Deutsche Telekom stellt Strafanzeige gegen Vertriebspartner

5. Oktober 2009, 12:22
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Vier von ihnen hätten die Datenschutzverpflichtungen und vereinbarte Vertriebsmethoden nicht eingehalten

Die von mehreren Datenskandalen erschütterte Deutsche Telekom hat nun mit unseriösen Geschäftspraktiken von Vertriebspartnern zu kämpfen. Vier von ihnen hätten die Datenschutzverpflichtungen und vereinbarte Vertriebsmethoden nicht eingehalten, teilte der Bonner Konzern am Montag in Bonn mit. Die Telekom habe deshalb Strafanzeige erstattet. Zudem fordere der Konzern die Rückzahlung von Provisionen und erhebe Vertragsstrafen. Die Summe belaufe sich insgesamt auf rund 1,5 Millionen Euro. Die Betrugsfälle beträfen die Vermarktung im Festnetz.

Subunternehmen der Vertriebspartner hätten ohne Autorisierung Callcenter mit der Kundenanwerbung beauftragt und ihnen dazu rechtswidrig den Zugriff auf spezielle Vertriebspartnerportale ermöglicht, erläuterte die Telekom. Zudem hätten die Vertriebspartner überhöhte Provisionen erhalten, da die Aufträge als solche von Verkaufsshops falsch angegeben worden seien. Die Telekom werde die Kontrollen der Vertriebspartner weiter verstärken und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen einführen.

Die Telekom arbeitet mit Vertriebspartnern zusammen, die Produkte aller großen Telekommunikationsmarken vertreiben. Die Partner haben keinen direkten Zugriff auf die Kundenmanagementsysteme der Telekom, sondern erhalten über spezielle Portale Zugriff auf den Datensatz, den sie für ihren jeweiligen Kundenauftrag benötigen.

Das Image der Telekom ist durch die sogenannte Spitzelaffäre, bei der es zu missbräuchlicher Nutzung von Verbindungsdaten gekommen ist, und weitere Fälle angekratzt, in denen die Staatsanwaltschaften ermitteln. So räumte der Konzern beispielsweise vor einem Jahr ein, dass persönliche Daten von Millionen T-Mobile-Kunden in fremde Hände gelangt sind. 2007 stahl die Zeitarbeitskraft eines Call-Centers in Bremerhaven Zugangskennungen, um sie für ihr eigenes Unternehmen zu nutzen, und im Juni erhielt ein Vertriebspartner ein Kaufangebot für 70.000 Datensätze der Festnetzsparte. Im vergangenen Jahr richtete die Telekom ein eigenes Vorstands-Ressort ein, um den Datenschutz zu verbessern. Im Internet informiert der Konzern zudem in Abstimmung mit den Behörden über kritische Datenschutzvorgänge.(Reuters)

 

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