Militärchef wegen Afghanistan-Buch zurückgetreten

4. Oktober 2009, 22:30
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Armee stufte Werk mit Einsatzdetails als "Gefährdung der nationalen Sicherheit" ein - IT-Chef des Militärs übersetzte es mit Google ins Arabische

 

Kopenhagen - Immer neue peinliche Enthüllungen zum Afghanistan-Buch eines ehemaligen Elitesoldaten haben den Oberbefehlshaber der dänischen Streitkräfte, Tom Sloth Jörgensen, sein Amt gekostet. Wie in Kopenhagen am Sonntag mitgeteilt wurde, reichte Jörgensen seinen Rücktritt bei Verteidigungsminister Sören Gade ein. Er übernahm damit die Verantwortung dafür, dass von der obersten Militärspitze selbst eine arabische Übersetzung des Buches "Jäger - Mit der Elite im Krieg" angefertigt und an Medien geschickt wurde, obwohl sie die Verbreitung der Aufzeichnungen gleichzeitig wegen "Gefährdung der nationalen Sicherheit" verbieten lassen wollte.

Gade hatte letzte Woche die juristischen Aktivitäten seines Ministeriums und des Militärstabes gegen das Buch auch damit begründet, dass eine angeblich bereits im Internet kursierende Übersetzung des Buches von den Taliban und anderen islamistischen Extremisten als "Gebrauchsanleitung" gegen dänische Einheiten in Afghanistan benutzt werden könnte.

Übersetzungsmaschinen

Kurz danach stellte sich heraus, dass der IT-Chef des militärischen Oberkommandos, Jesper Britze, persönlich die Übersetzung mit Hilfe automatischer Übersetzungsmaschinen im Internet gefertigt hatte. Sie wurde dann nachweislich von den Pressesekretären im Stab sowie im Verteidigungsministerium an Medien gemailt. Sprachexperten erklärten, dass die über den Google-Übersetzungsdienst erstellte Übersetzung im Wesentlichen aus unverständlichem Kauderwelsch bestehe.

Ministerpräsident Lars Lökke Rasmussen erklärte, er habe weiter Vertrauen zu seinem Verteidigungsminister. Gade selbst nannte die Vorgänge in seinem Haus und der Militärführung "grotesk". Er fühle sich von führenden Mitarbeitern irregeführt und in die Rolle eines "Hanswurst" gedrängt. Die oppositionellen Sozialdemokraten verlangen den Rücktritt des Ministers. (APA/AP)

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