Skepsis bleibt angebracht

2. Oktober 2009, 17:53
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Ob Genf der Anfang eines echten Verhandlungsprozesses war, werden erst die weiteren Gespräche zeigen

Die Gespräche in Genf haben gezeigt, dass auch in der iranischen Diplomatie nicht alles so heiß gegessen wie gekocht wird: Entgegen zahlreichen Ankündigungen, nicht über das Atomprogramm diskutieren zu wollen, haben sich die Unterhändler aus Teheran offenbar doch darauf eingelassen - mit überraschend positivem Ausgang, angesichts der im Vorfeld so angespannten Atmosphäre.

Die westlichen Vertreter haben ihr Ziel erreicht: einen neuen Gesprächstermin zu vereinbaren und, wenn sich der Iran an diese Zusage hält, Inspektionen in der neuen Atomanlage in Ghom durchzuführen. Dass IAEO-Chef Mohamed ElBaradei am Wochenende in den Iran fährt, deutet darauf hin, dass es Teheran mit den Inspektionen ernst meint.

Die von den USA als so signifikant eingeschätzte Vereinbarung, iranisches Uran im Ausland weiter anzureichern, könnte sich tatsächlich als Weg erweisen, Spannungen zu verringern und Zeit zu gewinnen. Wenn über einen längeren Zeitraum umgesetzt, würde das einen bedeutenden Teil des iranischen Uranvorrats außer Landes bringen - und die Sorge der Staatengemeinschaft mildern, dass dieses Material für den Bau einer Bombe eingesetzt wird.

Doch bisher ist diese Vereinbarung rein prinzipieller Natur - und kann sich jederzeit in Luft auflösen, wenn es um die Umsetzung geht. Gut möglich, dass der Iran wieder einmal Zeit schinden und die unmittelbare Androhung von Sanktionen abwenden wollte. Ob Genf der Anfang eines echten Verhandlungsprozesses war, werden erst die weiteren Gespräche zeigen. Skepsis bleibt in jedem Fall angebracht. (Julia Raabe /DER STANDARD, Printausgabe, 3.10.2009)

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