"Was es den Leuten wert ist"

5. Oktober 2009, 10:06
11 Postings

Ein Theater und ein Lokal in Salzburg überlassen die Einschätzung der Preise ihren Gästen - und fahren damit ganz gut

Salzburg - In einem Salzburger Theater und in einem Salzburger Gasthaus bezahlen die BesucherInnen und Gäste nur soviel, wie ihnen die Vorführung beziehungsweise das Menü wert war. Das Off-Theater Ecce bei zwei seiner Vorstellungen von Shakespeares "Der Sturm" Eintrittspreise verrechnet, die von den ZuschauerInnen nach der Vorführung selbst festgesetzt werden konnten. "Das Prinzip funktioniert, wir haben ungefähr gleich viel eingenommen, wie mit den regulären Eintrittspreisen in der Höhe von neun bis 25 Euro", erläuterte Ecce-Impresario Reinhold Tritscher.

Rund 120 BesucherInnen sind am vergangenen Dienstag im Odeon in der Salzburger Waldorfschule gesessen und haben eine Vorführung des Shakespeare-Dramas erlebt. Am Ausgang wurden die Hüte aufgehalten und insgesamt 1.200 Euro eingesammelt. "Abzüglich der diversen Freikarten und stark verbilligten Karten stimmt der Schnitt", so Tritscher. "Wenn man bedenkt, dass wir uns das teure und komplizierte Ticketing der normalen Aufführungen gänzlich sparen könnten, dann sind die freiwilligen 'Austrittspreise' auch wirtschaftlich sinnvoll", sagte Tritscher, der mit seinem Theater nicht nur künstlerisch, sondern auch durch eine Reihe anderer sozialer Aktionen einen hervorragenden Ruf in Salzburg genießt.

"Es mag die Qualität der aktuellen Produktion sein, die die Leute zum Zahlen bewegt", argumentierte Tritscher. "Aber auch in unserer Produktion von Bulgakows 'Hundeherz' vor drei Jahren haben wir das freiwillige Bezahlen mit Erfolg erprobt.

Ähnlich positive Erfahrungen haben auch der Filmregisseur Reinhard Schwabenitzky und die Schauspielerin Elfi Eschke in ihrem Restaurant Itzlinger-Hof in Salzburg. Dort gibt es seit einigen Monaten jeden Samstag und Sonntag von Mittags bis Abends eine Speisekarte ohne Preise. Die Gäste essen und zahlen genau so viel, wie es ihnen wert war.

Unter dem Strich kommt das Gleiche raus

"Nein, seit wir diese Aktion machen, gab es keinen einzigen Gast, der nichts oder fast nichts bezahlt hätte", berichtet die Kellnerin Patrizia Ortner. "Wir schreiben mit, was konsumiert wurde und erinnern den Gast beim Bezahlen daran. Es entstehen viele Gespräche und Diskussionen, manche Gäste wollen sich darauf auch gar nicht einlassen und bestehen auf normale, kalkulierbare Preise für ihr Essen. Aber alles in allem sind wir hervorragend besucht und die Atmosphäre in der Gaststube ist sympathisch und fröhlich."

Auch im Itzlinger-Hof gilt: Manche Gäste bezahlen mehr, als es kosten würde, andere weniger. "Aber unter dem Strich nehmen wir etwa gleich viel ein, als würden wir die normalen Preise der Speisekarte verrechnen, bestätigt auch Schwabenitzkys Assistentin Andrea Huck. "Einmal haben italienische Gäste ihre Freunde in der ganzen Stadt angerufen und zusammengetrommelt. Da war dann wirklich was los im Itzlinger Hof. Vielleicht macht das freiwillige Zahlen auch in anderen Branchen Schule. Wir können nur bestätigen: Es funktioniert." (APA)

Hotel, Restaurant Itzlinger Hof: Tel.: 0662/45 12 10
http://www.itzlinger-hof.at
Theater Ecce: Tel.: 0662/66 03 30
http://www.theater-ecce.com

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Über die Preise entstehen beim Zahlen jedoch manchmal viele Diskussionen.

Share if you care.