Gericht hält Berlusconi für Richterbestechung mitverantwortlich

5. Oktober 2009, 14:12
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Mediengruppe Fininvest muss hohen Schadenersatz für "gekauften" Richterspruch zahlen

Rom - Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi ist für Richterbestechung mitverantwortlich. Dies schrieb Richter Raimondo Mesiano in dem 140-seitigen Urteil, mit dem Berlusconis Medienholding Fininvest am Samstag zur Zahlung von rund 750 Mio. Euro an die Holding seines Erzrivalen Carlo De Benedetti verurteilt worden ist.

Das Geld soll De Benedettis Industriegruppe CIR für ein Gerichtsurteil aus dem Jahr 1991 entschädigen, mit dem Berlusconis Fininvest die Kontrolle über das Mailänder Verlagshaus Mondadori erhielt. Ein Strafgericht hatte Jahre später geurteilt, dass der damalige Richterspruch "gekauft" worden war - Berlusconi wurde wegen Verjährung jedoch nie dafür belangt. Als Besitzer der Fininvest sei Berlusconi für die Richterkorruption mitverantwortlich, hieß es in der am Montag veröffentlichten Urteilsbegründung.

Obwohl das jüngste Zivilurteil keinen Einfluss auf Berlusconis Kontrolle über Mondadori hat, ist es für Fininvest ein schwerer finanzieller Schlag. Die Tochter des Ministerpräsidenten, Marina Berlusconi, kündigte als Konzern-Vorsitzende umgehend Berufung an. Gleichzeitig will sie mit einer einstweiligen Verfügung erreichen, dass Fininvest den Schadensersatz nicht - wie im italienischen Recht üblich - sofort zahlen muss. Das Urteil sei "zutiefst ungerecht", Fininvest habe sich immer "korrekt" verhalten, erklärte die Konzernchefin. Benedetti begrüßte dagegen das Urteil. "Fast 20 Jahre, nachdem unser Konzern durch Betrug um die Kontrolle von Mondadori gebracht wurde, wird uns wenigstens zivilrechtlich Gerechtigkeit zuteil", erklärte er.

Mit der Übernahme von Mondadori erhielt Berlusconi die Kontrolle über eine Reihe einflussreicher Zeitungen und Wochenmagazine. Seinem Widersacher gehören die Zeitung "La Repubblica" sowie die Wochenzeitung "L'Espresso". Sie zählen zu den wenigen Berlusconi-kritischen Medien in Italien. (APA) 

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    Berlusconis Medienholding Fininvest wurde zur Zahlung von rund 750 Mio. Euro verurteilt.

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