Branche ist robust und stark im Export

5. Oktober 2009, 18:07
posten

Lebensmittel aus Österreich sind trotz Krise im Ausland gefragt, 2009 brachte einen neuen Rekord bei der Exportmenge

Wien/Brüssel - "2600 Kalorien braucht der Mensch halt - mit und ohne Krise." So erklärt Stephan Mikinovich von der Lebensmittelvermarktungsorganisation Ama, weshalb sich die Lebensmittelindustrie im Vergleich zu anderen Industriesparten relativ krisenresistent gezeigt hat.

Zwar sind die Umsätze im ersten Halbjahr gegenüber dem Vergleichszeitraum 2008 zurückgegangen, jedoch stellte das Vorjahr aufgrund des Preisbooms bei agrarischen Rohstoffen eine Ausnahme dar, führt Michael Blass vom Fachverband der Lebensmittelindustrie aus: "Im Vergleich mit dem Umsatzvolumen des Halbjahres 2007 konnte 2009 sogar um 6,4 Prozent zugelegt werden."

Billige Milch

Eine Ausnahme, die sich auch auf die österreichische Gesamtbilanz bei Lebensmitteln durchschlägt, ist der weiterhin niedrige Milchpreis. Sowohl wert- als auch mengenmäßig sind die Käseexporte nach Deutschland, dem größten Ausfuhrmarkt für Käse, zurückgegangen.

Bei einem Sondertreffen der EU- Agrarminister in Brüssel am Montag wurde deshalb einmal mehr diskutiert, wie der Milchpreisverfall gestoppt werden kann. Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel will eine EU-Expertengruppe installieren, die sich mit der Zukunft des Milchmarktes beschäftigt. Österreichs Agrarminister Nikolaus Berlakovich (VP) will, dass die Expertengruppe nicht nur langfristige Überlegungen anstellt, sondern auch schnellwirkende Maßnahmen ventiliert. Unter anderem verweist er auf das Vorschlagsbündel, das mittlerweile von 20 EU-Mitgliedstaaten unterstützt wird. Dieses sieht beispielsweise vor, dass überschüssiges Milchpulver künftig auch als Futtermittel verwertet werden kann.

Laut Ama-Chef Mikinovich genieße Österreich bei Molkereiprodukten und Käse im Ausland großes Ansehen. Die durchgehend gentechnikfreie Produktion in Österreich sei "für viele Länder unvorstellbar" . Auch der Heumilchanteil von 15 Prozent sei im Vergleich zum EU-Schnitt von zwei Prozent sehr hoch.

Das Exportgeschäft ist für die Branche weiterhin Hoffnungsträger. Für das Gesamtjahr 2009 wird mit einem agrarischen Außenhandel von 7,2 Milliarden Euro gerechnet, nach 7,96 Mrd. Euro 2008, das von hohen Rohstoff- und Energiekosten geprägt war, und 7,26 Mrd. Euro 2007. Gegenüber 1995 bedeute dies eine Vervierfachung der Agrarexporte (siehe Grafik).

Wichtigste Exportprodukte des Lebensmittelsektors sind neben Energydrinks, Limonaden und Eistees auch Süßwaren und Feinbackwaren sowie Käse, Fruchtsäfte, Joghurts und Wurst- und Fleischzubereitungen. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.10.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.