IAEO untersucht neue Atomanlage Teherans

4. Oktober 2009, 12:13
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ElBaradei erreicht bei Treffen mit Salehi und Ahmadinejad raschen Kontrolltermin

Der Termin steht: In drei Wochen sollen die Inspektoren der Atomenergiebehörde die neue iranische Anlage zur Urananreicherung besuchen. Gleichzeitig wurden neue Details über ein mögliches Waffenprogramm bekannt.

Teheran/Wien – Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) und der Iran haben sich auf einen Termin für die Untersuchung der neuen Atomanlage nahe der Stadt Ghom geeinigt: Am 25. Oktober sollen die Inspektoren die vor zehn Tagen bekannt gewordene Anlage zur Urananreicherung besuchen, kündigte Mohamed ElBaradei am Sonntag in Teheran an. Zuvor hatte sich der IAEO-Chef mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadi-Nejad und dem Leiter der iranischen Atombehörde, Ali Akbar Salehi, getroffen.

Überschattet wurde der zweitägige Besuch ElBaradeis von neuen Berichten über angebliche Arbeiten Teherans an einer Atomwaffe. Die New York Times berichtete am Wochenende in Berufung auf hochrangige IAEO-Mitarbeiter, der Iran habe ausreichend Informationen für den Bau einer Atombombe. Dies sei Teil eines bisher unveröffentlichten IAEO-Berichts zu einer möglichen militärischen Dimension des iranischen Atomprogramms. Die Informationen, die aus Geheimdienstquellen und eigenen Recherchen gewonnen wurden, seien bisher nicht ausreichend bestätigt worden, um sie zu veröffentlichen.

"Umfangreiches Programm"

Laut der IAEO-Analyse hat Iran umfangreiche Tests zur Entwicklung einer Atombombe unternommen, wie die Zeitung schreibt. Es handele sich um ein "umfangreiches Programm" des iranischen Verteidigungsministerium mit dem Ziel, die iranische Mittelstreckenrakete "Shahab-3" mit nuklearem Sprengstoff auszustatten. Das Programm sei laut Report im Jahr 2002 aufgenommen worden.

IAEO-Chef ElBaradei betonte auf einer Pressekonferenz in Teheran, die Behörde habe "keinen konkreten Beweis" für ein derzeit betriebenes iranisches Nuklearwaffenprogramm. Die IAEO bleibe jedoch "besorgt" über diese Möglichkeit. Behauptungen, wonach der Iran Studien zur Entwicklung einer Nuklearwaffe vorgenommen habe, würden derzeit überprüft.

ElBaradei war in den vergangenen Monaten unter anderem von Frankreich und Israel vorgeworfen worden, die IAEO halte Informationen über iranische Atomwaffen-Bestrebungen zurück. Die New York Times berichtete von Unstimmigkeiten zwischen ElBaradei und hochrangigen Mitarbeitern über die Veröffentlichung der entsprechenden Dokumente.

Der Atomstreit mit dem Iran könne durch Dialog gelöst werden, sagte ElBaradei in Teheran. Irans Atomchef Salehi nannte die Gespräche mit dem IAEO-Chef "sehr erfolgreich". Salehi soll am 19. Oktober nach Wien kommen, um den Besuch der IAEO-Inspektoren in Ghom vorzubereiten. (Reuters, red/DER STANDARD, Printausgabe, 5.10.2009)

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    IAEO-Chef Mohamed ElBaradei und der Chef der iranischen Atombehörde, Ali Akhar Salehi, am Sonntag in Teheran. ElBaradei betonte, es gebe "keinen konkreten Beweis"  für ein Atomwaffenprogramm.

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    Mohammed ElBaradei traf am Sonntag mit dem iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad zusammen.

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