Faymania

2. Oktober 2009, 19:21
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Vor etwas mehr als einem Jahr noch war Werner Faymann der Messias

Vor etwas mehr als einem Jahr war Werner Faymann der Messias. Nein, er war mehr: der "Austro-Obama". Zumindest wenn man die drei Krawallzeitungen des Landes durchblättert, die sich damals in Faymania geübt hatten. Es war wie ein Rausch: all die Herausgeber-Leitartikel, die Schlagzeilen, die gereimten und kolumnierten Anschleimungen, die atemlosen Reportagen ("Ein Tag mit Faymann"), gleichzeitig die tückischen Fußtritte gegen den Vorgänger ("Faymann ersetzt teure Gusi-Designer-Büromöbel durch echt schiache Billigware"), diese durch und durch lächerliche Vergöttlichung eines österreichischen Normalpolitikers.

War sie auch durch und durch verlogen? Nur an den - für das eine oder andere Blatt überlebenswichtigen - Inseratensegen geknüpft? Teils, teils. Fellner mag auch an Faymann geglaubt haben, Dichand sieht in Politikern generell nur Instrumente. Er lässt auch ideologisch verwandte wie Jörg Haider fallen, wenn sie den Pfad seines kalten Kalküls verlassen.

Nun sind sie damit beschäftigt, den Hype von gestern vergessen zu machen. Der nächste - Hundstorfer - wird schon vorsichtig abgetestet. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.10.2009)

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