Versuche der Imagekorrektur von Lantus

4. Oktober 2009, 18:57
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Analoginsulin seit einigen Monaten unter Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen - Experten treten Gegenbeweise an

Seit das lang wirksame Insulin Lantus des Pharmakonzerns Sanofi-Aventis im vergangenen Frühjahr in Verdacht geriet, das Krebsrisiko zu erhöhen, stehen die Zeichen auf Imagekorrektur: Produzenten von künstlichem Insulin teilen der Öffentlichkeit mit, dass gerade ihr Präparat gänzlich ungefährlich ist. Bei der Tagung der European Association for the Study Diabetes (EASD) vergangene Woche in Wien präsentierte zum Beispiel Novo Nordisk Daten einer Metanalyse, wonach das hauseigene, lang wirksame Analoginsulin Levemir besonders sicher sein soll und das Krebsrisiko nicht erhöht.

Die aus mehreren Studien zusammengesetzte Analyse habe, so der Konzern in einer Aussendung, Daten von 9000 Patienten verglichen. Dabei seien signifikant weniger Krebsfälle aufgetreten als bei der Behandlung mit einem Humaninsulin, das aus Schweineinsulin hergestellt wird. Es habe auch weniger Krebsfälle als bei der Behandlung mit Lantus gegeben, dieser Unterschied sei aber statistisch nicht signifikant, hieß es in einer Aussendung.

Analoginsulin unter Verdacht geraten

Die Aufregung um Lantus entstand nach einer Untersuchung des deutschen Instituts für Wirtschaftlichkeit und Qualität im Gesundheitswesen (IQWiG), das in einer Meta-Analyse, die vier unterschiedliche Studien mit insgesamt 130.000 Patienten zusammengefasst hatte. Das Fazit war, dass das in Lantus enthaltene Analoginsulin Glargin möglicherweise das Krebsrisiko erhöhe.

Seither versuchen mehrere Experten, den Verdacht auszuräumen. Beim Wiener Diabetes-Kongress meinte etwa der US-amerikanische Diabetologe Jay Skyler, Patienten hätten mit Lantus sogar ein geringeres Krebsrisiko als mit Humaninsulin. Jeffrey Johnson von der School of Public Health der University of Alberta in Kanada meinte, dass künstliches Insulin nur in einem Fall die Entwicklung von Tumoren fördere: bei Typ 2 Diabetikern, die neben oralen Antidiabetika große Mengen davon injizieren. Er brach eine Lanze für den Wirkstoff Metformin für Typ-2-Patienten, die meist aufgrund von Fettleibigkeit zu viel körpereigenes Insulin produzieren, die Kohlehydrate aber nicht in Energie umwandeln können. Hier sei das Krebsrisiko um 30 Prozent geringer als bei Blutzuckersenkern wie Sulfonylharnstoffen.

Der Markt der Insulinhersteller ist heiß umkämpft. Die Zahl der Diabetiker weltweit wird auf 260 Millionen Menschen geschätzt. Allein in Österreich sollen es laut jüngsten Schätzungen bereits 600.000 sein. (Peter Illetschk, DER STANDARD Printausgabe, 05.10.2009)

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