Auf Kosten der Allgemeinheit

2. Oktober 2009, 18:59
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Die ÖBB-Führung stolpert in der Datenaffäre von einem Fettnapf in den nächsten

Lang zuschauen werden die (politischen) Eigentümervertreter nicht mehr können. Während die Führung der Deutschen Bahn wenige Wochen nach Auffliegen des Bespitzelungsskandals samt zweiter und dritter Ebene in die Wüste geschickt wurde, stolpert die ÖBB-Führung in der Affäre um illegal gespeicherte medizinische Diagnosedaten von einem Fettnapf in den anderen. Außer Ankündigungen von Untersuchungen gibt es keine Konsequenzen. Das ist wenig vertrauensbildend, denn es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Details über die schauerliche Praxis von Datenmissbrauch bekannt werden.

Und diese Praxis beschränkte sich keineswegs auf die Eisenbahner. Der öffentliche Dienst, in dem von jeher besonders viele Krankfeierer und Tachinierer vermutet - und teils auch gefunden - wurden, bietet viel Stoff. Erstens zum Schnüffeln, weil pragmatisierte Müllmänner ihren Arbeitgeber, die Republik Österreich, ebenso ausnützten wie Postler, Eisenbahner oder Mitarbeiter in Staatstheatern.

Weidlich ausgenützt wurden zweitens die vom Steuerzahler finanzierten Krankenversicherungs- und Pensionssysteme aber auch von den Staatsbetrieben selbst und damit von den Politikern. Sie haben es den von ihnen in gut bezahlte Positionen gehievten Managern ermöglicht, die Allgemeinheit zu schädigen, indem Personalabbau durch Dauerkrankenstände und Frühpensionierungen ersetzt wurde. Dies in der Öffentlichkeit mit getürkten Statistiken zu verschleiern ist besonders schäbig. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.10.2009)

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