Lebensraum von Vögeln schwindet

5. Oktober 2009, 19:05
7 Postings

Ornithologen: Temperaturverschiebungen machen vielen Vogelarten zu schaffen, manche Arten profitieren aber auch

Pörtschach/Wien - Der Lebensraum einiger Vogelarten schwindet zunehmend: Wie Ornithologen beim noch bis Montag in Pörtschach von der Vogelschutzorganisation "BirdLife" mitorganisierten Fachtagung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) berichteten, schrumpft etwa der Lebensräume des Schneefinks durch die Verschiebung der Baumgrenze. Beim Alpenschneehuhn ist laut Untersuchungen in den Schweizer Alpen der Bestand balzender Hähne seit 1990 um mindestens ein Drittel zurückgegangen.

Auch das Birkhuhn zeigt laut den Vogelkundlern an vielen Plätzen, vor allem im Bereich der Verbreitungsgrenzen, eine Abwärtstendenz. Bei den Auerhähnen ist die Zahl der balzenden Hähne in der Schweiz zwischen 1971 und 2001 bereits um mehr als die Hälfte von 1.100 auf 450 bis 500 Exemplare gesunken.

Schneefink

Der Schneefink zählt zu jenen Brutvögeln in den Alpen, welche die höchsten Regionen bevorzugen. Die Tiere nisten oft in Kolonien in Felswänden mit geeigneten Höhlen und Spalten, aber auch an menschlichen Bauten wie Straßenmauern und Schutzhütten. Laut einer aktuellen Studie wird der Lebensraum für den Schneefinken bis 2080 um 15 Prozent schrumpfen. Der Hauptgrund für den Rückgang ist die Verschiebung der Waldgrenze nach oben.

"Wir rechnen mit einem Anstieg der Baumgrenze um 290 Meter", sagte der Wiener Ornithologe Marc Graf. Das bedeutet, dass nur noch ein paar vereinzelte Gipfelregionen baumfrei bleiben und Lebensraum für diese Extremisten bieten. Besonders betroffen werden laut den Experten Alpenrandgebiete sein, laut Graf etwa Slowenien, die Karawanken oder auch der Alpennordrand. 

Wattenmeer

Für Küstenvögel wie die Bewohner des Wattenmeeres könnten die steigenden Meeresspiegel zum Verhängnis werden. "Sibirische Zugvögel machen hier Zwischenstopp auf ihrer langen Reise. Fällt diese Tankstelle weg, ist das für die Tiere lebensbedrohlich." Laut Aussagen von DO-G-Präsident Franz Bairlein könnte das Wattenmeer sogar ganz verloren gehen.

Verwüstung

Den Tierarten macht aber nicht nur der Lebensraumverlust in unseren Breiten zu schaffen, bei der Tagung war vielmehr auch der Rückgang des Bestandes bei den Langstrecken-Zugvögeln Europas ein heißes Thema. Als eine der Ursachen gilt der Lebensraumverlust in den Winterquartieren in Afrika, wo ganze Landstriche zunehmend verwüsten. Der Wassermangel gefährdet das Überleben etwa von Mauerseglern oder Teichrohrsängern.

Die Gefahren liegen aber auch direkt am Zugweg. "Besonders problematisch sind illegale Jagd und ausgeräumte Landschaften, die keine Rast- und Nahrungsplätze mehr bieten", sagte Gerhard Loupal, Präsident von BirdLife Österreich. Auch in Österreich nehme die Bejagung geschützter Vogelarten wieder zu. Trotz der Europäischen Vogelschutzrichtlinie würden etwa in Niederösterreich Greifvögel und in Vorarlberg Kormorane zum Abschuss freigegeben. "Mit Ausnahmegenehmigungen werden so wichtige Gesetze ausgehöhlt", kritisierte Loupal.

Profit

Andere Vögel profitieren hingegen von der Temperaturverschiebung. "Das sind in Zentraleuropa einerseits 'Allerweltsvögel', die früher brüten und später abfliegen. Doch auch Zugvögel gehören dazu, die bisher ihr Winterquartier im Mittelmeerraum aufschlugen und jetzt selbst im Winter auch hier genug Nahrung finden und nicht mehr ziehen müssen", so Feldner. Der Hausrotschwanz etwa habe seine Genetik in kurzer Zeit dermaßen geändert, dass er zum Standvogel geworden ist und auch in den kälteren Monaten in seinem Sommerquartier bleibt. "Das bringt ihm den Vorteil, im Frühling als erster im Revier zu sein." (APA/pte/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Schneefink zählt zu jenen Brutvögeln in den Alpen, welche die höchsten Regionen bevorzugen.

Share if you care.