Erstmals Südamerika - Kriminalität ein dunkler Fleck

2. Oktober 2009, 19:13
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Neun Milliarden Euro an Investitionen vorgesehen - Präsident Lula darf sich feiern lassen

Rio de Janeiro - "Cidade Maravilhosa", die "Wunderbare Stadt", wird Rio de Janeiro genannt. Weiße Strände, der berühmte Zuckerhut und natürlich die Copacabana prägen nach wie vor das Bild der brasilianischen Millionen-Metropole am Atlantik. Doch ist in der Stadt nicht alles wunderbar - Kriminalität, Verkehrschaos und noch fehlende Hotelkapazitäten trüben das Image des Siegers um die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2016.

Die erstmalige Vergabe des wichtigsten Sportereignisses der Welt nach Südamerika bringt auch Präsident Luiz Inacio Lula da Silva einen wichtigen Erfolg. Unermüdlich warb er in den vergangenen Monaten für Olympia 2016 in Rio. "Als Gott die Welt erschuf, bereitete er Rio für die Olympischen Spiele vor", sagte der Katholik einmal. Diese Vorbereitungen flankierten die Organisatoren mit einem ehrgeizigen Konzept. Sie präsentierten dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ein Paket, das umgerechnet rund neun Milliarden Euro an öffentlichen und privaten Investitionen vorsieht.

Das Projekt umfasst unter anderem den Bau eines olympischen Dorfes im Westteil Rios, die Erweiterung von Uferpromenaden an einem See mit eigenem Sportler-Strand und den Ausbau des internationalen Flughafens von Rio. Die Organisatoren werteten es zudem als Vorteil, dass Brasilien im Jahr 2014 ein weiteres Mega-Event ausrichtet - die Fußball-Weltmeisterschaft. Rio, das fest mit dem Endspiel im Maracana-Stadion rechnet, investiere bis dahin Millionen in Infrastruktur und Sicherheit, die zwei Jahre später auch den Olympischen Spielen zu gute kämen, argumentieren Rios Stadtväter.

Als große Schwachstelle gilt die mangelnde Hotelkapazität in Rio, der zweitgrößten Stadt Brasiliens. Die heute zur Verfügung stehende Zimmerzahl entspricht bei weitem nicht den IOC-Ansprüchen. Aus Sicht des Generalsekretärs des Komitees "Rio 2016", Carlos Roberto Osorio, wäre es aber unrealistisch, nun den Neubau von Hotels vorzuschlagen, die nach den Spielen nicht mehr gebraucht würden und leer stünden.

Daher sollen neben den drei Dörfern für Athleten, Journalisten und Sportfunktionären auch die Kabinen-Kapazitäten von Kreuzfahrtschiffen genutzt werden. "Wir werden mehr als die 48.000 notwendigen Zimmer haben: 13.000 in Hotels, 25.000 in den Gäste-Dörfern und 8.500 auf Schiffen und 1.700 in Appartement-Hotels", rechnete Osorio vor.

Der zweite dunkle Fleck in Rios Bewerbung ist die Kriminalität. Schießereien zwischen Polizisten und Drogenbanden in den Armen-Siedlungen (Favelas) rund um Rio gehören zum traurigen Alltag. Bei den Einsätzen gibt es immer wieder Tote und Verletzte. Zwar werden sich Olympia-Touristen kaum in gewalttätige Favelas wie Vila Cruzeiro verirren, in die sich selbst die Polizei nur mit schwerem Gerät traut. Allerdings liegen einige Favelas in unmittelbarer Nähe zu Rios Nobelvierteln, und Überfälle sind auch in Ipanema, Leblon oder Copacabana an der Tagesordnung.

"Kriminalität gibt es nicht nur in Rio. Auch andere Städte haben diese Probleme", meinte Justizminister Tarso Genro zum großen Manko. Das IOC lobte in seiner Abschlussbewertung die Unterstützung der Cariocas, wie die Einwohner der Metropole genannt werden, für die Olympia-Bewerbung.

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