Der Teamchef und der Topscorer

4. Oktober 2009, 17:56
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Ivanschitz steht wegen angeblicher Stammleiberlgarantie-Forderung nicht im Kader, die Deutschen feiern ihn als scorenden Spielmacher

Mainz - Nein, besonders glücklich kann Österreichs Fußball-Teamchef Dietmar Constantini mit seinem bemerkenswerten Ivanschitz-Kurs (quasi: Was erlauben diese Rotzpipn?) nicht sein. Kaum steht der Ex-Teamkapitän wieder einmal nicht im Teamkader, geigt der in der deutschen Bundesliga auf, dass einem Österreicher dabei durchaus Hören und Sehen vergehen könnten.

Die samstägige Partie des Aufsteigers Mainz daheim gegen den Vorjahrsaufsteiger Hoffenheim eröffnete Andreas Ivanschitz in der sechsten Minute mit einem satten Schuss ins Kreuzeck und bereitete wenig später, in der 11. Minute, das 2:0 durch Kollegen Aristide Bance vor. Ivanschitz hält damit bei vier Toren und fünf Assists.

Klar, dass österreichische Schmieranskis so was dem Teamchef gern unter die Nase reiben, zumal in dieser Partie noch ein zweiter Nicht-Teamspieler sich in die Schützenliste eintrug. Hoffenheim wurde nämlich nach und nach stärker, ja drückte. Das Anschlusstor von Andreas Ibertsberger kam allerdings erst in der 87. Minute und deshalb zu spät.

Auch die deutschen Kollegen der heimischen Schmieranskis wundern sich ein wenig (um jetzt nicht zu sagen: sie schütteln den Kopf). Der Sport Informations Dienst wählte das Tor des Andi Ivanschitz zum "Tor des Tages" und schrieb dazu: "Dem österreichischen Fußball geht es derzeit wohl besser, als die Kritiker behaupten. Schließlich leistet sich Teamchef Dietmar Constantini, dessen Auswahl kaum noch Chancen auf die WM-Teilnahme im kommenden Jahr in Südafrika hat, den Luxus, auf den Top-Scorer der Bundesliga zu verzichten. Wenn sich Constantini die Aufzeichnung der Partie anschaut, muss der Coach seine Haltung zu Ivanschitz, der in seinen bisherigen 49 Länderspielen sieben Mal getroffen hat, wohl überdenken. Schließlich könnten die Österreicher sicher einen Mittelfeldspieler brauchen, der den Spielzug vor seinem Tor selbst einleitet und am Ende auch verwertet. Der deutsche Ex-Nationaltorwart Timo Hildebrand konnte dem Ball, der da in seinen Torwinkel flog, jedenfalls nur ungläubig hinterherschauen. Ungläubig staunen wird derzeit wohl auch Constantini."

Andreas Ivanschitz mit Mainz und Andreas Ibertsberger mit Hoffenheim matchten einander im Vorderfeld der deutschen Bundesliga. Weit dahinter hält sich der VfL Bochum auf, wo Christian Fuchs, einziger deutscher Beitrag zum aktuellen Teamkader, die linke Seite bearbeitet.

Zuletzt hatte Fuchs einen Hänger. Gegen den Meister aus Wolfsburg zeigte er allerdings wieder auf. Die Partie in Bochum endete ehrenvoll mit 1:1. Und das 1:0 knapp nach der Pause durch Vahid Hashemian verdankte sich einer präszisen Fuchs-Flanke von links.

Am Samstag empfängt Constantinis Team zwecks WM-Qualifikation in Innsbruck Litauen. Am darauf folgenden Mittwoch wird Frankreich in Paris versuchen, Revanche zu nehmen für das 1:3 von Wien, zu dem Ivanschitz immerhin ein Elfertor beigetragen hat.

Aber insgesamt wird sich wohl schon sagen lassen, was die deutschen Kollegen ein wenig höhnisch angemerkt haben:Dem österreichischen Fußball geht es derzeit wirklich besser, als die Kritiker behaupten.

Dass es ihm schon so gut geht, um auf einen Tore schießenden Spielmacher in der deutschen Bundesliga verzichten zu können, wird sich erst weisen müssen. Am Samstag, am Mittwoch. Und bei vielen darauf folgenden Gelegenheiten auch noch. (wei, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 5. Oktober 2009)

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    Tor des Tages: Hoffenheims Timo Hildebrand kann Andreas Ivanschitz' Ball "nur ungläubig hinterherschauen".

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