Irgendwann kommt das Sparpaket

5. Oktober 2009, 18:46
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    foto: apa

    Eine Rückkehr zum Status quo vor der Krise dürfe es nicht geben, sonst steuere man geradewegs auf die nächste Krise zu, betonten die Präsidenten der vier Sozialpartner heute Montag zu Beginn des "Bad Ischler Dialogs".

Regierungsspitze beim Kuscheln mit Nuancen - 15-Punkte-Programm beim "Bad Ischler Dialog" vorgestellt

Bad Ischl - Bei ihrem Besuch des Sozialpartnerdialogs in Bad Ischl zum Thema "Wege aus der Krise" zeigten Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Josef Pröll trotz demonstrierter Harmonie auch Unterschiede zwischen den beiden Koalitionspartnern auf. Während Faymann Schulreformen, die Bündelung der Mittel für Forschung und Entwicklung und die Sicherung der Arbeitsplätze in den Mittelpunkt stellte, warnte Pröll eindringlich vor einer zu hohen Verschuldung. Die Finanzkrise sei durch Schuldenmachen entstanden, sagte Pröll: "Wir müssen alles tun, dass nicht durch neues Schuldenmachen der Keim der neuen Krise entsteht". Beide dankten den Sozialpartnern für ihre Arbeit.

Der Kanzler demonstrierte Harmonie: In dieser schwierigen Zeit muss man "zusammenrücken" und die Aufgaben gemeinsam bewältigen, sagte Faymann in Richtung der Präsidenten von Wirtschafts-, Arbeiter-, Landwirtschaftskammer und ÖGB. "Wenn man zusammenarbeitet erreicht man mehr als durch kleinkarierte Streitigkeiten", betonte der Kanzler. Faymann verteidigte die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung zur Krisenbewältigung: Die von vielen missverstandenen Bankenpakete sollten auch die Sparer schützen, nur mit funktionierenden Banken könne die Wirtschaft stabilisiert werden. Bei den Reformen auf allen Ebenen müsse man auch konfliktfähig sein. Weiters müsse der Staat auch Doppelgleisigkeiten abschaffen.

"Jetzt kuscheln wir"

Der Vizekanzler witzelte über den Kuschelkurs: "Früher haben wir gestritten, jetzt kuscheln wir, egal wie es ist, wir sind getrieben für Österreich etwas weiterzubringen". Pröll warnte, die öffentlichen Budgets nicht durch zusätzliche Wünsche zu beanspruchen: Die höhere Zinsbelastung nehme Österreich bei den notwendigen Reformen Spielraum. Er sprach sich entschieden gegen Protektionismus aus. Am Ende der Krise dürfe keine "Auferstehung der Verstaatlichten" stehen, der Staat solle nur zur Überbrückung des "Todestals" dienen. Pröll warnte vor einer "Inflationierung der Konjunkturstützungsmaßnahmen". Die Schulden müssten rückgeführt werden, sobald der Aufschwung robust genug sei. 2010 sei die Zeit für die Konsolidierung zwar noch nicht gekommen, aber die Zeit für Diskussionen über die notwendigen Reformen für das Gesundheitssystem. Ab 2011 könnten dann konkrete Maßnahmen umgesetzt werden.

Für ÖGB-Präsident Erich Foglar muss auch noch 2010 mit voller Kraft gegen den Anstieg der Arbeitslosigkeit und die drohende Armut angegangen werden. Auch im nächsten Jahr müsse "hier oder dort" bei den Hilfs- und Stützungsmaßnahmen nachgebessert werden, wandte er sich gegen Prölls Bedenken. Die Krise sei noch nicht vorbei, warnte der Gewerkschaftsboss und regte die Schaffung einer Auffanggesellschaft für insolvente Unternehmen an. Auch Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl gibt keine Entwarnung: Weiterhin seien Wachstumsimpulse notwendig, aber nicht Hilfen sondern sinnvolle Investitionen. Eine zweite Krise müsse unbedingt verhindert werden, denn "ein zweites Mal Staatshilfe können wir uns nicht mehr leisten". Auch Leitl denkt schon an die Rückzahlung der nun aufgenommenen Schulden: "Wenn gezahlt werden muss, kommt keiner aus".

Es gebe schon wieder "Gegenwind" von der Wall Street und der Londoner City, umso mehr müssten jetzt die Finanzmärkte reformiert werden, forderte Leitl "klare Spielregeln" ein. Österreich solle schneller und stärker aus der Krise herauskommen, dazu müssten auch noch im Jahr 2010 weitere Impulse zur Ankurbelung der Konjunktur gesetzt werden. "Nach einer schweren Lungenentzündung darf man die Antibiotika nicht zu früh absetzen", zog er einen bildlichen Vergleich.

ÖGB-Präsident Erich Foglar will die Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen, "ohne dass die soziale Gerechtigkeit aus dem Ruder läuft": Die Finanzkrise sei kein "Betriebsunfall", sondern ein "Systemfehler des Marktfundamentalismus": Organisierte Verantwortungslosigkeit von Banken, Ratingagenturen und der Politik durch Deregulierung hätten dazu geführt. Zur Bekämpfung der Krise fordert Foglar weitere Investitionen, Sparen müsse jetzt in den Hintergrund rücken.

ÖGB-Foglar: "2010 sicher kein Sparpaket"

Den Zeitpunkt für eine Exit-Strategie könne man noch nicht bestimmen, meinte ÖGB-Präsident Foglar: "2010 wird es sicher kein Sparpaket geben, aber irgendwann wird's kommen." Foglar ist gegen die Erhöhung einer Massensteuer wie der Umsatz- oder Lohnsteuer. Dadurch würden nur jene noch einmal zur Kasse gebeten, die ohnehin nichts für die Krise könnten.

Leitl sagte, zunächst müssten alle vorhandenen Reserven im bürokratischen System herausgeholt werden. Erst wenn dies ausgeschöpft sei, könne man über Belastungen nachdenken. Mit einer Ausnahme: Schon jetzt trete er für eine europäische Finanztransaktionssteuer ein. (APA)

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Menschen gegen Menschen
00
14.1.2010, 18:16

Sparpaket war in Ö. immer ein Belastungspaket, sprich noch mehr Steuern und noch hörere Steuern.

Vielleicht ja, dass die Österreicher das auch gerne zahlen, sie sehen ja, wie sorgfältig mit ihrem erarbeiteten Geld umgegangen wird.

W. Müller
 
00
6.10.2009, 15:14
Sparpaket ?


In der derzeitigen Situation, wird's wohl eher wieder, wie alle 'Sparpakete' der jünsten Vergangenheit, ein BELASTUNGSPAKET werden.

uncle sam3
00
6.10.2009, 13:01
wann kommt das Sparpaket?

lass mich raten:

kurz nach der Wahl vielleicht?

BBSS
11
6.10.2009, 13:01
Der Staatsbankrott ist nicht mehr abwendbar

Schön wäre es, wenn ein Sparpaket auch tatsächlich etwas mit Sparen zu tun hätte. Unter Sparen versteht man eine Verringerung der Ausgaben.
Alles andere ist ein Belastungspaket.
Eingespart werden müsste insbesonders bei den Personalkosten des Bundes und bei den Pensionen.
30% Gehaltsreduktion für alle öffentlich Bediensteten und Deckelung der Pensionen mit der ASVG-Höchstpension.
Das wird aber nicht erfolgen.
So werden die Steuern und Abgaben prozentmäßig erhöht werden, unter dem Strich aber nicht mehr hereinbringen, da entsprechende Reaktionen der Steuerpflichtigen erfolgen werden. Die Leistungsfähigen werden in zunehmenden Maße Österreich verlassen.
Auch ohne Krise wäre das Defizit nicht beherrschbar gewesen; jetzt ist es unmöglich.

Peter_23
00
6.10.2009, 15:43
Österreich verlassen?

Sie glauben wohl auch, irgendwo anders sei das Paradies wo Honig und Wein fliesst. Das ist eine naive und falsche Vorstellung.

Fleissige werden entweder ihren Fleiss drosseln oder sich Tricks und (legale/illegale) Schlüpflöcher suchen, um dann eben weniger Steuer zu zahlen.

BBSS
00
6.10.2009, 17:01

Sehr geehrter Peter 23 !

Ich gebe Ihnen Recht. Man muß Österreich gar nicht physisch verlassen und kann trotzdem ganz legal die Steuerlast und Abgabenlast vermeiden.
Gerade die EU bietet da sehr viele Möglichkeiten.

Der Ursprung
02
6.10.2009, 14:15
Ich vermute Sie sind noch berufstätig,

ansonsten würden Sie nicht bei den Pensionen einsparen. Schon einmal daran gedacht, dass die Pensionisten nur diese eine Chance haben - ja, richtig Sie als Berufstätiger könnnen einfach zu Ihrem chef gehen und eine Gehaltserhöhung verhandeln. Aber, was macht der Pensionist, der bei Ihnen in der Straße wohnt, verhandelt der dann mit Ihnen?

BBSS
11
6.10.2009, 15:12
Die Pensionen sind nicht leistbar

Sehr geehrter Ursprung !

Ich verstehe ihren Standpunkt, doch wird die Generation, die die Pensionen zur Zeit aufbringt, selber niemals so hohe Pensionen bekommen können. Da für die große Anzahl an Pensionisten, die ab ca 2025 zu erwarten sind, schlicht und einfach die Einzahler fehlen werden.
Es stellt sich dann die Frage, warum man heute überhaupt noch einzahlen soll.
Abgesehen davon ist eine Durchschittspension von EUR 3.150 14 x pro Jahr für alle unsere Beamten eine einzige Sauerei gegenüber den Jungen.
Nein, das wollen die Jungen nicht bezahlen; und sie werden es auch nicht bezahlen.

m3k
30
6.10.2009, 12:59
neue oder mehr steuern

wären besser als sparen.

endlich mal steuern auf kerosin auf das niveau von benzin
mehr steuern auf suv und autos die mehr als 5 l verbrauchen
steuern auf gas
steuern auf strom, der nicht aus erneuerbaren kommt.
so sachen.
und steuer auf belanglose politikersätze bitte

taxpayer
00
6.10.2009, 13:31
steuern auf strom und gas

guter vorschlag. das kurbelt dann auch die wollpulloverindustrie wieder an und wirkt sich positiv auf die taschenlampenerzeuger aus.

wie wäre es damit, endlich die unternehmen (nicht die kmus, die sind eh schon bedient genug) soo zu besteuern, dass die tatsächlich bezahlten steuersätze sich den gesetzlichen tarifen angleichen?

styx12
21
6.10.2009, 13:14
Ja, völlig richtig!

Dazu noch:

- eine Wohlhabende- und Reichensteuer
- eine Vermögenssubstanzsteuer
- eine Vermögenszuwachssteuer
- eine Börsenumsatzsteuer
- Spekulationssteuer
- Finanztransaktionssteuer
- Maschinensteuer
- Wertschöpfungsabgabe
- Erhöhung der Köst auf mind. 35%
- Erhöhung der Kest auf 50%
- Einkommenssteuer auf Mieten und Pachten und sonstigen Gelderwerb
- Erbschaftssteuer
- Schenkungssteuer
- Erhöhung des Höchstsatzes der Lohnsteuer von 50% auf 80%
- Abschaffung der Höchstbeitragsgrundlage für die Sozialversicherung
- Erhöhung von Ressourcensteuern (Öl, Gas, Strom, usw.)
- Erhöhung der Tabak- und Alkoholsteuer
- drastische Erhöhung der Grundsteuer
- Besitzsteuer
usw.

tancy
10
6.10.2009, 13:26

Genau, ALLE Steuern erhöhen !!!! Und Pension für ALLE ab 45 !!!! ( Hacklerpension ab 30 !!!! )Erhöhung aller Beamtenzulagen um 102 % !!!!!! Erhöhung der Grundsicherung auf 5000 € !!!! ( 16 mal im Jahr - logo !!!! )
Hurra!!!!!!

metternich1848
00
6.10.2009, 12:56
Gespart muss werden...

... die Zahlen sind nämlich erschütternd. Pro Stunde steigen die Staatsschulden um ca. € 30.000,-
http://www.30sekunden.at/content/C... ontestId=1

BBSS
00
6.10.2009, 13:05
30.000 EURO pro Minute nicht pro Stunde

Schöne wäre es, wenn es 30.000 EUR pro Stunde wären.

wansuk
00
6.10.2009, 13:00
einfache loesung

30000 euro sind genaus was eine flugstunde fuer den eurofighter kostet. wenn man statt mit zweien nur mit einem in der luft ist haben wir den haushalt wieder im griff.

tancy
00
6.10.2009, 12:42

also ehrlich, Leute, jeder der hier so über das Rettungspaket für die österreichischen Banken schimpft, möge mal über die Alternativen nachdenken....
ich möchte die Kommentare dazu gar nicht lesen, weil es dann wahrscheinlich den Standard als Medium auch nicht mehr gäbe....

Peter_23
00
6.10.2009, 15:40
Tun Sie nicht so, als würde die Welt untergehen blos weil einige Banken bankrott gehen und zusperren müssten

Das ist doch völlig lächerlich. Das ist reine Angstmache um sich nicht mit den möglichen Alternativen nicht (kritisch) auseinander setzen zu müssen.

Peter_23
00
6.10.2009, 12:36
Pröll: "Wir müssen alles tun, dass nicht durch neues Schuldenmachen der Keim der neuen Krise entsteht"

Und warum hat dann Mister Pröll den Banken Milliarden an Euros, allen vorran seiner Lieblingsbank Raiffeisen, Geld in Form von zusätzlichen Staatsschulden, in den Rachen geworfen?

Pröll und andere hochkarätige Finanzexperten wiederholen auch ständig, dass es doch so gut und richtig war die Banken mit Milliarden an neuen Schulden zu stützen. Wie passt das mit Prölls Behauptung von oben zusammen?

Wobei diese Behauptung, dass die Bankenrettung so gut und notwendig war, doch mal fraglich ist: Denn vielleicht wäre es besser gewesen einige Banken schlicht zusammenbrechen zu lassen und auf Staatsseite eben nicht neue Schulden nur wegen der Bankster zu machen.

Mein Name ist Nobody
00
6.10.2009, 13:36
Und hast du dir schon mal die Schulden angesehen, die vor der Krise angehäuft wurden?

Es wird ja zumeist so getan, wie wenn wir ohne Bankenpaket ja gar keine Schulden hätten. Die waren vorher aber auch schon unübersehbar. Und in paar Jahren wären wir ohne dem Bankenpaket auch genau dort wo wir heute sind, da brauchst dir nur die Staatsausgaben und -einnahmen der letzten 35 bis 40 Jahre ansehen. Beim Bankenpaket gibt's zumindest die realistische Hoffnung, dass diese Gelder erstens zurückgezahlt werden und zweitens für diese Gelder Zinsen an den Staat gezahlt werden.

taxpayer
00
6.10.2009, 13:32
weil es keine andere wahl gab

Peter_23
00
6.10.2009, 15:38
"Weil es keine andere Wahl gab" ?

Immer wenn dieser (dogmatische) Seufzer geäussert wird, ist eine Hinterfragung dringend geboten.

Es gibt immer eine andere/weitere Wahl.

Fragt sich nur, ob diese andere Wahl den jetzigen Nutzniessern, den Banken und deren politische Marionetten, genehm war.

tancy
00
6.10.2009, 12:51

na ja, beides ist richtig!!! Natürlich hat das Verhalten der Banken massiv zur krise beigetragen, aber der hauptverursacher war sicherlich die amerikanische FED...nach 09/11 wurde durch aggressive Zinssenkungen die Geldmenge in den USA grotesk erhöht...und dieses billige Geld ist in den Immobilienmarkt geflossen. Die amerikanischen Konsumenten haben im Vertrauen auf ihre Häuser massiv auf Pump konsumiert - bis die Blase eben platzte

Charles Duchemin
03
6.10.2009, 11:47
Die Finanzkrise sei durch Schuldenmachen entstanden, sagte Pröll

Ach richtig, weil die Staaten ein Budgetdefizit haben ist die Krise entstanden.

Nicht etwa durch casionomäßiges gambling mit "innovativen" Finanzprodukten.
Nicht etwa wegen der Immobilienblase in den USA!
Nicht etwa wegen dem munteren Weiterverkauf von Schrottpapieren und 1A bewertung der selben?

Man kann gar nicht so viel essen, wie man....

Brücke
32
6.10.2009, 11:17

Das System Freie Marktwirtschaft
funktioniert nicht ,
die Nutznießer erhalten dieses System mit aller Macht auf Kosten der Zukunft ( Die Schulden , die , auch wieder mit aller Macht zurückgefordert werden )
Die Schulden , die heute gemacht werden , dienen nicht dem Aufbau einer Gesellschaft , diese Schulden trennen die Gesellschaft in Nutznießer und Sklaven .

Banken&co sind die Raubritter von heute .

lessismore
04
5.10.2009, 23:23
Entweder - oder!

Entweder es gibt nach der Krise einen Aufschwung, dann sind die Schulden egal (was haben sich die Konservativen nicht das Maul zerrissen über die Schulden Roosevelts, "an denen werden noch unsere Enkel zahlen!" -- aber, nö, in den Fünfzigern waren sie praktisch weg); oder es gibt keinen -- dann hilft Sparen auch nichts.

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