Treffen zwischen Putschisten und rechtmäßiger Regierung geplant - Verhaftete Anhänger Zelayas treten in Hungerstreik
Tegucigalpa - Die Putschregierung in Honduras will sich noch in dieser Woche zu Gesprächen
mit Vertretern des gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya treffen. Die
Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) arbeitete am Wochenende daran, das
Treffen noch vor Beginn einer internationalen Vermittlungsmission am Mittwoch zu
ermöglichen. Unterdessen traten Dutzende Anhänger Zelayas aus Protest gegen ihre
Inhaftierung in einen Hungerstreik.
Nach Angaben des OAS-Gesandten John Biehl werden sich Zelaya und Putschpräsident Roberto Micheletti bei dem geplanten Treffen nicht direkt
begegnen. Micheletti hatte am späten Freitagabend bestätigt, dass sein Lager
offiziell den Kontakt zu Zelayas Vertretern aufgenommen habe.
"Förderung des Dialogs"
Micheletti berichtete weiterhin von einem Geheimtreffen mit OAS-Präsident
Jose Miguel Insulza am vergangenen Dienstag auf einer US-Militärbasis nördlich
der Hauptstadt Tegucigalpa. Insulza teilte am Wochenende mit, Ziel des Treffens
sei die "Förderung des Dialogs zwischen den Konfliktparteien" gewesen. Am
Mittwoch wird Insulza zusammen mit mehreren Außenministern aus der Region in
Honduras erwartet.
Nach Angaben der Agrar-Gewerkschaft begannen insgesamt 38 Bauern am Samstag
einen Hungerstreik in der rund 25 Kilometer nördlich der Hauptstadt Tegucigalpa
liegenden größten Haftanstalt des Landes, der Penitencia Nacional. Neben ihrer
Freilassung forderten die Bauern eine Rückkehr Zelayas an die Staatsspitze sowie
eine Anerkennung ihrer Landrechte durch die Putschisten.
Lager geräumt
Die Bauern kommen aus allen Teilen des Landes. Tagsüber protestierten sie in
Tegucigalpa gegen die Putschregierung, in den Nächten campierten sie im
Staatlichen Institut für Agrarreformen. Am vergangenenen Mittwoch räumten
Soldaten und Polizisten gewaltsam das improvisierte Lager der Bauern. 38 der
Festgenommenen sollen am Dienstag dem Richter vorgeführt werden, nach ihren
Angaben drohen ihnen langjährige Haftstrafen. "Wir werden wegen Aufruhrs
belangt, weil wir uns für die Rückkehr unseres Präsidenten einsetzen", sagte
Ramón Díaz, einer der Hungerstreikenden, der Nachrichtenagentur AFP.
Zelaya war Ende Juni gestürzt und außer Landes gebracht worden. Seine Gegner
werfen ihm vor, dass er sich per Volksabstimmung die Option auf weitere
Amtszeiten sichern wollte. Am 21. September war der linksgerichtete Präsident
heimlich in seine Heimat zurückgekehrt und sitzt seither in der brasilianischen
Botschaft fest. International wächst seitdem der Druck auf die Putschregierung,
den Machtkampf friedlich beizulegen. (APA)