Warum volle Bierflaschen für den Kopf besser sind

2. Oktober 2009, 18:22
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... und es einen Gasmasken-BH gibt - Ig-Nobelpreise 2009 für seltsame Erkenntnisse verliehen

Cambridge - Elena Bodnar hat ihre Karriere in Tschernobyl begonnen. Als die Medizinerin der Uni Chicago die Nachwirkungen des Atomkatastrophe untersuchte, hatte sie eine Idee: Man könnte doch aus einem entsprechend konstruierten BH zwei Gasmasken machen, die so leicht greifbar wären. Jahre später setzte sie ihren Einfall um, publizierte darüber einen Artikel - und wurde nun mit einem der zehn Ig-Nobelpreise 2009 geehrt.

Diese Preise für Forschungen, die besser nicht wiederholt werden sollten, werden alljährlich mit viel Tamtam an der Harvard-Universität in Cambridge von echten Nobelpreisträgern verliehen. Heuer war es am Donnerstagabend wieder einmal so weit - zum mittlerweile 19. Mal. Einer der Stars des Abends war Benoît Mandelbrot, der Pionier der fraktalen Geometrie, der eine 60-sekündige Rede über die Risiken der Finanzmärkte hielt. Chemie-Laureat Martin Chalfie wiederum stellte sich als "Preis" für den Wettbewerb "Gewinne ein Date mit einem Nobelpreisträger" zur Verfügung.

Die echten Helden des Abends waren aber natürlich die Gewinner der Ig-Nobelpreise. In der Kategorie Chemie ging dieser hochverdient an den Mexikaner Javier Morales, der eigentlich daran forschte, wie man aus Wasser und Ethanol einen dünnen Film als Diamant herstellen kann. Seine Frau brachte ihn auf die Idee, doch Tequila zu verwenden - et voilà!

Den Ig-Nobelpreis für Frieden nahm der Schweizer Gerichtsmediziner Stephan Bolliger für sich und vier seiner Kollegen an der Universität Bern entgegen. Das Team hatte gezeigt, dass es für den Kopf zumindest theoretisch besser ist, mit einer vollen als mit einer leeren Bierflasche eine übergebraten zu kriegen. Zu Schädel-Hirn-Traumata führen zwar beide, doch volle Bierflaschen würde früher zerspringen als leere.

So wie Bolliger und die übrigen Ko-Laureaten trug auch Elena Bodnar die Auszeichnung für ihren Gasmasken-BH mit Fassung: "Als Werbung für die Idee ist mir Humor lieber als eine zweite Tschernobyl-Katastrophe."

Die weiteren Ig-Nobelpreisträger 2009

Mathematik: Gideon Gono, Nationalbankchef von Zimbabwe, erhält den Preis dafür, dass er den Menschen seines Landes eine "einfache, alltägliche Möglichkeit" bietet, um den Umgang mit Zahlen zu üben - indem er seine pausenlos nachgedruckten Banknoten mit Werten von einem Cent zu 100 Trillionen beschriftet.

Literatur: Die irische Polizei wird dafür geehrt, dass sie mehr als 50 Strafzettel an den häufigsten Verkehrssünder im Land geschrieben hat - an Prawo Jazdy, dessen Name auf polnisch "Führerschein" bedeutet. 

Physik: Katherine Whitcome von der University of Cincinatty hat mit Kollegen aus Harvard und Texas berechnet, warum schwangere Frauen nicht vornüber kippen. 

Ökonomie: Die Chefs von vier isländischen Banken erhalten den Preis dafür, dass sie gezeigt haben, wie kleine Banken sofort in große verwandelt werden können - und vice versa. 

Veterinärmedizin: Catherine Douglas und Peter Rowlinson von der Universität Newcastle konnten beweisen, dass Kühe mit Namen im Schnitt 250 Liter mehr Milch pro Jahr geben als namenlose. 

Biologie: Fumiaki Taguchi von der Uni in Sagahihara hat mit Kollegen herausgefunden, dass Kompostabfälle mithilfe von Bakterien aus dem Kot von Pandabären um 90 Prozent reduziert werden können. 

Medizin: Donald Unger aus Kalifornien hat widerlegt, dass man durch Fingerknacken Arthritis bekommen kann, indem er 60 Jahre lang mit den Fingergelenken seiner linken Hand knackte, nicht aber mit jenen seiner rechten Hand.

(Klaus Taschwer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3./4. Oktober 2009)

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    Elena Bodnar führt ihre BH-Idee bei der Verleihung der Ig-Nobelpreise 2009 vor.

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