Carl Gustav Jungs "Rotes Buch" öffentlich zu sehen

22. Dezember 2009, 14:18
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Manifest des Psychoanalytikers ist gleichermaßen komplexe wissenschaftliche Abhandlung wie handgefertigtes Kunstwerk

New York - Fast 50 Jahre nach seinem Tod wird das "Rote Buch" von Carl Gustav Jung öffentlich gezeigt und damit ein seltener Einblick in die Seelenwelt des Schweizer Philosophen und Psychiaters gewährt. Zu sehen ist das lange versteckt gehaltene Werk bis Mitte Februar im Rubin Museum of Art in New York.

Jahrzehnte lang hatte die Familie das 205-Seiten-Buch in einem Kasten und zuletzt in einem Banktresor unter Verschluss gehalten. Seitdem im Oktober eine Faksimile-Ausgabe erschien, fand die Handschrift viel Beachtung. Die gedruckte Version ist mittlerweile bei der 5. Auflage angelangt. Das Buch gibt Hinweise auf Jungs Gedankenwelt in der Zeit, in der er seine berühmten Ideen zum Archetyp und zum kollektiven Unterbewusstsein entwickelte.

Das auch als "Liber Novus" bekannte Buch ist eine in 16 Jahren aufgezeichnete Reise in die unbewusste Traumwelt des renommierten Analytikers, die von ihm mit mittelalterlich wirkenden Kalligraphien und Zeichnungen reich verziert wurde. Die Existenz des Werks war seit Jungs Tod 1961 bekannt.

Wissenschaftliche Abhandlung und Kunstwerk

Das Werk ist so sehr eine komplexe wissenschaftliche Abhandlung wie ein komplett handgefertigtes Kunstwerk. Die Kalligraphien erinnern stark an alte Bibelabschriften wie das Book of Kells, die farbenprächtigen Zeichnungen geben Jungs Träume, Visionen und Fantasien wieder. Seine großformatige "Auseinandersetzung mit dem Unbewussten" wiegt rund vier Kilogramm und soll in der deutschen Fassung 168 Euro kosten (Patmos Verlag).

Von den Zeichnungen sind einige im Stil von Mandalas gehalten, einer Versinnbildlichung der Ganzheit in der hinduistischen und buddhistischen Tradition. Jung sah darin eine wichtige Repräsentation seiner geistigen und psychologischen Entwicklung. Er fürchtete die Veröffentlichung des Buches aber offenbar aus Sorge um seinen wissenschaftlichen Ruf.

Jung war ein Schüler des großen Psychoanalytikers Sigmund Freud, auch wenn er später mit dessen Lehre brach. (red/APA/AP)


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  • Die farbenprächtigen Zeichnungen geben die Träume, Visionen und
Fantasien des Schweizer Philosophen und Psychiaters Carl Gustav
Jung wieder.
    foto: philemon foundation

    Die farbenprächtigen Zeichnungen geben die Träume, Visionen und Fantasien des Schweizer Philosophen und Psychiaters Carl Gustav Jung wieder.

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