Ein Rausschmiss, über den es sich zu lachen lohnt

4. Oktober 2009, 18:41
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Antonia Baehr, Forced Entertainment

Graz - In der Endzeit einfach Ruhe bewahren - das empfiehlt die neue, nach einer Tanzquartier-Rohfassung nun beim Steirischen Herbst gelandete Graphic Novel von Forced Entertainment. Void Story erzählt von einem Paar (Kim und Jackson), das unter mysteriösen Umständen aus der eigenen Wohnung hinaus in eine düstere Welt befördert wird, die bis in die Herzen der dort anzutreffenden Menschen von so etwas wie Krieg durchtränkt ist. Genaues weiß man nicht. Sämtliche unaufgeregt in Empfang genommene Katastrophen reihen sich zu einem (auch redundanten) Roadmovie, in dem Überleben schon die Utopie ist, und nur hier und heute im Theater mit Science-Fiction und viel schwarzem Humor gelingt.

Die Tonspur dieses auf Leinwand projizierten schwarz-weißen Foto-Comics wird live von vier Schauspielern auf der Bühne des Orpheum generiert: Blut "plätschert" aus der Schusswunde, Kinderstimmen verzerren sich zu Ungeheuern, das Telefon läutet bedrohlich usw. Die Sheffielder Performer liefern damit einen netten kleinen Horrortrip, der insgesamt allzu sehr auf seine Mittel vertraut, aber doch anständig erheitert.

Zum Lachen ging man dann in den Dom im Berg zu Antonia Baehr. Die deutsche Performerin intonierte Lachpartituren ihrer selbst, Geschenke von Freunden, die genau zuhörten, wenn Antonia Baehr ins Kichern oder Brüllen verfiel, und dies auf Notenblättern festhielten. Dieses Lachen, eine österreichische Erstaufführung, enthält nun mehr Spannung, als der Begriff "Lachperformance" dem Anschein nach in sich trägt.

Antonia Baehr, zuletzt an den angesagten Laboratoires d'Aubervilliers tätig (es entstand dort die das Stück begleitende Publikation Rire/Laugh/Lachen), viviseziert in Lachen den theatralen Code selbst. In exemplarischen Rhythmen, Takten und Tonlagen, kombiniert mit pointierter Mimik, spielt Baehr Heiterkeitsanfälle vor. Gelacht wird ohne Grund, aber aus Prinzip, es ist Untersuchungsgegenstand. Dabei verzerrt sich beispielsweise hinter einem Vergrößerungsspiegel die dazugehörige Mimik und macht aus einem Hühnergackern allmählich das ketzerische Gelächter des gottverdammten Joker. Eine präzise, ungewöhnliche Studie - genau das, was man von einem Avantgardefestival erwartet. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD/Printausgabe, 05.10.2009)

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