Die Sonnenflecken auf der Sozialdemokratie

4. Oktober 2009, 17:06

Die SPÖ ersetzt immer plausibler den ÖAAB

Die schweren Niederlagen der SPÖ bei den jüngsten Wahlen haben nicht nur Bundeskanzler Werner Faymann, sondern der Sozialdemokratie insgesamt arg zugesetzt. Gegenüber Bruno Kreisky, dem Jahrhundert-Star der SPÖ, den man auch einen "Sonnenkönig" des Alpen- und Donaulandes nannte, wirkt der momentane Parteivorsitzende wie ein Schatten. Immer mehr Sonnenflecken verdüstern das Bild einer politischen Bewegung, die in Westeuropa wieder einmal im Krisenbett liegt.

Die Wähler-Befunde sind regionale Diagnosen. Die SPÖ wurde also nicht abgewählt. Die ÖVP will auch - laut ÖAAB-Chef Spindelegger in der sonntägigen ORF-Pressestunde - bis 2013 weiterregieren. Dazu kommt, dass Werner Faymann sein Amt total ernst nimmt. Er bringt ein, wozu ein ehemaliger Wiener Stadtrat in der Lage ist, und er umgibt sich mehrheitlich mit Leuten, die sein Niveau nicht übertreffen.

Das Hautproblem aber ist: Faymann hat kein Charisma, Faymann gibt nicht den Ton an. Faymann ist gut, wofür die aus einer Psychologen-Familie stammende Laura Rudas kürzlich geworben hat: "Wir müssen Vertrauen schaffen." Das aber hat weder mit Regieren in der Krise etwas zu tun noch mit Themen-Führerschaft. Auf andere Sonnenflecken auf der Sozialdemokratie, die sich seit Kreisky gebildet haben, weist seit Monaten der inzwischen seiner steirischen Kultur-Macht beraubte Politiker Kurt Flecker hin. "Mehr Intellektualität" (Fällt Ihnen wer ein?), "Mehr Buntheit" (Fällt Ihnen wer ein?) verlangt der nunmehr zum Präsidenten des Landtags aufgestiegene unkonventionelle Steirer.

Flecker ist österreichweit einer der gescheitesten Sozialdemokraten. Aber er wurde von Landeshauptmann Franz Voves abgehalftert. Was der Grundtendenz der SPÖ entspricht. Keine Aufreger, keine Kreativen, keine, die Fragen stellen.

Die unangenehme Wahrheit aber ist: Wer der Krone Briefe schreibt, wer Österreich ernst nimmt, eignet sich bestenfalls für einen Stadtrat oder Fachminister. Das ist nicht wenig. Solche Leute braucht die Republik. Aber nicht an der Spitze.

Leider fehlen Alternativen. Hundsdorfer? Ein anständiger Mensch, der nicht einmal die Grundsicherung auf die Reihe bringt. Burgstaller? Eine Zwischenruferin, die ihre Erfüllung findet, wenn sie im Dirndl im Weinort Gols gefeiert wird. Die man im Morgenjournal aber leicht mit Maria Fekter verwechselt, wenn sie über Ausländer spricht. Die mit H.-C. Strache koalieren würde.

Für die SPÖ gilt, was Kurt Palm kürzlich im jüngsten Standard-Montagsgespräch gesagt hat: "Wer die SPÖ wählt, bekommt die ÖVP." Für Hans Niessl, den burgenländischen Gastgeber Burgstallers, gilt das in besonderem Maße. Er wirkt wie ein Vertreter der Grenz-Exekutive, was einen Grundbefund ergibt: Die SPÖ ersetzt immer plausibler den ÖAAB.

In der Regierungskoalition repräsentiert die ÖVP den Bauernbund und die Wirtschaft, die SPÖ die Arbeitnehmer. Beide sind im Sinne der Arbeiterkammer und des ÖGB ausländerfeindlich. Und - ebenfalls beide - unter der Knute der Beamtengewerkschaft gegen wirkliche Reformen. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, Printausgabe, 5.10.2009)

Kommentar posten
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1 2
charley-inc
10
19.10.2009, 12:26
Genau umgekehrt!

Der ÖAAB wird in Zukunft die SPÖ thematisch ersetzen und ihr so die Grundlage entziehen - und keinem wird auffallen, dass es die SPÖ nicht mehr gibt. Und das ist auch gut so.

Außerirdischer
02
5.10.2009, 18:20
Habe den Namen des abgeschleckten Polit-Beraters gestern beim Diskussionsabend ORF2 vergessen!

Der Herr mit der Pomade im Haar und den auffälligen Manschettenknöpfen hat dem Darabos geraten - und allen anderen Politikern auch - nicht dauernd auf die ''ewig gleichen Sachthemen'' zu setzen, sondern auf ''Emotion, Aufbruch, Visionen''.

Mir tut jeder aufrechte Politiker leid! Die kriegen eine ''Watschen'' nach der anderen von weniger integren Kollegen und Wählern, die ihre Holschuld in Sachen Demokratie nicht begreifen.

Die SPÖ muss sich schleunigst internationalisieren, um die Dinge zu regeln, die auf nationaler Ebene nicht mehr lösbar sind!

Sonst können sie sich voller Stolz ins Museum stellen lassen!

Und das sage ich als ''Neuer Selbständiger'', dem es nahezu wurscht ist, von welcher Regierungspartei er gerade ignoriert wird.

Michl52
00
18.10.2009, 23:45
Sie werden ohnedies nicht ignoriert,

sondern optimal ausgenutzt.

an kog
02
5.10.2009, 17:34
"...aus einer Psychologen-Familie stammende..."



Psychiater nicht Psychologe. Das ist etwas anderes.

Und was die berufliche Tätigkeit der Eltern in diesem Zusammenhang für eine Bedeutung haben soll, verstehe wer will. Ich sehe keinen.

karlFranz
00
5.10.2009, 17:23
Hundsdorfer im Standard, Hundtstorfer in der Kleinen Zeitung,

ein armer Hund mit so einem Namen.

H. K.7
12
5.10.2009, 13:13
z. hat wieder zugeschlagen

keine ahnung gegen welche forenregeln folgende feststellungen verstossen, sodass die zensur einschreiten muss:

entweder gerfried sp. oder wikipedia schreiben über personen, die im artikel vorkommen, die "unwahrheit".

infos zum övp/stand.-schreiber:

"G. Sp. Engagement in der Studentenvertretung prägte sein politisches Bewusstsein. Als Journalist begann er nach seiner Studienzeit 1969 bei der Kl....n Zeitung, wo er bis 1982 tätig blieb. Danach wechselte er als Chefredakteur zur ÖVP-Parteizeitung Südost-Tagespost, nach deren Einstellung 1987 als stellvertretender Chefredakteur zum "Ku...r" und ..."

Mucosaprolaps
30
5.10.2009, 16:26

Das Zensurgeheul ist völlig lächerlich; jede Website muss -- wenn sie schon ein Gästebuch bereitstellt -- für eine Mindestqualität und Mindeststandards der Postings sorgen. Manche benutzen dafür automatische Systeme, etwa einen "Foromaten".

Es gibt jedenfalls kein Recht darauf, dass in einem Gästebuch oder Forum hinterlassenes Geschreibsel veröffentlicht wird; wegen "Zensur" herumzubrüllen halte ich für ein Zeichen von leicht neurotischem Größenwahn.

/. nerd
 
02
5.10.2009, 20:30
Naja, wenn wir schon ihr Geld verdienen dürfen, dann könnten sie uns aber schon etwas weniger ärgern

Wahrscheinlich scheiterts eh nicht an der Technik, sondern der IV-Ableger mit dem lachsrosa Schundblatt und der türkisen (Microsoft für eine Website mit etwas Traffic - grandiose Idee) Chaos-Website ist draufgekommen, dass das willkürliche, stundenlange Verzögern von Kommentaren zu zusätzlichen Klicks und damit mehr Geld führt.

Bruno Flex
415
5.10.2009, 12:53
Als Arbeiterpartei hat die SPÖ abgedankt

einfach, weil es immer weniger Arbeiter gibt.

Als Volkspartei aber zeigt die SPÖ sich schlicht überfordert: sie verfügt über keine innerparteiliche Kultur des Interessenausgleichs wie die VP.

So ist sie zu einer tendenziell ausländerfeindlichen (Hilfs)arbeiter-, Pensionisten- und Transferleistungspartei verkommen, die immer noch wie ein Kleinkind "Forderungen" an andere aufstellt, statt energisch selbst etwas zu gestalten.

Annemarie Veit
02
7.10.2009, 05:43

jetzt fällt der spö die mentalität ihrer wählerinnen auf den kopf!
zu kreiskys zeiten wurde ein transfersystem geschaffen, dass alle versorgte und eigenverantwortung aufs abstellgleis schob. die transfeempfänger sind die unzufriedenen, weil jetzt auch "die anderen" - neue österreicherInnen dieses system für sich entdeckt haben! und angst um verdiente pfründe ist ein schlechter wahlhelfer der sozis. somit war die politik dn "sonnenkönigs" in wirklichkeit der anfang vom ende der sozialdemokratie in österreich!

Mucosaprolaps
02
5.10.2009, 16:29

Es gibt schon noch Hackler ... aber die sind entweder Hilfstschackeln und arbeiten größtenteils mit Kollegen ausländischer Herkunft; oder sie sind grotesk überbezahlte Facharbeiter.

Die SP hat für die Arbeiter eben schon zuviel erreicht in den letzten 60 Jahren: Wenn sich so gut wie jeder Lehrling zum 18. Geburtstag einen 200-PS-Schlitten leisten kann, und jeder Hackler mit Ende 20 Haus, Garten, Hund, Kind, zwei Autos, 30 Kisten Bier im Keller und eine Satellitenschüssel hat: Wozu soll der noch rot wählen? Damit die Hilfs-Hackler ausländischer Herkunft sich auch Fernseher leisten können? Da denkt das typische Punschkrapferl doch nicht im Traum dran.

Happel, Ernst
31
5.10.2009, 14:49
Das mag schon stimmen...

aber die ÖVP als Ausgleichspartei zu bezeichnen ist ein Witz. Die ÖVP ist eine austrofaschistische neoliberale Klientelpartei, sonst nichts.

vox populi 1
01
5.10.2009, 16:18
Wie geht Faschismus mit Neoliberalismus und Klientelwirtschaft zusammen?

Bruno Flex
02
5.10.2009, 16:14
Ihr schlichtes Weltbild

differenzieren helfen werde ich offenbar nicht schaffen.

Zinnmo
 
00
5.10.2009, 16:08

Danke für den konstruktiven Beitrag.

Enrico Furioso
15
5.10.2009, 11:57
"Die SPÖ ersetzt immer plausibler den ÖAAB."

Genau das ist es. Die SPÖ ist zu einer Art sozialer Vorfeldorganisation der ÖVP geworden. Und damit als politische Kraft zu einem Leichtgewicht degeneriert. Noch kann sich die Bundes-SPÖ - und vor allem Faymann - von den Wahlniederlagen in den Ländern distanzieren. Aber die sind, davon bin ich überzeugt, nur ein Menetekel an der Wand was die nächsten Bundeswahlen anbelangt. Die VP-Wähler bekommen von der VP was sie von ihr erwarten. Die SP-Wähler hingegen werden enttäuscht, und bekommen für ihre Stimme quasi VP-Light. Warum also sollten sie, wenn ihre rote Stimme am Ende ja doch zu einer hellen Schwarzen wird, weiterhin Rot wählen?

Christiane Amanpour
 
21
5.10.2009, 11:27
Sonnenflecken? Die gibt es nur auf der Sonne, unser aller Energielieferantin

Sollte Herr Sperl mit diesem Ausdruck die Sozialdemokratie(n) kritisieren wollen, hat er sich sprachlich vertan, weil er sie damit als Zentrum und Energiespender bezeichnet hat. Blitzt da sein Unbewußtes durch? Das mit der Sonne kommt von "Kreisky, dem Sonnenkönig". Die Sonnen-Metapher wurde vor einem Jahr auch für Jörg Haider verwendet. Sei es wie es sei, wenn die Sonne nicht mehr scheint, verlieren wir (uns) alle, nicht nur im Dunkeln des Metaphern-Dschungels.

boldness
12
5.10.2009, 10:16
wenn man sich die andere reichshälfte

ansieht, so ist der hängematten-sepp auch nicht gerade als staatsmännisch und intellektuell vorstellbar. der ist doch vor allem durch kleingeistige interessenpolitik a la schüssel aufgefallen und blockiert die halbherzig vorgetragenen anliegen seiner "regierungspartner". als finanzminister wird er's wohl auch nie zu großer beliebtheit bringen. im übrigen bin ich schon gespannt auf den kantigen kanzler faymann.

Happel, Ernst
11
5.10.2009, 10:15
Guter Befund von Sperl

wenn auch frustrierend. Insoferene, als nicht die Regierung über die Beamten herrscht sondern umgekehrt. Das macht den Staat immer mehr zur Beamtenrepublik.

witherabbitt
 
00
5.10.2009, 15:13


Unterschätzen Sie die Qualität des josephinistischen Beamten nicht! — Außerdem wird die Republik von ehemaligen Buberln und Beratern beherrscht, siehe eben ÖBB.

Günther Schmid
14
5.10.2009, 07:30
Es ist herrlich...

wie bei jeder Parteikrise einer nach dem anderen aus dem Loch kriecht und das "Ende der XXX" ausruft.

Vor gut zehn Jahren haben sie die Konservativen abgeschrieben, heute schreiben sie die Sozialisten ab. Und Sie haben es natürlich immer alle besser gewußt - aber aus Pietätsgründen die letzten 10 Jahre den Mund gehalten.

Nicht, daß ich Faymann unterstützen würde. Nicht, daß die SPÖ momentan wirklich gute Arbeit leisten würde.
Aber so schlecht, wie die ganzen lieben Autoren mit Krone-Minderwertigkeitskomplex in allen Zeitungen jetzt tun, ist sie nicht. Vor allem im Hinblick auf Ihre, speziell in Österreich, mindestens genauso unfähige Konkurrenz.

johnnyfavorites
00
5.10.2009, 09:08
ja genau..

und dann diese sonderbare metapher von wegen sonnenflecken.. wenn man sich so offensichtlich nicht in der astronomie auskennt sollte man keine solchen vergleiche bemühen... außer man kennt sich in der politik auch nicht aus. dann paßt es in gewisser weise wieder;)

E. Pagliacchi
00
5.10.2009, 14:04

Weil ich mich ja mit Astronomie auskennen muss, um diese Metapher zu gebrauchen oder zu verstehen???

4321
00
5.10.2009, 11:20

das ist einfach die retourkutsche für die orf-thematik, der ach so objektiven, privaten "qualitäts"-prints - leider auch der beste beweis dafür, dass ein noch schwächerer orf - überhaupt nur noch övp-belangzeitungs-niveau hervorrufen würde. je öfter ich mir derzeit standard, presse, kleine ztg, sn, oder das tägliche sp-bashing auf atv nachrichten anschaue, desto froher bin ich, dass es noch orf gibt. vielleicht hat ja der historisch starke orf dazu geführt, dass unsere prints das mit der ausgewogenen berichtertsattung über die jahre komplett verlernt haben. ein neues medienkartellkgesetz muss her.

witherabbitt
 
41
4.10.2009, 19:06


Diese Polemik vermengt nur bereits geäußerte Kritik und bekannte Vorurteile, ohne daß dahinter eine Analyse auch nur erahnbar wäre. Burgstaller mit Hundsdorfer vergleichen ist in etwa so oberflächlich, wie flächendeckend der SPÖ vorgeworfen wird zu sein. Einerseits der SPÖ den Rechtsruck prophezeien, aber die Malaise der Erpressbarkeit der sich dem widersetzenden Teile der SPÖ gegenüber der ÖVP unterschlagen, greift zu kurz.

Fazit: Diesmal geriert sich Sperl selbst als Populist.

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