Auf der Suche nach dem unsichtbaren Linzer Design

2. Oktober 2009, 17:13
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Linz wird Zentrum für Designkunst, meinten im Jahr 1980 Künstler aus aller Welt - Warum daraus nichts wurde

Linz - Es war ein kulturelles Großprojekt mit weitreichender Rezeption und Strahlkraft: Das "Forum Design" 1980 in Linz. Für das unmittelbare Umfeld, die Region, endete die 100-Tage-Schau am5. Oktober in einem Fiasko: Rückzug der Sponsoren, Einstellung öffentlicher Subventionen, Strafverfahren gegen die Projektträger. Wie präsentiert sich Design in Oberösterreich knapp 30 Jahre nach "Forum Design" im "Spannungsfeld zwischen regionaler Identität und internationalem Anspruch?" Dieser Frage will das Linz-09-Projekt "Designland" nachgehen.

Bis zu den 80er-Jahren wurde die Industriestadt Linz wohl berechtigt als kulturelles Mauerblümchen gesehen. Rückblickend kann das "Forum Design" als Ausgangspunkt des Weges zur (europäischen) Kulturhauptstadt gesehen werden.

Als Erste ihrer Zeit setzte sich diese Ausstellung mit der Forderung nach mehr Sinnlichkeit im Design auseinander. Die bis dahin gültige Auffassung, die Wertigkeit eines Gegenstandes orientiere sich an dessen Funktionalität, stand zurDiskussion. "Dort wurde erstmals der Übergang von der Moderne zur Postmoderne im Design und in der Architektur präsentiert", würdigt die Hochschule für künstlerische Gestaltung im deutschen Offenbach das "Forum Design" als eine der "bedeutendsten Designereignisse in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts" .

Basierend auf der These des Schweizer Soziologen Lucius Burckhardt "Design ist unsichtbar" stellte der damaligeRektor derKunst-Uni, Helmuth Gsöllpointner, das Großprojekt auf die Beine. Der Leitspruch der Ausstellung lautete "Design formt den Alltag" , international renommierte Künstler präsentierten ihre Werke in der Provinz. Die begleitende Publikation zur Ausstellung "Design ist unsichtbar" zählt heute zu den Klassikern in der Fachliteratur.

Gsöllpointners Erfahrungen

Das aufklärerische Ziel, Nichtexperten Designkunst zu vermitteln, wurde hingegen verfehlt. Statt der erwarteten 400.000 Besucher kamen lediglich 34.000. Die Veranstalter mussten Insolvenz anmelden, wegen fahrlässiger Krida wurde Gsöllpointner verurteilt.

"Über seine Erfahrungen mit und in der Stadt Linz damals wie heute" , spricht er am Montag, dem 5. Oktober, im Kepler-Salon. SeinVortrag ist auch der Auftakt zur Ausstellung "Der ,Fall‘ Forum Design" in der Landesgalerie (15. Oktober bis 28. Februar. Sie soll der Versuch sein, die Ereignisse von damals nüchtern zu analysieren, "nicht zuletzt auch in der Hoffnung, zukünftiges Scheitern zu vermeiden", wie die Konzeptverantwortlichen Martin Hochleitner und Gabriele Hofer meinen. Den aktuellen Status von Designkunst in Oberösterreich wird zudem in einer Reihe von Veranstaltungen im Rahmen von "Designland" dargestellt.

Reinhard Kannonier, heutiger Direktor der Linzer Kunst-Uni, vermisst jedoch Anknüpfungspunkte an die Ausstellung vor 30 Jahren. "In Wahrheit ist damals ein Ufo in Linz gelandet, das nach 100 Tagen wieder abhob und nur verbrannte Erde zurückgelassen hat." Design sei in den letzten Jahrzehnten in Linz "sträflich vernachlässigt worden" . Auch der Designschwerpunkt im Rahmen des europäischen Kulturhauptstadtjahres sei demzufolge "primär historisch ausgerichtet", merkt Kannonier durchaus kritisch an. Die Verantwortlichen von Linz 09 argumentieren hingegen: Kein Ausblick ohne Rückblick. "Designland" verfolge sehr wohl "den Sinn und Zweck, Input für das Design von morgen zu liefern".

Unbekannt im eigenen Land

Das Problem, so sehen es in Linz lebende Künstler, liege viel mehr darin, dass Design in der Stadt nicht wahrgenommen werde. Es fehle nicht an international preisgekrönten Produkten - nur an deren Bekanntheit im eigenen Land, meint das Designforum Linz, eine von heimischen Künstlern ins Leben gerufene Interessengemeinschaft. Sie werden mit "Designjungle" im ehemaligen Lagerdepot am Linzer Pfarrplatz eine Werkschau präsentieren. Rund 50 Werke oberösterreichischer Designer aus verschiedenen Bereichen des Industriedesigns werden vom 29. Oktober bis 4. November dort ausgestellt, von Sportgeräten, industriellen Baugeräten bis hin zu Skibindungen. (Kerstin Scheller, DER STANDARD/Printausgabe, 03./04.10.2009)

  • "Design formt Alltag" , erklärte der ehemalige Rektor der Linzer
Kunst-Uni, Helmuth Gsöllpointner, 1980. Das Linz-09-Projekt
"Designland" greift das Thema jetzt auf.
    foto: linz 09

    "Design formt Alltag" , erklärte der ehemalige Rektor der Linzer Kunst-Uni, Helmuth Gsöllpointner, 1980. Das Linz-09-Projekt "Designland" greift das Thema jetzt auf.

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