Ferrero-Waldner im Interview

"Europas Außenpolitik muss viel schneller werden"

2. Oktober 2009, 18:21
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    foto: apa/epa/cruz

    Zur Person
    Die österreichische Politikerin Benita Ferrero-Waldner (61) ist seit 2004 EU-Kommissarin für den Bereich Außenpolitik. Zwischen 2000 und 2004 war sie österreichische Außenministerin, zuvor Staatssekretärin im Außenamt.

Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner im STANDARD-Interview: Ja der Iren zum Lissabonvertrag könnte Außenpolitik beschleunigen

Der Außenpolitik der Union fehle es bisher an Schlüssigkeit und Tempo. Ein Ja der Iren zum Lissabon-Vertrag könnte das ändern, sagte Ferrero-Waldner im Gespräch mit Thomas Mayer.

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STANDARD: In den kommenden Wochen wird die österreichische Regierung entscheiden müssen, wen man als nächsten EU-Kommissar nominiert. Stehen Sie zur Verfügung?

Ferrero-Waldner: Die Würfel sind noch nicht gefallen. Man sollte jetzt nicht über die Kommissarsperson spekulieren. Aber eines ist sehr wichtig: dass eine Person nach Brüssel geht oder in Brüssel ist, die ein zentrales Portfolio in der Kommission behält und damit natürlich jemand ist, der europapolitische Erfahrung einbringt. Ich glaube, das ist es, um die Fahne Österreichs in Brüssel hochzuhalten. Mehr will ich nicht sagen.

STANDARD: Was würde der Lissabon-Vertrag für die gemeinsame Außenpolitik konkret bedeuten?

Ferrero-Waldner: Wenn der Vertrag ratifiziert wird, kommt ein neuer Hoher Beauftragter für die Außenpolitik und ein neuer Ratspräsident zum Kommissionspräsidenten dazu. So entsteht in der Union eine neue Troika, vielleicht sogar schon zum Jahresende. Ganz genau weiß man das noch nicht.

STANDARD: Ein Kernelement ist der Aufbau eines diplomatischen Dienstes. Wie weit ist das gediehen?

Ferrero-Waldner: Wir haben uns da bisher sehr zurückgehalten, denn ohne den Vertrag von Lissabon gibt es auch nicht den neuen diplomatischen Außendienst. Wenn es aber gutgeht, wird sehr rasch eine politische Verständigung darüber losgehen, damit man wenigstens einmal die Delegationen der Kommission in der Welt so schnell als möglich in EU-Delegationen umwandeln kann.

STANDARD: Wie viele sind das?

Ferrero-Waldner: Ungefähr 130. Die nächste Frage ist, wie können wir die Kommissionsdienste, die jetzt mir unterstehen, mit dem Ministerrat zusammenführen, und später Diplomaten aus den Mitgliedstaaten dazunehmen? Da gibt es noch keine Festlegungen.

STANDARD: Wie viele Leute sind das?

Ferrero-Waldner: Bei mir sind es insgesamt an die 1800, dazu kommt der Rat. Es ist aber noch zu früh für genaue Zahlen.

STANDARD: Wo sind die Schwächen der bisherigen EU-Außenpolitik, wie Sie das erlebt haben?

Ferrero-Waldner: Die Kohärenz, die Übereinstimmung ist natürlich nicht immer in vollem Umfang gegeben. Denken sie an das EU-Abkommen mit Russland, wo wir natürlich unterschiedliche Befindlichkeiten der Mitgliedstaaten einbeziehen mussten. Es ist uns aber trotzdem gelungen, ein Mandat zu kriegen. Nur hat das sehr lange gedauert. Das könnte sich in Zukunft beschleunigen. Denn der Hohe Beauftragte wird in Zukunft auch die Treffen der EU-Außenminister präsidieren.

STANDARD: Wo sind Schwächen im Bereich der Kommission?

Ferrero-Waldner: Was man braucht, ist ein Europa der Resultate, da haben wir in meinem Bereich viel gearbeitet, etwa bei der Energiesicherheit. Da haben wir die Außenpolitik erweitert. Das geht weiter zum Klimawandel. Wie können wir die Migration in die richtigen Bahnen bringen, eine Öffnung zu Drittstaaten? Es gibt nicht Defizite im engen Sinn, aber die Koordination der Politiken muss in Europa viel stärker werden. Schnelligkeit ist ein ganz wichtiger Begriff, wir brauchen schnelle Mechanismen. Aber all das hat eine Grenze am politischen Willen der Staaten.

STANDARD: Was bedeutet es, dass der Hohe Beauftragte zugleich Vizepräsident der EU-Kommission ist?

Ferrero-Waldner: Zum ersten Mal werden eine Funktion des Rates und der Kommission, noch dazu des Vizepräsidenten, zusammengezogen. Das Positive wird sein, dass er aus der Kommission heraus eine Koordination mitbekommt. Man braucht ein Team. Es ist aber offen, woher es kommt, sei es aus dem Ministerrat, aus der Kommission oder in Form von Sonderbeauftragten. Eines ist sicher: Eine Mensch allein kann das nicht machen, wegen der Reisetätigkeit.

STANDARD: Wie wichtig ist Lissabon denn für die Erweiterung?

Ferrero-Waldner: Wenn es den Vertrag gibt, dann wird es zu einer Konsolidierung kommen, und es ist zu hoffen, dass das die Erweiterung stimuliert. Aus Kommissionssicht ist es so, dass wir mit allen Beitrittsländern weiterarbeiten wie bisher, es kann keine Abkürzung geben für ein Land. Das gilt auch für Kroatien, wo noch einige Hausaufgaben zu machen sind.

STANDARD: Wenn Irland Nein sagt, ist dann Schluss mit Erweiterung?

Ferrero-Waldner: Das glaube ich nicht. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.10.2009)

Kommentar posten
25 Postings
Überwachungskamera1
00
warum die einfach nicht in rente geht

und rosen züchtet.

Simplicius Simplicissimus
07
3.10.2009, 19:13
Ja, richtig, ...

... Waldner hätte 2003 sofort auf den Überfall, bzw. völkerrechtswidrigen US-Angriffskrieg auf den Irak reagieren müssen, indem sie zumindest den US-Botschafter in das Außenamt bestellte, wie die schweizer Außenministerin.

Vanderbild2
00
18.12.2010, 20:28

aha, also wenn wir den us-botschafter einberufen hätten,dann hätten wir den krieg verhindern können?

lächerlich, der hätte sie mit einen "handkuss"
höflichst entlassen,gar nichts hätte es gebracht,
qausser wir hätten immer sagen können "wir waren immer dagegen",na super!

cheap thrills
01
3.10.2009, 18:13
tiefer und schneller!

encore!

leib yggdrasilovic
64
3.10.2009, 17:34
eigentlich ist es völlig gleichgültig,

ws ferrero-waldner sagt; die postings-gemeinde im standard würde auch dann mit haß-schaum vor dem mund regieren, wenn sie feststellte, daß 2x2= 4 ist. diese äußerung wäre "unsensibel", "eine unglaubliche entgleisung", "völlig zum falschen zeitpunkt" oder "einfach unerhört".
ich finde die haßkampagne gegen diese frau einfach brechreizerregend.

RFD
00
22.1.2012, 00:24
Möglich.

Ich will die Kernaussagen des obigen Interviews für Sie zusammenfassen:

- Mehr will ich nicht sagen.
- Ganz genau weiß man das noch nicht.
- Da gibt es noch keine Festlegungen.
- Es ist aber noch zu früh für genaue Zahlen.
- Es ist aber offen, woher es kommt....
- Das glaube ich nicht.

Ich danke Frau Ferrero-Waldner für diese ergiebige Wortspende.
Also wenn ich bei einem Meeting solche Aussagen von mir gebe, dann weist mir mein Chef die Türe bevor ich mit der kurzen Rede fertig bin.
Aber vielleicht können Sie mir ja schreiben, was Frau F-W eigentlich gesagt hat?

Überwachungskamera1
00
wie kann man einer unfähigen sooo die stange halten ????

dr.no3
01
3.10.2009, 17:23
wenn man abgewählt wird

rein in die Europäische Kommission
oder nochmals abstimmen

Karl Heiden
00
3.10.2009, 16:19

Pure Eigenwerbung der Frau Ferrero für den Posten des (diesfalls der) Hohen Beauftragten. Sie sieht sich schon in der "Troika" der Führenden Europas.

Argamak de oro
 
03
3.10.2009, 16:16
soweit bringt man es also

als marionette. das sage ich als mann, der unendlich gerne frauen in verantwortungsvollen positionen sieht. schon vor -zig jahren konnte man sich diesbezüglich bei schwedischen un-delegationen einiges abschauen.

Howard Beale
05
3.10.2009, 06:52
Ich erkenne Anzeichen von Grössenwahn

tramezzino
04
3.10.2009, 12:55

das sind keine anzeichen mehr, sie befindet sich schon im endstadium.

Christiane Amanpour
 
05
3.10.2009, 15:56
SIE SELBST will nochmal einen Kommissarsposten

Irgendwann einmal muss da innerlich ein Schalter falsch gedrückt worden sein, seit damals läuft die automatische Puppe nur mehr in eine Richtung: Ich, ich, ich, hin zum Ruhm. Vielleicht erinnern sich noch einige an ihre öffentlichen und bemerkenswerten Worte als (neue) Staatssekretärin für Min. Schüssel: "Ich mache nur das, was der Herr Minister mir sagt." Jetzt dagegen: Unter mir sind 1.800 Leute (die schneller werden müssen). Naja.

kelchstein
21
3.10.2009, 01:10
Mit der EU kann USA Europa kontrollieren, lenken

und garantieren, dass Europa sich Russland nicht zu sehr annähert. Wenn die USA diesen Staatsapparat, der über den Staaten Europas steht , selbst finanzieren würde und es nicht den EU-Steuerzahlern überlassen würde. Aber dies ist nicht der Fall . Und da sie EU-Staaten bereitwillig zahlen, wird der EU-Apparat stetig wachsen durch den Aufbau neuer Ministerien.
Es muss ein vereintes Europa geben, jedoch mit Staaten, die ihre Unabhängigkeit bewahren, um die Interessen ihrer eigenen Bürger wahrzunehmen.

Lissabon
15
2.10.2009, 23:37
Einsparungspotential

Sämtliche Botschaften der Mitgliedsstaaten zusammenlegen zu EU-Botschaften

und viel Personal, Mieten, kosten und Aufwand könnte eingespart werden!!!


und blaublütige Kinder kommen nicht mehr automatisch im BMEIA unter ...

pepitant
15
2.10.2009, 21:40
Außenpolitik beschleunigen

Hoffentlich könnens vor dem Kaspischen Meer noch bremsen.

Walter Bimini
11
3.10.2009, 08:15
ich glaube sie verlassen sich darauf, daß sie gebremst werden.

bis jetzt war ja spätestens in gegend von moskau endstation.

René Herndl
39
2.10.2009, 20:55
Es gibt keine Defizite?

Frau Waldner beliebt zu scherzen! Oder phantasiert sie wegen der Vogelgrippe? Die europäische Aussenpolitik krankt an der Abhängigkeit von den USA und der NATO, hat keine objektive Linie, ist gegen alle Rechtsnormen auch parteiisch - etwa in Nahost - und beteiligt sich an rechtswidrigen Handlungen, wie z. B. in Afghanistan. Defizite en masse! Was das Demokratieverständnis betrifft scheint jedoch die Dame gewisse Defizite zu haben, da sie die EU an den Interessen der Bürger vorbei regieren will.

Helmut Binder
11
2.10.2009, 20:13
Nur nicht reißen......

Nach 3 1/2 Monaten haben wir ja schon einen Kommissionspräsidenten. Jetzt warten wir noch 3 1/2 Monate, dann haben wir die Kommisssare, aber dann geht`s Vollgas los, oder?

Walter Bimini
11
3.10.2009, 08:16
gut ding braucht weile.

dafür wird die EUdssr einen kriegsverbrecher wie toni blair aus dem hut ziehen.

Felix Schoitl
411
2.10.2009, 19:36
Europa ist in der Hand der Konservativen und der Rechten.

Was heißt "schneller" - will Frau FW Blitzkriege?

Duke-Nukem
00
2.10.2009, 21:12

Ja das will sie, drum die Hohe stirn die sich zur glatze mündet ;)

TrifterSepp
 
21
2.10.2009, 20:04

"Europa ist in der Hand der Konservativen und der Rechten."

Komisch dass gerade die die Überstaatliche zusammenarbeit fördern, sind halt nicht so national angehaucht wie gewisse sozialisten.

Ava Tar
24
2.10.2009, 18:28
Speed kills, sagte schon Großmeister Schüssel

und man begann sich zu frisieren, indem man auf der Autobahn den Kopf aus dem Fenster hielt (s.o.) ;o)

pepitant
00
3.10.2009, 19:38
It´s not the speed that kills you,

it´s the sudden stop.

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