Deutscher Bundesbank-Chef erzürnte DeutschtürkInnen

2. Oktober 2009, 11:36
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Zugewanderte hätten "keine produktive Funktion, außer für den Gemüsehandel" - Bundesbank distanziert sich, Klage droht

Berlin - Mit polemischen Aussagen über Zugewanderte in Deutschland sorgte der Vorstand der deutschen Bundesbank, Thilo Sarrazin, für Aufregung.

Der frühere Berliner Finanzsenator Sarrazin (SPD) war sich in einem Interview mit der Zeitschrift "Lettre International" äußerst hart mit türkischen und arabischen Einwanderern ins Gericht gegangen.

"Türkische Wärmestuben" brächten die deutsche Hauptstadt nicht voran. "Jeder, der bei uns etwas kann und anstrebt, ist willkommen; der Rest soll woanders hingehen." "Keine produktive Funktion" Große Teile der arabischen und türkischen Einwanderer in Berlin seien "weder integrationswillig noch integrationsfähig", sagte Sarrazin, der im Februar seinen Wechsel zur Deutschen Bundesbank bekanntgegeben hatte. Sie hätten "keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel".

Bundesbank distanziert sich

Der frühere Senator fügte hinzu: "Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert." Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, nannte die Aussagen Sarrazins "populistisch" und "gefährlich". Auch die Bundesbank distanzierte sich "entschieden in Inhalt und Form von den diskriminierenden Äußerungen" 

Kolat hatte daraufhin eine Entschuldigung von Sarrazin gefordert. Auch die Bundesbank distanzierte sich "entschieden in Inhalt und Form von den diskriminierenden Äußerungen". Die Berliner Staatsanwaltschaft gab am Donnerstag bekannt, den Anfangsverdacht auf Volksverhetzung zu prüfen.

"Nicht gelungene" Formulierung

Nach der heftigen Kritik war Sarrazin noch am Donnerstag zurückgerudert und hatte erklärt, nicht jede Formulierung sei "gelungen" gewesen. Es sei nicht sein Ziel gewesen, "einzelne Volksgruppen zu diskreditieren". Sarrazin fügte hinzu: "Sollte dieser Eindruck entstanden sein, bedauere ich dies sehr und entschuldige mich dafür." Ihm sei bewusst geworden, "dass Aussagen eines Vorstands der Deutschen Bundesbank wegen der besonderen Stellung der Person und der Institution von der Öffentlichkeit mit großer Aufmerksamkeit und Sensibilität" wahrgenommen würden. "Ich werde deshalb in Zukunft bei öffentlichen Äußerungen mehr Vorsicht und Zurückhaltung walten lassen."

Die Türkische Gemeinde sieht die Debatte über abfällige Äußerungen des Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin zu Einwanderern in Berlin nun als beendet an. "Sarrazin hat sich entschuldigt und eingeräumt, dass seine Aussagen missverständlich waren", sagte der TGD-Vorsitzende Kenan Kolat am Freitag in Berlin. "Der Fall ist damit für uns erledigt. Wir hoffen, dass Sarrazin in Zukunft keine Äußerungen dieser Art mehr macht."

"Wir sollten jetzt zur Tagesordnung übergehen", sagte Kolat am Freitag. Die Türkische Gemeinde in Deutschland sei jedoch zu einer Diskussion über die von Sarrazin angesprochenen Probleme bereit. (APA)

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