Bundesbahnen

ÖBB will Fracht von Schiene auf Straße verlagern

4. Oktober 2009, 18:05
  • Artikelbild
    fotos: standard/heribert corn; montage: lukas friesenbichler

    Rollende Landstraße wörtlich: Weil der Transport auf der Schiene teurer ist als jener auf der Straße, plant Rail Cargo Austria die Verladung auf Sattelschlepper. Gegen private Frächter haben aber auch die Laster der Eisenbahner keine Chance.

Um ausgabenseitig zu sparen und die Sparte Bahn-Express zu sanieren, sollen statt Zügen täglich 56 Lkws fahren

Wien - Der ÖBB-Güterverkehr muss sparen und plant gemäß einem Sanierungskonzept von Berater Roland Berger die Verlagerung des Transports von Stückgut von der Schiene auf die Straße. Ab Jänner 2010 sollen in der Steiermark Güter nicht mehr mit ÖBB-Zügen transportiert werden. Die Fracht soll künftig per Lkw durch Österreich geführt werden. Allerdings nicht auf Lastern der ÖBB, sondern auf Lkws privater Frächter, weil diese billiger sind.

Beschlossen hat diese Maßnahme der Vorstand der Rail Cargo Austria, die Zustimmung des Aufsichtsrats ist noch ausständig. Das Argument für die Verlagerung ist ein Einsparpotenzial in der Höhe von 7,9 bis 8,6 Millionen Euro.

***

Wien - Während der ÖBB-Holding-Aufsichtsrat die unter dem Titel "Netzoptimierung" diskutierte Schließung von Neben- und Regionalbahnen auf Dezember verschoben hat, prescht der ÖBB-Güterverkehr bei der Bereinigung des Schienennetzes vor. Der im Sanierungskonzept von Berater Roland Berger empfohlene "Rückzug von der Fläche" ist bei der Rail Cargo Austria (RCA) auf Schiene.

Zumindest, was die defizitäre Sparte Bahnexpress (BEX) betrifft, also den Transport von Stückgut. Dieses soll laut einem RCA-Vorstandsbeschluss vom 24. September 2009 ab Jänner in der Steiermark, konkret von und zu den Logistikknoten Werndorf (im Süden von Graz) und St. Michael (Obersteiermark, Region Leoben), auf den Hauptläufen nicht mehr mit ÖBB-Güterzügen transportiert werden. Im Gegenteil, die Fracht soll künftig mit 14.000 Lkws durch Österreich gekarrt werden. Das allerdings nicht auf ÖBB-Lastern der RCA-Speditionsholding, sondern mit Fremd-Lkws privater Frächter.

Dass sich die RCA mit diesen Maßnahmen Millionen ersparen und ihre bis 2011 aufgehende Ergebnislücke maßgeblich verkleinern wird, dürfte freilich eher ein Wunsch bleiben. Denn wohl wird es "bei Umsetzung möglich, eine Ergebnisverbesserung für die RCA in der Höhe von ca. 7,9 bis 8,6 Millionen Euro zu realisieren" . Allerdings verursacht allein die Verlagerung von täglich 56 Lkw-Fahrten von und zu den Kontraktlogistikcenters Graz Süd und St. Michael "einen möglichen Cash-out von 5,8 bis maximal 6,5 Mio. Euro" . Bei Verschub und Schienenmaut (Infrastrukturbenützungsentgelt, IBE) reduziert sich der Aufwand pro Jahr um 800.000 Euro.

An den Kragen geht es auch dem Logistikcenter Wiener Neustadt. Die dort abgewickelte Kontraktlogistik soll ab April 2010 auf den Frachtenbahnhof Wien-Nordwestbahnhof- verlagert werden. Diese - von der RCA-Führung im Konzern bereits angekündigte, aber noch nicht beschlossene Maßnahme gilt in RCA-Kreisen als fix. Der entsprechende Vorstandsbeschluss steht allerdings noch aus, weil noch nicht feststeht, ob die Schienenhauptläufe tatsächlich auf Lkws verlagert werden. Insider gehen allerdings fix davon aus, dass sich die im Auftrag der ÖBB fahrenden Fremd-Lkws damit auf gut 20.000 pro Jahr erhöhen wird.

In dem Fall dürfte von den erwarteten 3,6 Mio. Euro Einsparungspotenzial nicht viel übrig bleiben - außer dauerhaften Einnahmenausfällen bei der RCA-Schwester ÖBB-Betrieb-AG (verliert rund eine Million Euro an Schienenmaut) und bei der RCA-Tochter ÖBB-Traktion, deren Lokomotiven und Lokführer deutlich an Auslastung verlieren.

Ob die bahnintern umstrittenen und im Widerspruch zur versprochenen Erhöhung des Modal Split in Österreich stehenden Maßnahmen umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Denn sie wurden weder vom RCA-Aufsichtsrat noch vom Holding-Aufsichtsrat genehmigt. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.10.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 857
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18
K R
00
21.10.2009, 16:41
typisch


die ganze welt redet von umweltschutz und co2-maßnahmen ... und österreich will fracht von der schiene auf die straße verlegen

rowa
00
8.10.2009, 17:39
Werbung für die marode Asfinag

Fast 100 Züge weniger, das ist ein echter Skandal für die Ostregion, oder vielleicht eine Werbung für die hochverschuldete Asfinag, denn folgende Eröffnungen stehen bevor:
Die S1 und die S 2 sowie der 1.Teil der A 5.
Für beide Vereine (ÖBB und Asfinag) ist ja SP-Infrastrukturministerin Doris Bures zuständig. Österreich ist und bleibt ein LKW- und PKW Paradies, der "UMWELT" zu liebe, oder?

earthling
01
6.10.2009, 11:10
Nur ein Wort:

Schweiz!!!!!!
War vor kurzem dort, will nach ein paar Tagen ÖBB gleich wieder zurück! Und eventuell könnte man ja für jeden ÖBB-Manager und Unternehmensberater ein Zwangs-Praktikum bei den SBB einführen... ;-)

luke skywalker
10
6.10.2009, 18:59
Dann wanderns doch aus in die selige Schweiz

und fahrens den ganzen Tag mit der tollen SBB kreuz und quer durch die Berge.

Ich brauche die Bahn nicht, und die meisten Österr. auch nicht. Die kostet nur Unsummen an Steuergeldern und v.a die Nebenbahnen vernichten noch dazu Unmengen an Energie. Je weniger Bahn desto besser für den Steuerzahler.

Neu Anfang
00
6.10.2009, 08:38
Roland Berger

redet von einer Prävention im Gesundheitswesen?
Kann man das Verlegen von Bahnwaggons auf LKWs und damit in den Straßenverkehr auch als "Prävention für die Gesundheit" bezeichnen?
Wer wird da wieder von wem geschmiert?!

Neu Anfang
00
6.10.2009, 08:19
Horror-Szenarien

und wenn die SPÖ hier nicht dagtegen ist - weiterer
massiver Stimmenverlust!!!

Philippe Glatz
00
6.10.2009, 01:19
Schiene statt Verkehrslawine

war das nicht grad noch? Wieso soll das alles wieder retour?Das war doch noch nicht richtig fertig! Wozu werden dann all die Tunnels gebaut? Hilfe, ich kenn mi nimma aus.

Darkk
00
5.10.2009, 21:25
passt perfekt

zu der schrottprämien-strategie ^^

Hakuna Matata
 
00
5.10.2009, 20:37

Also in diesem Fall kann man wohl nur von besonders schwerer, vorsätzlicher und organisierter Inkompetenz sprechen.

Vielleicht setzt die BundesreGIERung ja wie üblich eine Sonderkommission ein, aber nicht unbedingt unter Vorsitz von Frau Bures oder Herrn Pöchhacker.

mfg

H.M.

Hans Langer
00
6.10.2009, 15:22
Vom Unternehmensstandpunkt logisch

Das ist leider nicht Inkompetenz sondern der pure Rechenstift.
Den Kosten nach ist die Strasse billiger und die ÖBB ist ein Unternehmen, das Profit machen soll daher muß zwangsläufig die billigere Alternative ausgewählt werden.
Die Fragen die zu stellen sind, sind :
- Muß öffentlicher Verkehr profitbringend und privatisiert sein ?
- Wann wird die Kostenwahrheit bei Strassentransporten hergestellt (wenn man die Schäden an Umwelt und Strassen ansieht, ist das derzeit nicht der Fall) ?
Aber da sei ja die Transportlobby und Ölkonzerne vor.

Träume sind Schäume
01
5.10.2009, 19:55
Die haben ihren Auftrag als Bahn wohl falsch verstanden!

also dann ...
01
5.10.2009, 19:39
dass die öbb... in 20 jahren (seit 1989 !) nicht imstande ist

- trotz des umwelt-vorteils z.b.
gewinnbringend (oder zumindest mit einer NULL !)
den transport von A......nach B.....
zu organisieren ( ? ),
ist wohl nur dem meisterhaften geschick a l l e r
handelnden personen, insbes. der polit - n i e t e n...
zuzurechnen.

welch ein trauerspiel !

Hakuna Matata
 
00
5.10.2009, 20:41
"oder zumindest mit einer NULL "

Die "Null" ist schon lange mit an Bord, sogar mehr als dieser Staat verkraftet, nur leider nicht in der Jahresbilanz sondern in Vorstand und Aufsichtsgremien, einschließlich der Politik.

mfg

H.M.

Jan Nesbeda
00
14.10.2009, 10:54

Da bekommt der Begriff "Schwarze Null" ja fast bedrohliche Dimensionen...
;-)

winedoctor
02
5.10.2009, 19:19
bahnschranken

man darf aber nicht vergessen, dass der lkw-verkehr viel flüssiger geht, weil ja dann alle bahnschranken immer offen sind

flotter denker
51
5.10.2009, 19:06
Was das im Forum fuer Geifer ausloest ist schon fast lustig

Sagt aber eigentlich nix Neues, denn dass wir die Bahn, so wie sie ist, eigentlich nicht brauchen, weiss eh jeder vernuenftige Mensch. Wenn man das Geld, das man in die Bahn buttert, in den Strassenausbau steckte, dann haetten wir aber sowas von einer tollen Infrastruktur. Aber wir verbuddelns ja lieber in irgendwelchen sinnlosen Bahntunnels oder verspekulierens irgendwo.

Neu Anfang
00
6.10.2009, 08:24
Flotter Denker?

wo wohnst Du? Ich würde Dir von Herzen wünschen
z.B. im tiroler Inntal oder in der Nähe der Wiener
Tangente usw zu wohnen, dann würdest Du Dir solche Aussagen sehr überlegen! Oder bist Du ein
den Speditionen Nahestehender???!

PjotrV
00
6.10.2009, 10:46

Flotte Denker & Co gehen davon aus, dass in transitverseuchten Gegenden ohnedies niemand zu wohnen hat.

Treibhauseffekt
11
5.10.2009, 19:33
Der "flotte Denker".

Ich lach' mich tot! "Tolle Infrastruktur". Zum Zerkugeln! "Ausgelöster Geifer". Ich werd' nicht mehr!

Nun mal ernsthaft, Sie Witzbold. Was Sie meinten, war: Wenn wir das Geld, das wir in Autobahnen buttern, in den Bahnausbau steckten, dann hätten wir aber sowas von einer tollen Infrastruktur.

Aber wir asphaltierens lieber oder vergraben' s in Abfertigungen von geschasten Ex-Politikern & E-Asfinag-Managern.

luke skywalker
00
5.10.2009, 19:54
Einen kleinen Unterschied Bahn-Strasse gibt es aber schon


ohne Straßen und Autobahnen würde die Wirtschaft augenblicklich kollabieren.

ohne Bahn: tja, würde man überhaupt merken ??

C18H27NO3
00
5.10.2009, 20:15
ja, am stau

in der früh und am abend heim

jacques05
00
5.10.2009, 19:00
vielleicht wäre es jetzt an der zeit,...

dass alle welche der sp nahestehen, angehören, sympatie hatten/haben, alle, die an einer volkswirtschaftlich und ökologisch agierenden bahn interessiert sind, /övp mitglieder sind hier ausdrücklich nicht gemeint) dem grinse werner und der schuhband dorli einen brief/mail zu schreiben.
in dem man der tiefen sorge um den geistig moralischen zustand genannter, ausdruck verleiht.
indem man vielleicht sagt, es ist genug.
vielelicht sollte man den sozialdemokr. kapitalisten,
den agent provocateurs der freien marktwirtschaft
einmal sagen, dass profit etwas für die wirtschaft und nicht für soz. marktwirtschaft ist.
ansonsten sollte man den mit kreisky begonnen, mitgegangenen weg beenden.

Pharoah
00
5.10.2009, 18:52
Ich liebe Unternehmensberater

Die haben doch immer das Allgemeinwohl und ökologische Aspekte im Auge

Bauz
00
5.10.2009, 18:43

Kanäle graben und die Fracht verschiffen... Ich will jetzt bitte auch ein Beraterhonorar!

Stan Laurel
00
5.10.2009, 18:40
Verrückt das Ganze

"Logistikknoten Werndorf (im Süden von Graz)"

Na toll, dann werden die Feinstaubwerte wieder ordentlich in die Höhe rasseln.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 857
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.