VP-Gewerkschaft kritisiert Schulumfrage als SP-"Imagekampagne"

5. Oktober 2009, 12:29
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Auch SP-Lehrervertreter sieht "sehr unsensible" Fragestellungen

Wien - Die großangelegte Umfrage der Stadt Wien unter 350.000 Lehrern, Eltern und Schülern an Pflichtschulen stößt auf Kritik von Lehrervertretern. Von einem "unglaublichen Reklameplan" von Bürgermeister Michael Häupl (S) und Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (S) sprach Pflichtschullehrer-Gewerkschafter Stephan Maresch (Fraktion Christlicher Gewerkschafter, FCG) am Freitag in einer Aussendung. Thomas Bulant, Pflichtschullehrer-Vertreter der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG), zeigte sich "prinzipiell erfreut" über die Umfrage, bei einigen Fragen sei jedoch "sehr unsensibel" vorgegangen worden.

Laut Maresch würden "die Schulpartner als Statisten einer von der SPÖ gelenkten Imagekampagne missbraucht". Der Fragebogen sei in eine mehrseitige Werbebroschüre verpackt, die Fragestellung sei suggestiv, Lehrer würden durch das Verteilen und Einsammeln der "politischen Werbebroschüren" zusätzlich belastet und aufgrund des Aufdrucks der Schulkennzahl sei zudem die Anonymität nicht gewährleistet. Außerdem wies Maresch zurück, dass die Fragebögen in Zusammenarbeit mit Lehrervertretern erstellt worden seien: "Wir hätten diesen Fragebögen niemals zugestimmt."

Auch von der FSG waren laut Bulant keine Vertreter involviert, denn dann wären zwei der Fragen "sicher nicht durchgegangen". So seien Eltern nicht in der Lage zu beantworten, ob die Leistungsbeurteilung - sprich die Zeugnisnote - "angemessen" sei. Und die Antwortmöglichkeiten bei der Frage zum Thema Nachhilfe würden stark an das "Lehrerbashing" rund um den Streit um die höhere Unterrichtsverpflichtung im Frühjahr erinnern. Durch diese Art der Befragung habe sich die Umfrage "leider selbst zu Fall gebracht", so Bulant.

SPÖ verteidigt Umfrage

Die SPÖ verteidigt ihre laufende Umfrage an den Wiener Schulen. "Die Möglichkeit, seine Meinung abzugeben, ist ein demokratisches Grundprinzip und sollte eigentlich für alle etwas Positives und selbstverständlich sein", konstatierte SP-Gemeinderat Heinz Vettermann am Montag. Dementsprechend bedenklich sei es, wenn die Fraktion Christlicher Gewerkschafter gegen die Umfrage Stimmung mache und Lehrer verunsichere.

Bei einer Befragung von 350.000 Wienern könne wohl kaum die Rede von einem PR-Gag sein. Auch werde es keine Einzelauswertung zu einem Schulstandort geben, man müsse jedoch die Identifizierung einzelner Schulen gewährleisten, um reagieren zu können, wenn auf einem Fragebogen beispielsweise angeführt werde, dass die Verkehrsanbindung schwierig seien. Insofern sei es mehr als bedauerlich, wenn die FCG versuche, "aus parteipolitischen Gründen eine breitangelegte Befragung schlecht zu machen", so Vettermann. (APA)

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