Merkel: 1989 ein Vorbild für heutige Zeit

3. Oktober 2009, 14:07
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"Müssen alte Streitigkeiten hinter uns lassen" - Müller warnt vor Verharmlosung des DDR-Unrechts

Saarbrücken - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Einsatz der DDR-Bürger für den Mauerfall als Vorbild zur Überwindung der aktuellen Krise bezeichnet. "Wir brauchen eine permanente produktive Unruhe, so wie wir sie 1989 (...) erlebt haben", sagte Merkel am Samstag beim zentralen Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in der Saarbrücker Congresshalle. "Wir müssen alte Streitigkeiten hinter uns lassen", betonte die Kanzlerin mit Blick auf die immensen Herausforderungen und die gewaltige Staatsverschuldung. Bürger, Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Verbände müssten gemeinsam an Lösungen arbeiten - und weniger gegeneinander.

Die Einheit, die durch den Mut tausender Deutscher möglich geworden sei, habe gezeigt, welche Kraft in dem Volk stecke. "Sie ist nicht vom Himmel gefallen (...) Sie ist das Ergebnis von Mut, Entschlossenheit und Zivilcourage." Die Einheit sei das Ergebnis einer starken Sehnsucht nach Freiheit gewesen, erinnerte die Kanzlerin. Zugleich appellierte sie an die Bürger, stets verantwortungsvoll zu handeln. Die Finanzkrise 2008 habe gezeigt, was passiere, wenn Freiheit nicht an Verantwortung gekoppelt sei. "Jetzt haben wir die Aufgabe, ein neues Verhältnis von Freiheit und Verantwortung zu entwickeln", forderte die CDU-Politikerin.

Unrecht in der DDR nicxht verharmlosen

Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) warnte in seiner Rede vor einer Verharmlosung des Unrechts in der früheren DDR. An der Berliner Mauer hätten mindestens 136 Menschen ihr Leben gelassen, es habe keine freien Wahlen gegeben und Oppositionelle seien misshandelt worden. Müller, der als amtierender Bundesratspräsident Gastgeber der diesjährigen zentralen Einheitsfeier war, forderte das Thema DDR müsse in den Schulplänen eine größere Rolle bekommen.

Es grenze fast an ein Wunder, dass die Revolution im November 1989 friedlich geblieben sei, betonte Müller, sie sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Einheit Europas gewesen. "Die Wiedervereinigung war ein Sieg der Freiheit über die Unfreiheit und des Rechts über das Unrecht." Zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer sei aber die Wiedervereinigung noch nicht vollendet. "Aber wird sind auf einem guten Weg. (...) Es gibt blühende Landschaften, wenn auch nicht überall", sagte Müller. Die Mauer in den Köpfen sei weitgehend eingerissen. "Es wächst wirklich zusammen, was zusammengehört."

Bürgerfest

Gleichzeitig wurde der 19. Tag der Deutschen Einheit bei einem Bürgerfest in der Saarbrücker Innenstadt gefeiert. Unter dem Motto "Europa leben" waren neben den 16 Bundesländern auch die angrenzenden Nachbarländer Luxemburg und Frankreich mit dabei. Saarbrücken richtete nach 1993 zum zweiten Mal die Einheitsfeier aus. Die zentrale Feier findet immer in dem Bundesland statt, das gerade den Vorsitz im Bundesrat hat. Aber auch in Berlin wurde am Samstag auf einer Festmeile auf der Straße des 17. Juni und am Brandenburger Tor der Tag der Einheit gefeiert. (APA/AP)

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    Angela Merkel gibt Autogramme in der Saarbrücker Innenstadt. Die Kanzlerin meinte in Ihrer Rede zum Tag der Deutschen Einheit: "Wir brauchen eine permanente produktive Unruhe, so wie wir sie 1989 (...) erlebt haben"

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