IWF: Erholung, wenn auch Arbeitslosigkeit sinkt

4. Oktober 2009, 18:16
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Strauss-Kahn sieht Krise in einem Jahr überwunden - Pröll: Kein Sparpaket 2010, Osteuropa nützt Österreich

Istanbul - Die Wirtschaftskrise könnte "in zehn bis zwölf Monaten" überwunden sein. Voraussetzung sei allerdings, dass die stark angestiegene Arbeitslosigkeit wieder zurückgehe, erklärte der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, Sonntagnachmittag bei der Herbsttagung von IWF und Weltbank in Istanbul. Er betonte, dass es derzeit vor allem darum gehe zu erkennen, ob die begonnene Erholung der Weltwirtschaft - am stärksten in China mit einem prognostizierten Wachstum von neun Prozent, schwach im Euro-Raum mit 0,3 Prozent - von Dauer sei oder nicht. Die Regierungen dürften ihre milliardenschweren Hilfsprogramme jedenfalls noch nicht zurückfahren.

Wie berichtet haben die EU-Finanzminister festgelegt, dass das Jahr 2010 auf jeden Fall noch der Unterstützung der Wirtschaft dienen, eine "Exit"-Strategie aus den staatlichen Hilfsmaßnahmen zur Schuldenrückführung nicht möglich sei. Der IWF will seine starke Rolle bei der Krisenbekämpfung auch beim Ausstieg wahrnehmen, so Strauss-Kahn, und entsprechende Regeln erarbeiten. Finanzminister Josef Pröll erklärte, im kommenden Jahr werde es in Österreich sicher "kein Sparpaket" geben. Er zeigte sich vorsichtig optimistisch über den "Silberstreifen" am Horizont, was die Konjunktur betrifft. In den vergangenen Monaten sei es vor allem darum gegangen, die Industrie und die Banken mit Maßnahmen zu stärken. In Zukunft werde sich das Augenmerk auf die Klein- und Mittelbetriebe richten müssen, sagte Pröll.

Gemeinsam mit Notenbank-Chef Ewald Nowotny glaubt der Finanzminister auch, dass Österreich in den nächsten Jahren ein besseres Wachstum erzielen werde als in der vom IWF in Istanbul präsentierten Prognose für den Euro-Raum. Darin wird davon ausgegangen, dass der Euroraum auf Jahre ein Wachstum kaum über 0,5 Prozent haben werde. Besser stünden die Länder Ostmitteleuropas da, mit 1,8 Prozent Wachstum. Nowotny geht davon aus, dass Österreichs Konjunktur davon profitieren wird und ein Plus von einem Prozent des BIPs erreichen könnte aufgrund der engen Verflechtung mit dem osteuropäischen Raum.

Nowotny wie Pröll zeigten sich erfreut darüber, dass die "Vienna Strategy" vom IWF als Vorbild für regionale Hilfsmaßnahmen dienen soll. Im Frühjahr hatte Pröll angeregt, dass die Euroländer direkt jene osteuropäischen Mitgliedsländer stabilisieren sollten, die durch die Bankenkrise in Schieflage gekommen waren. Das war damals von einigen EU-Ländern kritisiert und abgelehnt worden. (Thomas Mayer, Istanbul, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.10.2009)

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