Zeuge im Lockerbie-Prozess soll bezahlt worden sein

3. Oktober 2009, 23:45
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Verurteilter Megrahi beruft sich auf schottische Untersuchung: Bis zu zwei Millionen Dollar für Aussage

London - Im Prozess um den Lockerbie-Anschlag im Jahr 1988 hat einer der Hauptbelastungszeugen offenbar mit Einwilligung der US-Regierung bis zu zwei Millionen Dollar (1,4 Millionen Euro) für seine Aussage erhalten. Das geht aus Dokumenten hervor, die der verurteilte libysche Attentäter Abdelbasset Ali Mohammed el Megrahi am Freitag auf seiner Internetseite veröffentlichte.

Eine schottische Kommission zur Überprüfung von Strafprozessen kam demnach zu dem Schluss, dass der Ladenbesitzer Tony Gauci aus Malta nach einer Anfrage beim US-Justizministerium bis zu zwei Millionen Dollar erhielt. Eine weitere Millionen sollte demnach an seinen Bruder Paul geflossen sein.

Kleiderkauf

Gauci hatte im Prozess ausgesagt, dass Megrahi Kleider in seinem Geschäft gekauft habe, die später in dem Koffer mit der Bombe gewesen sein sollen. Auf die Anfrage bei der US-Regierung war die schottische Untersuchungskommission demnach in privaten Aufzeichnungen von Ermittlungsbeamten gestoßen. Demnach gibt es auch keine Beweise dafür, dass Megrahi zum fraglichen Zeitpunkt auf Malta war. Die schottische Polizei hatte Megrahis Anwälte den Angaben zufolge nicht darüber informiert, dass ein weiterer Zeuge an einem anderen Tag zwei libysche Männer beim Kauf von ähnlicher Kleidung beobachtete.

Der schwer krebskranke Megrahi, der als einziger für den Anschlag auf das US-Linienflugzeug über dem schottischen Lockerbie verurteilt wurde, war im August aus humanitären Gründen aus schottischer Haft entlassen worden. Bei seiner Rückkehr in Libyen wurde er begeistert empfangen. Bei dem Anschlag waren 270 Menschen ums Leben gekommen. Megrahi hatte stets seine Unschuld beteuert. (APA)

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