Der Ackerfurchenbeißer

  • BMW F800R
Motor: 2-Zylinder-Viertakt-MotorHubraum: 798 ccmLeistung: 64/25 kW (87/34 PS) bei 6000 Umdrehungen pro MinuteDrehmoment: 86 Nm bei 6000 Umdrehungen pro MinuteSekundärantrieb: KetteAufhängung vorne: 43-mm-TeleskopgabelAufhängung hinten: ZentralfederbeinFederweg vorne: 125 mmFederweg hinten: 125 mmRadstand: 1514 mmBremsen vorne: 320 mm Doppelscheibe mit Vierkolben-FestsattelBremse hinten: 265 mm Scheibe mit Einkolben-SchwimmsattelReifen vorne: 120/70 ZR 17Reifen hinten: 180/55 ZR 17Tankinhalt: 16 LiterLeergewicht fahrfertig vollgetankt: 199 kgListenpreis: 8990,- Euro
    foto: werk

    BMW F800R

    Motor: 2-Zylinder-Viertakt-Motor
    Hubraum: 798 ccm
    Leistung: 64/25 kW (87/34 PS) bei 6000 Umdrehungen pro Minute
    Drehmoment: 86 Nm bei 6000 Umdrehungen pro Minute
    Sekundärantrieb: Kette
    Aufhängung vorne: 43-mm-Teleskopgabel
    Aufhängung hinten: Zentralfederbein
    Federweg vorne: 125 mm
    Federweg hinten: 125 mm
    Radstand: 1514 mm
    Bremsen vorne: 320 mm Doppelscheibe mit Vierkolben-Festsattel
    Bremse hinten: 265 mm Scheibe mit Einkolben-Schwimmsattel
    Reifen vorne: 120/70 ZR 17
    Reifen hinten: 180/55 ZR 17
    Tankinhalt: 16 Liter
    Leergewicht fahrfertig vollgetankt: 199 kg
    Listenpreis: 8990,- Euro

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    foto: werk

Die BMW F800R schaut böse aus, ist einfach zu fahren und geht gut. Trotzdem wird der BMW-Fahrer belächelt

Manchmal bin auch ich ein armer Hund. Und als solcher sitze ich hier, bei einer Art Motorradfahrer-Stammtisch, und auf einmal geht es los, das BMW-Bashing, das im BMW-Fahrer-Beschimpfen gipfelt. Ich sitze entspannt neben dem Wortführer, meine Fingernägel krallen sich in meine Oberschenkel, mit verzweifelter Stimme bestelle ich noch ein Bier - ein großes! Bitte! Bitte! - und versuche, so teilnahmslos wie nur irgendwie möglich, die Zeit bis zum Eintreffen des Glases voll Realitätsverweigerung zu überbrücken.

"Und wenn der Kellner nicht anzaht, trenne ich mir noch einen Oberschenkel ab", reißt es einen Gedankenfetzen durch mein Hirn, als mir der Schmähführer einen Rempler in die Seite verpasst. Ich merke, wie entscheidende Teile meines Beinkleides unter den Nägeln haften blieben, während meine Hand nun ins Leere krallt. Der Haxen freut sich über das neue Blut, jenes Blut, das in meinem Ohr kocht, während ich im Takt von weiteren Rippenstößen ein Staccato von "die BMW-Fahrer, hm glu, die BMW-Fahrer, hm glu, sag schon, die BMW-Fahrer, hm glu, die BMW-Fahrer" höre.

Noch vor zwei Tagen saß ich auf der BMW F800R und fragte mich, wie es die Bayern schafften, so viel Spaß zwischen zwei Räder zu bauen. Meine Sorge war weniger, dass sich jemand über mich belustigen könnte, weil ich auf einer BMW sitze. Viel mehr war ich froh, dass die F800R mit dem neuen CAN-BUS ausgestattet ist. Das heißt: kein Kabelbaum mehr, keine ordinären Schmelzsicherungen mehr, dafür die neue Schaltereinheit am Lenker und eine elektronische Wegfahrsperre serienmäßig.

Nicht serienmäßig, aber straßenzugelassen, war der Akrapovic, der für eine sehr kurzweilige Geräuschkulisse sorgte, ohne aufdringlich laut zu sein. Kurzweilig deswegen, weil man mit dem Zubehörkamin noch direkter mitbekommt, dass der 798 Kubikzentimeter große Vierventiler-Paralleltwin klingt wie ein Boxer. Das ist kein blödes Nachäffen der großen Stammesväter, auch wenn die Klangähnlichkeit beabsichtigt ist: Der 30 Grad nach vorne geneigte Motor hat pro Kurbelwellenumdrehung einen Arbeitstakt. Zusammen mit einer weiteren BMW-Eigenheit, den Ausgleichspleueln, sorgt das für ein sehr seidiges Fahren und ein ordentliches Drehmoment von 86 Newtonmeter bei 6000 Umdrehungen. Die Leistung liegt übrigens bei 87 PS, 64 kW bei 8000 Umdrehungen.

Die F800R ist ja der letzte Spross der 800er-Familie. Nach der S, ST und den beiden GS-Modellen ist die Nackerte der logische Schlusspunkt der Modellreihe. Im Vergleich zur F800S hat sich aber auch das Getriebe verändert: Bleibt die Übersetzung der ersten drei Gänge identisch, wurden die oberen drei Gänge kürzer und die R damit bei höheren Geschwindigkeiten spritziger. Zum Bremsen gibt es eh die Brembos, die sich vorne durch einen Bremsflüssigkeitsbehälter auszeichnen, den der Designer anscheinend vergessen hat, einzuplanen. Extrahoch ragt er über den Lenker und zappelt dort permanent, dass man ihn fragen möchte, ob er aufs Klo muss.

Aber abgesehen von diesem ästhetischen Wimmerl, sind die Bremsen top: Zwei 320er-Scheiben vorne mit einem 4-Kolben-Festsattel treten vor jedem Radarkasten knackig zum Dienst an, weil - ein bisserl flott ist man mit der R schon immer unterwegs. Sie lässt sich unendlich leicht fahren, sie hat das Handling einer Schreibfeder - der sanfteste Druck reicht, um herrliche Kurven zu zeichnen.

Mitverantwortlich fürs edle Handling ist auch, dass der 16-Liter-Tank nicht über dem Motor gluggert, sondern schwerpunktoptimiert unter der Sitzbank verbaut ist. Und diese bestimmte Sitzbank der F800R verfolgt mich noch bis in meine Träume. Die R gibt es in drei Sitzhöhen: 775, 800 und 825 Millimeter. Und was glauben S', welche Sitzbank ich mit meinen 190 cm ausgefasst hab? Genau, die Niedirche!

Ich brauchte bei der Kreuzung keinen Haxen auf den Boden stellen, weil die Knie eh schon unten waren. Knierutschen wie ein Beichtschüler hat aber auch fahrstabilisierende Eigenschaften. Gut möglich, dass die dem BMW-Hasser noch vor zwei Stunden geholfen hätten, als er, nur weil das Gras ein bisserl nass war, vom Moped geköpfelt ist und mit der Fresse eine Ackerfurche für Tiefwurzler gezogen hat. Viel wehgetan kann er sich aber nicht haben, so wie er mich immer noch steßt, der Glashäusler: "Gell glu, die BMW-Fahrer, die BMW-Fahrer, gell glu". (Guido Gluschitsch)

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