Baggern im Bewusstsein der Unternehmen

5. Oktober 2009, 13:43
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Wiener Unternehmen ausgezeichnet, die sich besonders bei der Förderung von weiblichen Lehrlingen in frauenuntypischen Branchen hervortun

Wien - Frauenstadträtin Sandra Frauenberger hat am Montag die Amazone 2009 an drei Unternehmen, die sich in der Lehrausbildung von Mädchen und jungen Frauen in nicht-traditionellen Berufen hervorragend engagieren, verliehen. Preisträger sind in der Kategorie "Kleine und Mittlere Unternehmen" der Malerbetrieb Marchl aus Simmering, in der Kategorie "Großbetriebe" wurde die Firma Kapsch Partner Solutions GmbH mit Sitz in Meidling prämiert, in der dritten Kategorie "Öffentliche und Öffentlichkeitsnahe Unternehmen" konnte die Küche des Wiener AKHs punkten.

14. Verleihung in Folge

Der Amazone-Award ist eine Initiative des Vereins "sprungbrett". Der Preis wurde heuer bereits das 14. Mal in Folge verliehen. Die Amazone ist eine von zwei Künstlerinnen gestaltete Skulptur, die jährlich ihre Farbe wechselt. Heuer ist sie lila.

Zur Bewerbung waren Betriebe aufgefordert, die ein oder mehrere Lehrmädchen in einem handwerklichen und/oder technischen Beruf ausbilden und im Raum Wien und Wien Umkreis angesiedelt sind. So viele Betriebe wie noch nie, nämlich 32, haben sich heuer dem Wettbewerb gestellt. Eine Jury, bestehend aus zehn Persönlichkeiten aus den Bereichen Arbeitsmarkt, Wirtschaft, Medien und Soziapartnern, bewertete die Unternehmen.

"Bestimmt eure Rolle selbst!"

Frauenstadträtin Sandra Frauenberger dankte den engagierten Unternehmen. An die Mädchen dieser Stadt appellierte Frauenberger, sich nicht von althergebrachten Rollenbildern bei der Berufswahl und ihrer Lebensgestaltung einschränken zu lassen: "Bestimmt eure Rolle selbst! Denn Rollenklischees greifen nicht nur viel zu kurz, sondern behindern Frauen und Männer und schränken unsere Entfaltungsspielräume ein."

Dass noch viel Bewusstseinsarbeit notwendig ist, zeigen die Zahlen: Auch 2008 waren immer noch 51,47 Prozent der weiblichen Lehrlinge in den "klassischen" und zumeist schlechter bezahlten weiblichen Lehrberufen Einzelhandels-, Bürokauffrau und Friseurin beschäftigt. Stellt man zum Beispiel das Einstiegsgehalt einer Friseurin von 1.100 Euro dem einer Automechanikerin von 1.610 Euro gegenüber, sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache zugunsten technischer Berufe.

Die drei Siegerbetriebe

In der 1. Kategorie "Kleine und Mittlere Unternehmen" wurde Malermeister Marchl aus dem 11. Wiener Gemeindebezirk ausgezeichnet. Die Jury lobte u.a. die ambitionierte und engagierte Lehrausbildung dieses Betriebs, seine wertschätzende und unterstützende Haltung gegenüber dem weiblichen Lehrling, Lobbying-Aktivitäten für Mädchen und Frauen im Handwerk der Malerei, eine geschlechtsneutrale Haltung gegenüber der Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und eine Karriereplanung für den weiblichen Lehrling.

In der 2. Kategorie "Großbetriebe" wurde die Firma Kapsch Partner Solutions GmbH (1120 Wien) zum Gewinner ernannt. Die Jury führt folgende Argumente an: Bei Kapsch sei die Integration von weiblichen Lehrlingen Aufgabe der Lehrverantwortlichen; weiteres biete das Unternehmen Gendertraining für AusbilderInnen und TrainerInnen, ebenso gehöre die Förderung von Nachwuchskräften zur Firmenphilosophie und weibliche Lehrlinge würden im Auftritt nach außen "vorbildlich platziert".

In der 3. Kategorie "Öffentliche und Öffentlichkeitsnahe Unternehmen" wurde die Abteilung "Küche und Betriebsrestaurant" des Allgemeines Krankenhaus der Stadt Wien gekürt. Die Abteilung Küche des AKH zeichnet sich durch ein PatInnen-System zur Unterstützung von Lehrlingen, die Sensibilisierung aller Bediensteten für Gleichbehandlungsfragen, das Bemühen um geschlechtsneutrale Kommunikation, klare Weisungen gegen sexistisches Bildmaterial und ein engagiertes und geschlechtsensibles Ausbildungskonzept aus. (red)

 

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