antreten, will der das selbst gar nicht ausschließen. "Das ist jetzt keine Frage der Köpfe", sagt Tscharnutter.

Auch im Burgenland sei ein Antreten offen, sagt der dortige BZÖ-Chef Steiner. Schon 2005 hatte man es dort nicht einmal versucht. Steiner ist im Brotberuf übrigens Elektrotechniker, sein Wiener Kollege Tscharnutter Landesbeamter. Stubner macht in Immobilien. "Wir alle können von der Politik nicht existieren", sagt er.

Grosz ist der einzige BZÖ-Landesobmann, der nächstes Jahr mit Sicherheit eine Wahl schlagen wird. Sein Antreten in der Steiermark sei "unbestritten". Dass das orange Bündnis 2005 bloß auf 1,72 Prozent kam, beunruhigt ihn nicht. "Da hat keiner gewusst, wo wir hinwollen." (Lukas Kapeller, derStandard.at, 5.10.2009)

Kommentar posten
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Ich bin der Meinung...
10.10.2009 07:47
Grosz und Westerwelle

sind sich ja sehr ähnlich. Nicht in den politischen Inhalten, aber Frau Grosz könnte genauso gut Frau Westerwelle sein.

hotta
09.10.2009 17:22
Programm

Bei Seppi Bucher zeigt sich deutlich, wie schwierig es für einen Quereinsteiger ist, einem Bündnis Profil, Programm und Inhalt zu geben. Alles was er bisher von sich gegeben hat, verrät, dass er seiner Aufgabe noch nicht gewachsen ist und vorallem die beabsichtigte Parteilinie nicht so darstellen kann, dass die Menschen den Eindruck haben können, dass er sie verinnerlicht hat.

Bigmouth
09.10.2009 10:59
Eine jämmerliche Versammlung von Losertypen

ist diese Truppe. Dass der dümmste die Klappe am weitesten aufreißt, passt blendend in das Bild, das dieser Idiotenverein abgibt. Im nächsten Jahr bei der steirischen LT-Wahl wird er wohl seine Watschen abräumen. Es steht nur zu befürchten, dass das nicht reichen wird, um ihm klarzumachen, dass er endlich den Rand halten soll. Über Westenthaler und Dörfler kann man wenigstens manchmal schmunzeln; die gehören anscheinend zum Leben im 21. Jahrhundert wie Tom Gerhardt, Erkan und Stefan, Dieter Bohlen und Zlatko Trpkovski - manche brauchen sowas. Aber dieser Gnom nervt nur mehr.

Cuchullain
09.10.2009 07:19
Wieso wird/wurde noch nicht über Haiders Liebhaber René berichtet???

Liegt die Pressefreiheit in unserer Bananenrepublik in den Händen von "BILD" und "ÖSTERREICH"?

Beobachter zweiter Ordnung
07.10.2009 22:44
Wozu soll das BZÖ überleben?

LGM
09.10.2009 14:42

gibt eh schon einen Konkursantrag

Ramon D* Amour
07.10.2009 22:11
Bauts Orangen an und werdets Fruchsaftproduzent!

Wilhelm Guschlbauer
09.10.2009 20:12
Genau!

Requeiscat in pacem!

ed sacki
07.10.2009 10:24
jö schau, die sozis wollen ihr profil schärfen

die bzöler auch, am besten wär gleich eine vereinigung, da käme man in kärnten gleich auf einen wähleranteil von über 80%!!

peter schmidt
 
06.10.2009 16:57
wird jetzt der grosz graz von ukrainischen asylwerbern die schon längst rechtskräftig abgewiesen sind?

LGM
07.10.2009 09:31

?? wie meinen ??

peter schmidt
 
12.10.2009 12:20
ach das war ein kleiner insiderwitz

bezieht sich auf den lebensgefährten

Mika Eskimo
 
06.10.2009 16:47
Wie scharf ist ihr Profil ?

Jetzt schärfen die auch schon Profil, ein Trost, dann gibt es sie wenigstens bald nicht mehr. Bzw. außerhalb von Kärnten.

Marlon 70
06.10.2009 16:40
der Grosz..

ein politischer Emporkömmling sonder Gleichen. Ein Dampfplauerer vor dem Herrn. Der Gartenzwerg wird bald auch unter die politischen Räder kommen. Ich kann nicht verstehen, wie ein Taugenichts wie er, bei dieser Partei vorne mitmischen kann.

Die Wortmeldungen sprechen an sich schon für sich. Alles nur heiße Luft.

Cuchullain
09.10.2009 07:27
"Ich kann nicht verstehen, wie ein Taugenichts wie er, bei dieser Partei vorne mitmischen kann. ..."

Um bei F und BZÖ vorne mitzumischen muss man doch wohl ein Taugenichts sein!

Wird in den Zeitungen jetzt endlich über das Outing von Haiders Liebhaber berichtet, oder liegt die Pressefreiheit in Ösistan in den Händen von "BILD" und "ÖSTERREICH" ?

Beobachter zweiter Ordnung
07.10.2009 22:44
und der Scheuch ist eine Leuchte?

Reinhard Kober
08.10.2009 09:11
JA ---- und die Erde eine Scheibe

und noch was: Grosz will Graz "säubern"

aber: wer säubert Österreich vom BZÖ?

ddsg-kapitän nemo
06.10.2009 14:30
"Die Leute brauchen keine zweite FPÖ."

da kann man bucher einmal zustimmen. der überwiegenden mehrheit scheinen bereits die erste fpö und das bzö viel zu viel zu sein.

Asparuch Edler von Leschnikoff
 
06.10.2009 14:40

Also wenn sich "viel zu viel sein" in Wahlergebnissen ausdrückt, dann trifft das wohl einzig auf die SPÖ zu - was aber natürlich auch seine Richtigkeit hat.

derfalke
06.10.2009 13:00
Das BZÖ ist und bleibt die bestimmende politische Kraft in Kärnten.

Darauf kommt es an. Wir Kärntner werden das BZÖ immer wieder wählen, weil keine andere Partei die speziellen Interessen Kärntens so gut, so effektiv und so nachhaltig vertritt. Man denke nur an die Ortstafelfrage oder an die Asylpolitik.

Das BZÖ sollte sich deshalb auf Kärnten (und ggf. Steiermark) konzentrieren und im übrigen eine strategische Zusammenarbeit mit der FPÖ nach dem CDU/CSU-Modell eingehen. Es macht keinen Sinn, sich in den Ländern gegenseitig zu schwächen.

Getrennt marschieren, aber vereint schlagen, das war schon immer eine sehr erfolgreiche Taktik.
Andere reden, das Dritte Lager handelt! :-)

Wilhelm Guschlbauer
09.10.2009 20:15
zurueck zu Kerntne - Krein - Goerz.

Abschieben die Brüder! In der k & k Monarchie wusst man warum man die Bruuder nciht wollte

hotta
09.10.2009 17:12
Kärntenbild

Diesem verzerrten Kärntenbild stellt CR Hubert Patterer in seiner brillanten Festrede anläßlich der Preisauszeichnung der "Konsensgruppe" durch die Stadt Villach ein Gegenbild gegenüber. Bitte lesen: Kleinezeitung vom 08.Okt.09

LGM
06.10.2009 17:43

Entschuldige schon, Falke, aber ich traue den Kärntnern mehr Intelligenz zu, als weiter das BZÖ zu wählen.
Die "speziellen Interessen" würde ich nicht erwähnen, das klingt irgendwie nach Sonderschule...

Marlon 70
06.10.2009 16:35
Wo der Falke ...

Recht hat, hat er Recht!

Kärntner wurden von ihrem Landeshauptmann vetreten und ernst genommen. Das BZÖ wird dort für noch lange Zeit eine bestmmende Kraft bleiben.

LGM
06.10.2009 17:45

ja, und wo er unrecht hat (so gut wie immer), da hat er eben unrecht.
Haider hat Kärnten herabgewirtschaftet, die Kärntner wären schön blöd, das BZÖ weiter zu wählen

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