Sal. Oppenheim-Verkauf geht in heiße Phase

5. Oktober 2009, 13:39
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Deutsche Bank will offenbar Mehrheitsübernahme in einem Schritt

Düsseldorf - Der Verkauf von Europas größter Privatbank Sal. Oppenheim geht in die heiße Phase. Bereits in den nächsten Wochen könnten die entscheidenden Weichenstellungen für die Zukunft des angeschlagenen Geldinstituts erfolgen, hieß es aus Finanzkreisen.

Vor allem die Deutsche Bank drückt demnach auf das Tempo. Den Angaben zufolge will sie inzwischen bereits im ersten Schritt eine Mehrheit an der Privatbank übernehmen. Gesprochen werde über eine Beteiligung zwischen 65 und 75 Prozent, hieß es in mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen. Ursprünglich hatte der Frankfurter Bankenriese im ersten Schritt nur eine Minderheitsbeteiligung angestrebt. Doch könne die nun favorisierte schnellere Lösung finanziell vorteilhaft für die Oppenheim-Gesellschafter sein, hieß es. Allerdings sei noch keine Entscheidung gefallen.

Die "Welt am Sonntag" hatte berichtet, die Deutsche Bank wolle mehr als 75 Prozent an Sal. Oppenheim und einen Beherrschungsvertrag abschließen. Sprecher der Institute wollten den Bericht am Montag nicht kommentieren.

Verkauf ihrer Investmentsparte

Parallel verhandelt Oppenheim den Informationen zufolge mit der australischen Investmentbank Macquarie über den Verkauf ihrer Investmentsparte, an der die Deutsche Bank nicht interessiert ist. Es gebe derzeit intensive Gespräche und auch schon Prüfungen, hieß es. Macquarie sei an wesentlich größeren Teilen des Geschäfts interessiert, als der italiensche Konkurrent Mediobanca. Gespräche zwischen Oppenheim und Mediobanca waren zuvor gescheitert.

Ein Einstieg der Deutschen Bank wäre ein Einschnitt in der 220-jährigen Geschichte des Privatinstitutes, das bisher vollständig in Familienbesitz ist. Die Deutsche Bank will dadurch ihre Position im gehobenen Privatkundengeschäft in Deutschland stärken.

Möglich geworden ist der Griff der Deutschen Bank nach der Privatbank, weil Sal. Oppenheim war im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg in die roten Zahlen gerutscht war und die Gesellschafter dringend Geld benötigen. Die Finanzmarktkrise aber auch die Beteiligung an dem insolventen Handelskonzern Arcandor hatten Sal. Oppenheim in die Bredouille gebracht. Die Deutsche Bank hat Sal. Oppenheim inzwischen bereits mit Krediten in Höhe von mehr als 600 Mio. Euro unter die Arme gegriffen. (APA/AP)

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