Letzter überlebender Anführer des Aufstands im Warschauer Ghetto tot

2. Oktober 2009, 23:07
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Marek Edelman im Alter von 90 Jahren in Warschau verstorben

Warschau - Der letzte überlebende Anführer des Aufstands im Warschauer Ghetto, Marek Edelman, ist tot. Edelman starb im Alter von 90 Jahren in Warschau, wie die polnische Zeitung "Gazeta Wyborcza" am Freitag auf ihrer Internetseite berichtete. Edelman war einer von einigen hundert Juden, die am 19. April 1943 im Warschauer Ghetto zu den Waffen gegriffen hatten. Der Aufstand wurde Mitte Mai von SS-Truppen niedergeschlagen.

"Marek Edelman, einer der Anführer des Aufstands im Warschauer Ghetto, Kämpfer des Aufstands von Warschau, Kardiologe und Aktivist der demokratischen Opposition zur Zeit des kommunistischen Polen, ist in Warschau verstorben", hieß es in der Onlineausgabe der "Gazeta Wyborcza". Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. "Ich will nicht sagen, dass er unersetzlich ist - niemand ist das; aber es gibt wenige Menschen wie Marek Edelman", sagte Ex-Außenminister Wladyslaw Bartoszewski dem Blatt.

Drei Wochen Widerstand

Als der Aufstand am 19. April 1943 im Warschauer Ghetto begann, war Edelman im Untergrund in der sozialistischen jüdischen Arbeiterpartei "Bund" organisiert und gerade Anfang 20 Jahre - genauso jung wie die anderen Kommandeure. An diesem Tag wollten die Nazis mit der endgültigen Vernichtung des Ghettos beginnen.

Hinter den Ghetto-Mauern lebten nur noch 60.000 der fast 500.000 Juden, die die deutschen Besatzer dort seit November 1940 eingesperrt hatten. Die anderen waren bereits an Hunger und Krankheiten gestorben oder in den Gaskammern von Treblinka ermordet worden. Edelman und seine Gefährten griffen zu den Waffen, leisteten der deutschen Übermacht drei Wochen erbitterten Widerstand.

Als der Bunker des Führungsstabs der Aufständischen in der Straße Mila 18 am 8. Mai 1943 umstellt wurde, begingen der Anführer Mordechai Anielewicz und seine Gefährten Selbstmord. Edelman war nicht dort; er übernahm das Kommando für die letzten Tage. Am 10. Mai konnte er mit einer Gruppe von 40 Kampfgenossen über die Kanalisation aus dem Ghetto fliehen. Die Deutschen machten das Ghetto dem Erdboden gleich. Rund 7000 Juden starben im Aufstand, die meisten verbrannten bei lebendigem Leib. Die übrigen wurden deportiert und ermordet.

Edelman, der in der Stadt Homl im heutigen Weißrussland geboren wurde, blieb in Warschau. Nach dem Ghetto-Aufstand schloss er sich dem polnischen Widerstand an. 1944 kämpfte er mit beim Warschauer Aufstand. 2001 wurde er zum Ehrenbürger der polnischen Hauptstadt ernannt.

Nach dem Krieg studierte Edelman Medizin und wurde ein bekannter Herzspezialist in Lodz, wo er bis zuletzt lebte. Schon ab den 1970er Jahren engagierte er sich in der antikommunistischen Opposition und dann in der unabhängigen Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc. Nach dem Ende des Kommunismus 1989 gehörte er eine Zeitlang dem Oberhaus des polnischen Parlaments an. (APA)

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    Marek Edelman vor dem Denkmal für den Aufstand im Warschauer Ghetto

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