Ehemaliger SPÖ-Zentralsekretär mit 83 gestorben

4. Oktober 2009, 18:15
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Fritz Marsch managte die SPÖ für Kreisky und Sinowatz

Wien - Er war der erfolgreichste Manager der SPÖ und hatte gleichzeitig die unangenehmsten Aufgaben zu übernehmen: Gab es in den Kreisky-Jahren Wahlerfolge zu feiern, dann standen andere in der ersten Reihe, um sich als Sieger feiern zu lassen. Ging aber eine Wahl verloren (das passierte der bundespolitisch damals erfolgsverwöhnten SPÖ vor allem bei Regionalwahlen), dann war Fritz Marsch der einzige sozialistische Bundespolitiker, der die unerfreulichen Botschaften zu kommentieren bereit war. Er versuchte regelmäßig, sie ein bisschen in einen Erfolg umzudeuten - das war seine Aufgabe als Zentralsekretär.

Und diese Aufgabe erfüllte er mit bescheidener Hingabe, die für Politiker der Aufbaugeneration typisch war.

1926 in Graz geboren, übersiedelte er nach dem Krieg nach Wien, wo damals auch die niederösterreichische Verwaltung angesiedelt war: 1960 wurde er niederösterreichischer Landesparteisekretär, bei der Wahl im Oktober 1969 errang er das beste Ergebnis, das die SPÖbis dahin im Land unter der Enns hatte: 44,6 Prozent. Marsch wurde mit einem Bundesratssitz belohnt - und er wurde vom im Frühjahr 1970 zum Bundeskanzler aufgestiegenen Bruno Kreisky zum Zentralsekretär bestellt. Für ihn und Nachfolger Fred Sinowatz managte Marsch 17 Jahre lang die Partei. Er verstarb in der Vorwoche. (cs, DER STANDARD; Printausgabe, 5.10.2009)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Fritz Marsch auf einer Archivaufnahme aus dem Jahr 1986.

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