Angekommen, aber nicht, um zu bleiben

2. Oktober 2009, 20:12
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Bei Meister Salzburg beginnt Stevens' Medizin zu wirken. Auch weil der Trainer Somen Tchoyi wirken lässt. Der hat noch Großes vor

Salzburg/Wien - "Deutschland, England und Spanien, in dieser Reihenfolge", antwortet Somen Tchoyi französisch auf die Frage nach seinen fußballerischen Traumzielen. Gebe es nicht so lästige Hindernisse wie einen noch bis Sommer 2011 laufenden Vertrag mit Salzburg, der Kameruner hätte am Donnerstagabend nach dem 2:0-Heimsieg über Villarreal seine dritte Wahl sofort annehmen können. "Die wollten ihn am liebsten einpacken und gleich mitnehmen", beschrieb ein Red-Bull-Offizieller etwas salopp die Begehrlichkeiten spanischer Scouts in der Arena Wals-Siezenheim.

Dabei ist der 26-jährige Tchoyi erst in den vergangenen Wochen und also mehr als ein Jahr nach seiner Verpflichtung so richtig in Salzburg angekommen. Zwar hat der technisch beschlagene und physisch ungemein starke Offensivmann auch schon unter Coach Co Adriaanse zuweilen seine ballesterische Klasse gezeigt, allerdings auch Disziplinlosigkeiten. Sogar mit dem Gesetz war der Mann aus Douala einmal in Konflikt geraten.

Red Bull bestrafte ihn und hielt an Tchoyi, der um 1,5 Millionen Euro vom norwegischen Klub Stabaek gekommen war, fest. Es sei schwer gewesen, sich einzuleben, sagt er heute, "aber das ist in jedem neuen Land so." Tchoyi wird als introvertiert beschrieben und bezeichnet sich selbst als Einzelgänger, ja Einzelkämpfer. Engeren Kontakt zu Mitspielern hat er nicht, seine Freizeit verbringt er mit Verwandten und Freunden aus Kamerun. Unter Trainer Huub Stevens, der nach gehörigen Anlaufschwierigkeiten die neu zusammengestellte Mannschaft langsam nach seinen Vorstellungen entwickelt hat, erfreut sich Tchoyi an mehr Freiheiten, als anderen zugestanden werden. Der Spieler dankt mit glänzenden Ideen und Toren. In der Meisterschaft hat Tchoyi seine in der gesamten Vorsaison erreichte Marke mit sechs Treffern nach nur neun Spielen eingestellt. Im Europacup traf er am Donnerstag erstmals in dieser Saison.

Besser geht immer 

Stevens plädierte trotz der Erfolge gegen Lazio Rom und Villarreal generell für Bodenhaftung. "Wir haben immer noch Schritte in die richtige Richtung zu machen. Deshalb bleibe ich immer am Boden und das werden auch die Spieler." Und auch Tchoyi im Besonderen wollte er nach dessen Gala gegen die Spanier nicht allzu sehr loben. "Er kann sich noch in allen Belangen verbessern", beschied der 56-Jährige mitten im größten Hallo nach dem Triumph recht trocken. Tchoyi selbst blieb, ganz seiner Art entsprechend, wortkarg: "Das war natürlich ein wichtiger Erfolg für die Mannschaft."

Ohnehin stehen für ihn selbst noch viel wichtigere Spiele an. Tchoyi will um jeden Preis im kommenden Sommer mit Kamerun bei der Weltmeisterschaft in Südafrika geigen. Der viermalige Afrika-Cup-Sieger ist in der einschlägigen letzten Qualifikationsphase auf gutem Wege. Am 10. Oktober könnte im Heimspiel gegen Togo bereits alles klar gemacht werden. Zum Abschluss wartet am 14. November noch die Partie in Marokko.

Tchoyi hat erst sechs Länderspiele absolviert, davon vier in der Qualifikation. Sein bisher einziger Teamtreffer war ihm in selbiger und anlässlich seines Debüts beim 2:1-Erfolg auf den Kapverdischen Inseln gelungen. Die Konkurrenz im Nationalteam ist schon um einiges größer als bei Salzburg.

Ein besonders Vorbild für Tchoyi ist Samuel Eto'o. Geht es um den Stürmer von Inter Mailand, wird der sonst Wortkarge gesprächig. "Samuel ist wie mein Bruder. Er ist nicht nur auf dem Platz ein großartiger Typ, sondern auch abseits des Fußballs große Klasse." (Sigi Lützow, DER STANDARD Printausgabe 03.10.2009)

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    Nicht einmal Europameister Joan Capdevila wurde Somen Tchoyi Herr. Der kräftige Kameruner war gegen Villarreal der überragende Salzburger.

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