"Zuschauer haben genug vom ewig gleichen, formelhaften TV"

2. Oktober 2009, 18:11
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Als Serienschwester von "Dexter" kommt Jennifer Carpenter ihrem blutrünstigen Bruder nicht auf die Schliche - In den USA startet die vierte Staffel, Sky zeigt die dritte

STANDARD: Ihr erster Kontakt mit dem freundlichen Serienkiller "Dexter" ?

Carpenter: Nach einer Promotiontour in Japan zu Emily Rose. Ich las das Script und mochte es sofort. Allerdings muss ich zugeben, bis zuletzt nicht geglaubt zu haben, dass die Geschichte im Fernsehen funktionieren könnte. Ich hielt Dexter für zu gefährlich und zu heftig fürs Fernsehen. Der große Erfolg wundert mich am allermeisten.

STANDARD:  Ist denn "Dexter" zu gefährlich?

Carpenter: Fernsehen ist ein sehr mächtiges Instrument. Der Grund, warum die Produzenten sich für Dexter entschieden haben, war aber aus Respekt vor dem Publikum. Ich denke, die Zuschauer waren hungrig und bereit für eine Herausforderung. Besonders nach dem Autorenstreik in Hollywood konnte man diesen Nebeneffekt unmittelbar erleben: Die Leute haben genug vom ewig gleichen formelhaften Fernsehen, vom Sitcom-Einerlei mit Hintergrundgelächter. Für mich als Schauspielerin ist Dexter eine Herausforderung. Die Zuschauer nehmen das an, denn letztlich ist es Entertainment.

STANDARD:  Die Morde werden meist in forensischen Codes verhandelt. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Carpenter: Ich habe mich nicht sehr intensiv mit Forensik beschäftigt. Das ist Michaels Teil ("Dexter" Michael C. Hall, Anm.) und betrifft mich nicht. Ich las Biografien über Polizisten. Wir sprachen mit vielen Cops in Miami. Sie erzählten von ihrer Arbeit, das hat uns ziemlich weitergeholfen.

STANDARD:  Weil es darum geht, ein Monster so realistisch und unauffällig wie möglich zu zeigen?

Carpenter: "Dexter" passiert in einem realistischen Umfeld, aber es sind natürlich völlig frei erfundene Geschichten.

STANDARD: Im Gegensatz zu Ihrem Serienbruder und realen Ehemann Michael C. Hall drehen Sie zwischen den Staffeln auch Filme. Lastet "Dexter" nicht genügend aus?

Carpenter: Wir drehen viereinhalb Monate, der Rest des Jahres gehört uns. Die Drehzeit ist sehr intensiv. Der Tag dauert zwölf bis 15 Stunden. Ich mag das. Fernsehen ist wie ein Lernprogramm für Schauspieler. Du verbringst mehr Zeit vor der Kamera. Das gibt mir das Gefühl, für den Film besser ausgestattet zu sein. Ich komme eigentlich vom Theater und war seit sechs Jahren nicht mehr auf der Bühne. Ich hoffe, irgendwann auch wieder Theater zu spielen.

STANDARD:  Bemerken Sie als Schauspielerin auf dem Weg in die erste Liga die Weltwirtschaftskrise?

Carpenter: Auf jeden Fall. Letztes Jahr gab es noch unglaublich viele Vorsprechtermine und Drehbuchangebote. Es wurde viel gearbeitet. Dieses Jahr ist es wirklich auffallend still geworden. Sogar große Häuser reduzieren die Zahl der Filme im Vergleich zu früher.

STANDARD:  Davon merkt man jetzt noch nichts. Erwarten uns magere Filmzeiten?

Carpenter: Wir bemerken es noch nicht, weil es ein fixiertes Line-up gibt, welche Filme die Produktionsfirmen umsetzen. Aber 2010 wird man es sehen. Das könnte interessant werden.

STANDARD:  Wirkt sich die Krise auf die Gage aus?

Carpenter: Wie immer: ein Kampf.

Standard: Ihr TV-Favorit?

STANDARD: Damages (Anwaltserie mit Glenn Close, Anm.). Ich liebe diese Serie. Sie verschwenden keine Sekunde. Jede Szene ist sorgfältig kalkuliert. Die Geschichten sind unglaublich raffiniert, und da sind wirklich gute Schauspieler. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 3./4.10.2009)

Zur Person
Im Jänner kommt Jennifer Carpenter mit John Cusack im Mystery-Krimi "The Factory" in die Kinos. Der ORF zeigt "Dexter" montags spätnachts. Der Abosender Sky startet die dritte Staffel der Serie Montag im Kanal Cinema Hits, 21.55 Uhr.

  • Als Polizistin Debora vertraut Jennifer Carpenter ihrem Bruder, dem Killer "Dexter" . Im wirklichen Leben ...
    foto: sender

    Als Polizistin Debora vertraut Jennifer Carpenter ihrem Bruder, dem Killer "Dexter" . Im wirklichen Leben ...

  • ... übrigens auch: Mit "Dexter" -Darsteller Michael C. Hall ist Carpenter seit zwei Jahren verheiratet.
    foto: sky

    ... übrigens auch: Mit "Dexter" -Darsteller Michael C. Hall ist Carpenter seit zwei Jahren verheiratet.

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