In aller Bescheidenheit gesagt

2. Oktober 2009, 19:14
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In der Bescheidenheit zeigt sich die wahre Größe. Ein Fünftel mehr Leser, die "Presse" noch ein Stück weiter abgehängt - da könnten wir uns in die Brust werfen. Wir aber schreiben uns in den Berichten über die jüngste Media-Analyse 412.000 STANDARD-Leserinnen und Leser zu - wo es doch 421.000 geworden sind. Von den 69.000 Damen und Herren, die wir laut Media-Analyse in den vergangenen zwölf Monaten gewonnen haben, haben wir 9000 unterschlagen.

Wie nonchalant dieser Umgang mit dem Erfolg ist, zeigt erst der Vergleich: "Die Presse" freut sich über einen Gewinn von insgesamt 13.000 Lesern - statistisch sind 0,2 Prozentpunkte mehr zwar nicht aussagekräftig, aber, alle Achtung, das war schon lange nicht da, Kollegen. Und wir schreiben 20 Prozent klein.

Vielleicht hat das alles ja auch mit dem Spaßfaktor zu tun, den wir unserer Leserschaft bieten. Die animierende Nachricht der vergangenen Woche war am Donnerstag im Blatt. "Bei Beutezügen in Wöllersdorf haben fünf Diebe etwa 20.000 Tonnen Baustahl im Wert von 10.000 Euro entwendet" , lautete das in den Kurzmeldungen versteckte Kleinod. Die Leserschaft rechnete nach: Wenn 40 Tonnen Baustahl auf einen Lkw passen, dann müssen fünf Diebe jeweils 100 Fahrten mit einem Sattelschlepper absolvieren, wurden wir aufgeklärt und um den Zusatz klüger gemacht, dass das sogar der Wr. Neustädter Polizei auffallen würde - was hier mit dem gegenüber der Exekutive gebotenen Respekt nur als Gerücht wiedergegeben wird. Nach anderer Rechnung könnte man auch mit 700 Fahrten kalkulieren, jedenfalls wurde ein Stahlpreis von 50 Cent ermittelt. Dieser Preis mache verständlich, dass die Diebe noch andere Dinge hatten mitgehen lassen. Richtig wäre die Angabe von 20 Tonnen gewesen; und der Preis für Baustahl liegt bei mehreren hundert Euro pro Tonne.

Noch ein Rechenkunststück gefällig? Wir schrieben, bei der Deutschen Bahn sei geplant, "bis zu 6000 Stellen zu streichen. Das wäre ein Viertel der 20.000 Bahnbediensteten" . Sollten die Bahnmanager gar nur 5000 Posten abbauen wollen? Eher stimmt, dass wir beim Bruchrechnen Schiffbruch erlitten haben. Bahnchefs ist ja schier alles zuzutrauen, selbst die Schließung von 1700 Neben- und Regionalbahnen, wie wir in der Vorwoche in einem Teil der Auflage zu behaupten wussten. Da müsste die ÖBB noch ein paar Strecken bauen, um so viele zusperren zu können - so viel Kredit, wie für dieses Ausbauprogramm nötig wäre, gibt es gar nicht. 170 Bahnstrecken sind genug. (Otto Ranftl/Leserbeauftragter/DER STANDARD/Printausgabe, 3.10.2009)

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