Reinhard Mohn 1921-2009

4. Oktober 2009, 19:02
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Im Alter von 88 Jahren - Machte Bertelsmann zum Medien-Weltkonzern - Mutter auch der News-Gruppe

Wien - 88 wurde der Mann, der das größte Medienhaus seines Landes schuf, eines der größten der Erde: Reinhard Mohn, Architekt und Patriarch des Weltkonzerns Bertelsmann, starb am Samstag.

Aus der familieneigenen Druckerei C. Bertelsmann schuf Mohn den Medienriesen gleichen Namens, dem heute Europas größter Fernsehkonzern RTL und der weltgrößte Buchverlag ebenso gehört wie Europas größter Magazinkonzern Gruner+Jahr, in Österreich Mehrheitseigner der Verlagsgruppe News. Der Konzern mit mehr als 100.000 Mitarbeitern in gut 50 Ländern und 2008 16 Milliarden Umsatz verwaltet als privater Dienstleister auch Gemeinden.

Die Druckerei der Familie Mohn hatte mit regimetreuen, auch antisemitischen Publikationen von den Nazis profitiert, wurde von ihnen 1944 wegen illegaler Papierbeschaffung geschlossen, im Krieg schwer zerstört. Reinhard Mohn übernahm sie 1947 nach seiner Kriegsgefangenschaft in den USA.

Der gelernte Buchhändler gründete 1950 den Bertelsmann-Lesering. Auf Direktvertrieb per Buchklub gründete sich Bertelsmanns Aufstieg; in Österreich: Donauland. In Himberg betrieb Bertelsmann später die Buchdruckerei Wiener Verlag, zeitweise Europas größter Hardcoverproduzent. Für den Riesen kaum eine Fußnote.

Bertelsmann kaufte Druckereien und Verlage dutzendweise bis zu Bantam Books in den USA und 1998 den weltgrößten Buchverlag Random House. Längst zählt der Konzern aus Gütersloh da zu den weltgrößten der Branche.

Reinhard Mohns Bewusstsein für soziale Verantwortung des Unternehmers - auch zur Motivation der Belegschaft - prägte Bertelsmann: Ab 1969 beteiligte er Mitarbeiter an Gewinnen, 1977 gründete er die gemeinnützige Bertelsmann-Stiftung, der mehr als 70 Prozent am Konzern gehören. Den Einfluss der Familie auf Bertelsmann schränkte er ein. - Mit seiner Frau Liz holten die Mohns die Macht in den letzten Jahren zurück, Tochter Brigitte sah er als Nachfolgerin. Die Mohns verhinderten einen Börsengang, verschuldeten den Konzern dafür kurz vor der Krise milliardenschwer für den Rückkauf von Anteilen. (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 5.10.2009)

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    Reinhard Mohn.

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