Acht US-Soldaten an Grenze zu Pakistan getötet

4. Oktober 2009, 16:46
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Militärsprecherin: "Komplexer Angriff auf die Truppen" - Auch sieben Afghanen getötet - Neuer Britischer Generalstabschef für mehr Soldaten

Kabul - Bei heftigen Kämpfen in Ostafghanistan sind am Wochenende 15 Soldaten ums Leben gekommen, unter ihnen acht Amerikaner. Taliban-Kämpfer überfielen am Samstag zwei Stützpunkte an einem Berg in der Provinz Nuristan, nahe der Grenze zu Pakistan. Daraufhin kam es zu mehrstündigen Gefechten, wie die US-Streitkräfte mitteilten.

Etwa 300 Taliban-Kämpfer hätten im Morgengrauen von zwei Seiten den Stützpunkt am Fuß des Bergs angegriffen, sagte am Sonntag der Polizeichef von Nuristan, Mohammad Kasim Jangulbagh. Danach attackierten sie den Posten am Gipfel, der von US-Truppen gesichert wurde. Bei den Kämpfen war auch die US-Luftwaffe im Einsatz.

15 Polizisten gefangen

Die Taliban-Kämpfer nahmen nach Angaben Jangulbaghs 15 afghanische Polizisten gefangen, unter ihnen der örtliche Polizeichef und sein Stellvertreter. Über ihr Schicksal werde ein Rat entscheiden, sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mujahid. In einer Erklärung der US-Streitkräfte hieß es, der Angriff sei zurückgeschlagen worden, dem Gegner seien schwere Verluste zugefügt worden.

Die Nordostprovinzen Nuristan und Kunar gelten als Hochburg der Terrororganisation Al Kaida. Außerdem hat dort der Milizenführer Gulbuddin Hekmatyar seine Stützpunkte, dessen Militärchef Kashmir Khan in den vergangenen acht Jahren mehreren Raketenangriffen der USA entgangen ist.

In der Provinz Wardak wurden am Freitagabend zwei US-Soldaten von einem afghanischen Polizisten erschossen, der zusammen mit ihnen auf einer Patrouille war. Zwei weitere US-Soldaten wurden verletzt. Vor einem Jahr war es zu zwei ähnlichen Angriffen von afghanischen Polizisten gekommen.

Auf einem Markt in der Nordprovinz Kunduz kamen am Samstag drei Menschen bei einem Bombenanschlag ums Leben. Der auf einem Motorrad platzierte Sprengsatz wurde ferngezündet. Kunduz ist Haupteinsatzgebiet der in Afghanistan stationierten deutschen Bundeswehrsoldaten. In der ebenfalls im Norden gelegenen Provinz Balch fuhr ein finnischer Militärkonvoi auf eine Straßenbombe. Vier Soldaten wurden verletzt.

Der neue britische Generalstabschef David Richards ist für eine Verstärkung der NATO-Truppen in Afghanistan. Eine höhere Zahl von Soldaten würde helfen, die Ziele der internationalen Gemeinschaft zu erreichen und die psychologische Schlacht gegen die Taliban zu gewinnen, erklärte Richards in einem Interview mit dem "Sunday Telegraph". Die NATO müsse zeigen, dass sie sich der Zukunft der Afghanen verpflichtet fühle.

Sollte US-General Stanley McChrystal, der Oberbefehlshaber der NATO-Truppen in Afghanistan, um britische Verstärkung bitten, sei er dazu bereit, zitierte die Zeitung Richards. McChrystal hat bereits in der Vorwoche formell beim Generalstabschef im Streitkräfteausschuss des US-Senats und dem NATO-Oberkommandierenden Admiral James Stavridisum um eine Aufstockung der Truppen in Afghanistan angesucht. Zuvor hatte er in einem Lagebericht allerdings hervorgehoben, wichtiger als zusätzliche Truppen sei eine neue Strategie, die in den Augen der afghanischen Bevölkerung glaubwürdig und nachhaltig sein müsse. Statt Gebiete zu erobern und Aufständische zu "zerstören", müsse es darum gehen, die Unterstützung der Bevölkerung zu gewinnen. (APA/AP)

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