Beschluss, dass beim nächsten Mal etwas beschlossen wird

2. Oktober 2009, 19:59
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Erster Tag beim Dopingprozess gegen den Skiverband in der norditalienischen Stadt Susa

Susa - Zum Auftakt des Dopingprozesses gegen zehn aktuelle beziehungsweise ehemalige Vertreter des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) wurde am Freitag in der norditalienischen Stadt Susa der Carabinieri-Kommandant Michele Fanelli befragt. Dieser hatte im Februar 2006 während der Winterspiele in Turin die Quartiere der ÖSV-Langläufer und -Biathleten in Pragelato und San Sicario auf Anordnung der Turiner Staatsanwaltschaft durchsucht.

Der Carabinieri-Kommandant berichtete, dass während der Razzia ein Sack mit Spritzen und einigen medizinischen Substanzen aus einem Fenster geworfen wurde. Der Sack wurde beschlagnahmt, die Substanzen untersucht. Fanelli, der als Zeuge der Staatsanwaltschaft vernommen wurde, sagte, dass die Athleten kurz nach der Razzia massiv Wasser zu trinken begonnen hatten. Einige hätten versucht, Flaschen hinter einem Sofa zu verstecken.

Die Anwälte der Verteidigung weigerten sich, den Zeugen zu befragen. Mehrere Dokumente, so auch die Aussagen des Ex-Biathleten Wolfgang Perner vor den österreichischen Justizbehörden, seien nicht übersetzt worden. Damit würden die Rechte des Angeklagten verletzt. Das Verteidigerteam bat Richterin Alessandra Danieli, die Befragung des Zeugen auf den 16. Oktober zu verlegen. Sie stimmte zu, an diesem Tag will die Richterin bekannt geben, welchen Beschluss sie in Bezug auf die nicht übersetzten Dokumente des Prozesses ergreifen will.

Die Rechtsanwälte betonten, dass die Bedingungen für einen ausgewogenen Prozess nicht vorhanden seien, da 1914 Seiten der verschiedenen Rechtshilfeverfahren aus dem Deutschen, Französischen und Englischen nicht ins Italienische übersetzt worden seien. "Wenn die Akten nicht übersetzt werden", sagt ÖSV-Anwalt Manfred Ainedter, "dann boykottieren wir den Prozess und bereiten uns auf die nächste Instanz vor."

Nur Langläufer Martin Tauber und Biathlon-Direktor Markus Gandler waren nach Susa gereist. Die anderen Beschuldigten (ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, die Ex-Coaches Walter Mayer und Emil Hoch, der Sportmediziner Peter Baumgartl, sowie die Sportler Wolfgang Perner, Wolfgang Rottmann, Johannes Eder und Jürgen Pinter) wurden von ihren Anwälten vertreten. (red, DER STANDARD Printausgabe 03.10.2009)

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