Was der Iran alles kann

4. Oktober 2009, 19:00
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Auffällig ist, dass Teheran gerade jetzt bereit zu sein scheint, sein Uran zur Weiterverarbeitung außer Landes schaffen zu lassen

Um eine einsetzbare Atombombe zu bauen, bedarf es der Forschung und Entwicklung auf sehr unterschiedlichen Gebieten; erst am Schluss laufen die Stränge zusammen. Vom Iran weiß man mit Sicherheit, dass er Uran anreichern kann, man wusste (und weiß) jedoch nicht, was die iranischen Wissenschafter sonst noch alles können: etwa das Uran gießen, Zünder und hochexplosive Stoffe herstellen und, besonders schwierig, einen Sprengkopf so zu dimensionieren, dass er auf die vorhandenen Raketen passt.

Dass der Iran wahrscheinlich zur Bombentechnologie geforscht hat, wird in jedem Bericht der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) impliziert, seitdem Hinweise darauf aufgetaucht sind. Diese Hinweise sind keine "Beweise", aber im jetzt vielzitierten Bericht wurden darauf basierend Hypothesen weitergesponnen, was der Iran alles "können könnte". Und das ist eine ganze Menge. Das Resultat gibt im Grunde niemandem recht: Es kann die These stützen, dass der Iran die Bombe will, es kann aber auch die - von einem Großteil der Experten vertretene - These stützen, dass der Iran die Option auf die Bombe will. Wie etwa Japan.

Auffällig ist, dass Teheran gerade jetzt bereit zu sein scheint, sein Uran zur Weiterverarbeitung außer Landes schaffen zu lassen: Sind neue, für den Iran unangenehme Informationen in der Pipeline? Übrigens sind es gerade jene Staaten, die der IAEO mangelnde Härte vorwerfen, die nicht gerade großzügig mit der Weitergabe ihrer Geheimdienstinfos an die IAEO sind. Natürlich deshalb, weil sie dadurch viel über sich selbst preisgeben würden. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 5.10.2009)

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